Kovar & Partners
Projektarbeitsbereich

Beiträge für die Arena Analyse 2020 - Wir wissen, was wir tun


Alle reden über Klimawandel, Digitalisierung, Migration, Globalisierung – ganz offensichtlich sind das große Themen, die uns noch länger beschäftigen werden. Doch hinter den schlagzeilenträchtigen Problemen stehen noch andere Entwicklungen, die möglicherweise unsere Zukunft verändern werden, die aber von der breiten Öffentlichkeit noch nicht so recht wahrgenommen werden.
Den Expert*innen und Insidern der jeweiligen Fachgebiete sind sie hingegen längst vertraut, dort herrscht womöglich sogar Erstaunen darüber, dass manche Phänomene noch nicht breiter diskutiert werden.
Solche schlummernden Themen – emerging Issues – will die Arena Analyse ans Licht bringen: große Themen von morgen, deren Hintergründe sowie deren künftige gesellschaftliche Bedeutung.
Kovar & Partners richtet deshalb gemeinsam mit den Medienpartnern „Der Standard“ und DIE ZEIT an einen ausgewählten Expertenkreis gezielt die Frage, kommende Themen aus jenem Gebiet zu nennen, mit dem sie sich gerade am stärksten beschäftigen. Und diese Themen online mit allen anderen Teilnehmenden zu diskutieren.
Zu folgenden Fragestellungen interessiert uns Ihre persönliche Einschätzung:
1. Welches sind aus Ihrer Sicht Themen, über die in den Medien derzeit noch kaum berichtet wird, die aber so wichtig oder so drängend sind, dass sie in den nächsten fünf Jahren zwangsläufig öffentlich diskutiert werden? Gibt es Ihrer Meinung nach Themen, die derzeit noch nicht auf der politischen Agenda stehen, welche aber aufgrund ihrer Wichtigkeit dort bereits behandelt werden sollten?

2. Was sind Ihrer Einschätzung nach die konkreten Hintergründe und erkennbaren Wechselwirkungen hinter diesen Themen?

3. Welche Maßnahmen sollten im Hinblick auf diese Entwicklungen schon jetzt gesetzt werden?
Objective
Die Diskussion zu dieser Arena Analyse ist abgeschlossen. Die Inhalte sind hier aber weiterhin sichtbar und können nachgelesen werden. Sie können sogar die gesamte Dokumentation exportieren.

Bis 14. Dezember 2019 haben die eingeladenen Teilnehmer*innen die Möglichkeit gehabt Ihre Antwort in einem oder mehreren Beiträgen zu schreiben. Wie bei allen Arena Analysen sichern wir allen Teilnehmer*innen Anonymität zu. Diese Online-Diskussion hat in einem geschlossenen Arbeitsbereich stattgefunden, zu dem nur die eingeladenen Teilnehmer*innen Zugang hatten.

Alle Überlegungen sind in den Bericht eingeflossen, der Anfang 2020 erschienen ist.
Im Anhang finden Sie hier die Arena Analyse 2020 - Wir wissen, was wir tun, die auf Basis dieser Diskussion erstellt worden ist.

Mit besten Grüßen

Andreas Kovar und Walter Osztovics
Die Arena Analyse 2020

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Internationalisierung und Sozialisierung
Wichtige Themen (neben der zentralen Umweltthematik), deren Relevanz langsam sichtbar wird, sind:
- Aufbau europäischer und globaler sozialer Sicherungssysteme
- Etablierung europäischer und globaler Steuersysteme
- Diskussion von sozialer Frage und Eigentum

Hintergrund ist, dass für viele Menschen zunehmend klar wird, dass Staaten keine Unternehmen sind und ihr Verhältnis zu den BürgerInnen und untereinander daher nicht angemessen als Markt begriffen werden kann. Sinnvoll erscheint es daher, eine eruopäische Verfassung (als Grundlage für Steuersysteme und soziale Sicherungssysteme) zu etablieren und eine Weltverfassung vorzubereiten.
ca 5.300 Tote in Österreich pro Jahr durch Feinstaubbelastung
1. Laut Angaben der Europäische Umweltagentur (EEA) sterben europaweit jährlich hunderttausende (!!!) Menschen durch Feinstaub, Stickstoffdioxid und bodennahem Ozon vorzeitig. Im Jahr 2016 waren es rund 400.000 vorzeitige Todesfälle allein in der EU. In Österreich waren es rund 5.300 Menschen in diesem Jahr, das sind rund 15 pro Tag.
Ich bin einfach nur perplex, dass soviel Tote nicht einmal ansatzweise zu einer öffentlichen Debatte, geschweige denn Empörung oder gar ultimativen Aufforderung führt, diesen unerträglichen Zustand zu beenden.

Das müsste eigentlich in den nächsten 5 Jahren einen Spitzenplatz auf jeder politischen Agenda haben. Bloß achselzuckendes Zur-Kenntnis-Nehmen geht zu Lasten der Schwächsten in der Gesellschaft, also der Alten und ganz Jungen.
2. Die Hintergründe sind koplex. Dies liegt zum einen an der fehlenden unmittelbaren Sichtbarkeit (es liegt niemand tot am Boden und ein blutiges Messer daneben), und die Verursacher verstehen es geschickt, den Ball niedrig zu halten (da sind wohl wirtschaftliche Motive im Vordergrund). Und da Politik zu solchen Fragentypischerweise  eine opportunistische Haltung einnimmt, kann man davon ausgehen, dass sie sich diesem Thema erst zuwendet, wenn entsprechender öffentlicher Druck entsteht.

3. Analyse der Hauptverursacher und Gegenmaßnahmen mit Güterabwägung, wobei natürlich der Schutz menschlichen Lebens wohl eine sehr großen Stellenwert eingeräumt bekommen müsste. 
Bildung ins Zentrum: soziale Schieflage hemmt die Entwicklung von ausreichend qualifizierten AbsolventInnen
Österreichs Bildungswesen ist weiterhin trotz mehrerer Reformbemühungen veraltet, überbürokratisiert und teilweise nicht geeignet den Erfordernissen einer modernen Industriegesellschaft zu genügen.
Das liegt zum einen an einer - durch die letzte Regierung noch verstärkte - Law and Order Pädagogik eingebettet in weiterhin verkrustete Führungs- und Ausbildungsstrukturen, an mangelnder Initiative, sich den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft was Mehrsprachigkeit; soziale Schieflage; Problemkonzentration betrifft, zu stellen und generell die Bildung von der Frühförderung bis hin zur Erwachsenenbildung auf ganzheitliche, zeitgemäße Beine in Struktur und Inhalt zu stellen.
Angesichts eines wachsenden Mangels an BildungssysemabsolventInnen, die den Anforderungen der Betriebe und der Gesellschaft insgesamt genügen, wird sich dieses Thema nur mehr begrenzt zurückdrängen lassen.
Ein Backlash in der Bildung, über Rückkehr in längst vergangene Pädagogik über Noten, Strafen, Handyverbot kann längerfristig dem internationalen Trend nicht standhalten. 17% der österreichischen Pflichtschulen weisen eine soziale Zusammensetzung der SchülerInnen an einem Standort vor, der dringlichste Intervention benötigen würde. Darüberhinaus sind an die 70% der Kinder in Wiens Kindergärten mehrsprachig, ohne dass dies in deren Sprachförderung progressiv aufgegriffen würde (Deutsch über alles!). LehrerInnendienstrecht; Ressourcenzuteilung und bundesländerspezifische Egoismen tun ihr übriges, um kindergerechtes Organisieren der Bildungseinrichtungen schwer zu machen. 
Vorschläge was verändert werden könnte, liegen nicht nur vor; sondern sind in mehreren Ländern bereits erprobt: "Wasser dorthin, wo es brennt! - Schulen mit hohen sozialen Herausforderungen brauchen - immer nach geschaffener Klarheit über das Schulziel - Ressourcen in Form von LehrerInnen, Unterstützungspersonal, FreizeitbetreuerInnen, soziale Unterstützung; Kreativität; Sport etc. Nur so kann das liberale Staatsziel: unabhängig von der Herkunft werden Chancen durch Bildung für alle zugänglich, erreicht werden.
Konkret: AK-Chancenindex; Sozialindex nach Modell Universität Linz....
International erprobt in den Niederlanden, in Belgien, in Hamburg, in Zürich, in Großbritannien, wo über das Projekt "London Challenge" auch eine Großstadt zeigt wie Schulentwicklung rasch vorangetrieben werden kann.
Urbanisierung und Klimakrise könnten uns in der Kombination große soziale Verwerfungen bescheren
Die Prognosen des IPCC gehen von einer Erderwärmung aus, die in den Städten getrost als Erhitzung bezeichnet werden kann. Obige Grafik (von 23degrees.io) zeigt das prognostizierte Klima von Wien im Jahr 2080 - es entspricht in etwa jenem von Dakar im Senegal. Wir werden etwa ein Drittel weniger Niederschläge haben und werden das ganze Jahr über die Raumtemperatur kühlen müssen.

Eine Menge Initiativen zum Thema Stadtgestaltung sind hier schon im Gange - Stadtgrün, "Schwammstadt" etc. Ich stelle mir die Frage, wie sich die daraus evtl. entstehenden sozialen Verwerfungen entwickeln werden. Zwei mögliche Phänomene drängen sich hier auf:

- "leistbarer Wohnraum" wird unter Einschluss von "leistbar temperierbarem" Wohnraum sein - mit allen Folgewirkungen.

- Die Immobilienpreise werden sich u.U. noch stärker auseinanderentwickeln, mit einem deutlichen Sog auf die Mietpreise.

- Die Stadt und Genossenschaften mit ihrem hohen Bestand an zum Teil unsanierten und ungedämmten Wohnräumen stehen vor hohem Investitionsbedarf.

- Bekommen wir durch diese Entwicklung neue Verslumungstendenzen und wie begegnen wir ihnen?

- Der sich vermutlich verstärkende Trend zur Verstädterung wird die Situation mehr verschärfen statt entspannen.
Global Sustainability Report 2019
Am 24.9.2019 wurde der Global Sustainability Report 2019 der UNO publiziert. Er ist einer der wenigen UN-Reports, die ausschließlich von den 15 WissenschafterInnen/AutorInnen geschrieben und gestaltet wurde und nicht durch poilitische Abstimmungsmechanismen gangen ist. Der Bericht ist alarmierend. Die Entwicklung der Indikatoren ist in einigen Bereichen positiv, in vielen wichtigen Indikatoren sehen wir weitere negative Trends. Dies betrifft insbesondere Klimawandel, Energie, Material-Fußabdruck der Menschheit pro Kopf und da wieder ganz besonders im Globalen Norden. Spannend an dem Bericht ist die Darstellung der starken Vernetzung von "Entry Points", wenn es um die Transformation des Wirtschaftssystems und der Gesellschaft geht, um die Nachhaltigkeitsziele 2030 zu erreichen. Meiner Wahrnehmung nach sind wir in der öffentlichen und poilitschen Diskussion sehr weit davon entfernt, die SDGs als das wahrzunehmen, was sie sind: stark vernetzte und unteilbare Ziele, um die übergeordnete Zielsetzung zu erreichen, nämlich das zukünftige Leben der Menschheit auf diesem Planeten zu ermöglichen. Wenn wir nicht in der Lage sind, rasch zu Strategien und dann noch rascher zu deren Umsetzung zu kommen, wird es immer schwieriger werden. Die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen und das darauf basierende Regierungsprogramm sollte auf diese Herausforderungen dringend reagieren. Brennpunkte in diesem Zusammenhang sind aus meiner Sicht: Flächenverbrauch durch Versiegelung, Anpassung der Land- und Forstwirtschaft auf die immer deutlicher werdenden Auswirkungen des Klimawandels, Verringerung des Materialfußabdruckes pro Person durch Effizienzsteigerungen, nachhaltige Mobilitätskonzepte,... Eine gesellschaftliche Diskussion zu unserem Wertegerüst scheint dabei unausweichlich: Wohlbefinden versus Wohlstand, eine Neudefinition persönlicher Erfolgsindikatoren - weg von rein materiellen und eine Diskussion des Begriffs "Arbeit", insbesondere auch von ehrenamtlichen und unbezahlten Tätigekeiten.
Selbstblockade des Umweltschutzes
Es gibt kaum Lösungen für die Klimaschutzproblematik, die nicht aus Umwelt/ oder Naturschutzgründen aktiv bekämpft werden: sei es die thermische Isolierung von Gebäuden, die Wasserkraft, die Windkraft, die Nutzung von Bioenergie, Elektromobilität, Photovoltaik auf Freiflächen, Überlandleitungen usw.

Umweltorganisationen werden für Kampagnen gegen Lösungen zum Teil mit dreistelligen Millionenbeträgen ausgestattet und leisten ganze Arbeit. Ob diese Beträge von einzelnen US Milliardären stammen, von Stiftungen die für Umweltthemen stehen, oder ob diese versteckt über Unternehmen der fossilen Energiewirtschaft finanziert werden spielt vom Effekt her keine Rolle.  Es werden großflächige Kampagnen umgesetzt, die Lösungen in Zweifel ziehen oder völlig diskreditieren, wobei Appelle an den „Hausverstand" wichtiger sind als seriöse Argumentation. Populismus auf Öko. Beispiel: ein Baum benötigt viel mehr Zeit zum wachsen, als es braucht um ihn zu verbrennen - also ist die postulierte CO2 Neutralität von Bioenergie eine Illusion und Holz ist schlimmer als Braunkohle. (Letzte Woche publiziert in der FAZ).

Umweltorganisationen werden damit mit ihrer inhärenten Tendenz zur Vereinfachung und Polarisierung zunehmend zu einem zentralen Problem des Klimaschutzes. 
Die Ressource Wasser
Trinkwasser wird künftig eine Ressource werden, die vielleicht ähnlich kostbar und teuer wird wie Erdöl. Vielleicht sind die neuen Scheichs von morgen, Besitzerinnen und Besitzer von frischen Quellen und sauberen Trinkwasser. Deshalb ist es so wichtig, dass unser Trinkwasser jetzt verfassungsrechtlich geschützt ist: https://www.bmnt.gv.at/wa... https://www.bmnt.gv.at/wa... In diesem Zusammenhang liegt ein Gedanke nahe, nämlich, das Österreich vielleicht zu den ökonomischen Profiteuren des Klimawandels zählen könnte. Aber das klingt beinahe blasphemisch, darf so überhaupt gedacht werden? 
Migration/Klimaflüchtlinge und Thema "soziale Ungleichheit"
Viel zu wenig wird momentan der Zusammenhang zwischen Klimakrise und Migration diskutiert: wenn nicht entschieden in Bezug auf Klimakrise Maßnahmen gesetzt werden, u.zw. weltweit, werden viele Menschen aus dann unfruchtbaren Gebieten in den Norden flüchten. Und wird dann EU-ropa weiterhin die Grenzen schließen? Viele PolitikerInnen diskutieren leider Klimakrise und Migration/Flucht getrennt, obwohl beide Komplexe so stark zusammenhängen!

Weiter: Auch die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich wird dadurch verstärkt; d.h. dass sich die Gesellschaften und die Politik den offensichtlichen Zusammenhängen stärker widmen muss. Die Kluft zwischen Nord und Süd wird noch größer werden. Umverteilungen werden notwendig werden, durch welche Steuern etc auch immer.

Die momentane "Klima-Hype" ist sehr zu begrüßen; allerdings fehlt mir bisher eine Diskussion über die größeren gesellschaftspolitischen Zusammenhänge und die langfristigen Konsequenzen.
Arbeit für Ältere (insbesondere für Frauen von 55-65)
Die Erwerbstätigenquote älterer Menschen zu erhöhen, ist zwar ein stiller Dauerbrenner, in den nächsten Jahren wird das Thema aber noch einmal virulenter:
Ab 1.1.2024 wird in Österreich das derzeitige Pensionsantrittsalter der Frauen schrittweise an das der Männer herangeführt. Das heißt, Frauen mit einem Geburtsdatum ab 2.12.1963 haben bereits ein erhöhtes Antrittsalter. Für Frauen, die heute 51 Jahre alt sind, gilt bereits die Vollendung des 65. Lebensjahrs als Anfallsalter. Dieses Faktum scheint weder allen PolitikerInnen bewusst (siehe Diskussionen im Vorfeld der Nationalratswahl, wo Angleichung des Antrittsalters gefordert wurde, als wäre diese Angleichung in weiter Ferne), noch scheint es im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen, von ArbeitgeberInnen ganz zu schweigen.
Die Statistik weist für 2018 aus, dass unter den 55- bis 64jährigen Frauen nicht einmal jede Zweite erwerbstätig war. Das wird sich sehr rasch ändern müssen.
Aber wer hat Konzepte, wie das funktionieren soll? Arbeiten bis 65 - mit welchen Jobs?
Bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage fehlt vielen "Erstbetroffenen" (= Frauen um die 50) die Phantasie dazu, politisch Verantwortlichen offenbar auch.
Wohnkostenkrise
Die Urbanisierung hat die Wohnkosten in allen europäischen Ballungsräumen in den vergangenen Jahren auf neue Spitzen getrieben.
Während in Deutschland bereits eine Art "Eskalationsstadium" mit großen Mieter*innen-Protestbewegungen erreicht ist, scheint auf nationaler österreichischer Ebene die Lage ruhiger - nicht zuletzt dank des großen Bestands an kommunalen und geförderten Wohnungen.
Was allerdings zur Zuspitzung der Lage auch hierzulande führen bzw. "das eine Tröpfchen zuviel" sein könnte und bis jetzt unter dem politischen Radar liegt: In den nächsten Jahren stehen die Pensionsantritte der sogenannten Babyboomer bevor, das sind die heute 50- bis 60-Jährigen. Das ist gleichzeitig die Gruppe, die in den letzten Jahren am stärksten für den Anstieg bei den Single-Haushalten gesorgt hat - rd. 20% dieser Altersgruppe leben allein.  Das verringerte Einkommen bei Pensionsantritt wird es gerade vielen in dieser Gruppe schwer machen, weiter die gewohnten Wohnkosten zu stemmen. Und es gibt zu wenig (Umzugs-)Alternativen: Dem erhöhten Bedarf an günstigen, geförderten Kleinwohnungen steht bislang kein ausreichend großes Angebot gegenüber.
[Die in den letzten 15 Jahren rasant gestiegenen Grundstückspreise verunmöglichen zunehmend geförderten Wohnbau v.a. in Städten; der boomende freifinanzierte Wohnbau produziert bis jetzt vorwiegend Eigentum, aber auch der freifinanzierte Mietwohnungsbau ist für untere und mittlere Einkommen bis jetzt nicht bezahlbar.]
Wohnpolitik und Bodenpolitik - beides wird auf nationaler und internationaler Ebene in den nächsten Jahren verstärkt Thema werden.
Umwelt, Migration, Bildung, Demographie und die weniger diskutieren Interdependenz
Die wesentlichen Themen unserer Zeit, v.a. in Europa, sind bekannt werden intensiv diskutiert: Umwelt, Migration, Bildung, Demographie. Weniger diskutiert wird die Interdependenz dieser Bereiche. 
Zweifellos kann der Klimawandel wissenschaftlich nachgewiesen werden. Es ist legitim - wenngleich nicht sehr vernünftig - zu sagen, dass man ihn ignoriert. Zu sagen, dass er nicht stattfindet, ist eine Verweigerung der Realität. Richtigerweise hat es Veränderungen der klimatischen Verhältnisse immer schon gegeben. Zwei Faktoren unterscheiden allerdings die derzeitige Situation von den früheren: 1. Findet der Wandel global und nicht regional statt, 2. sind die Zeiträume, in denen Veränderung stattfindet wesentlich kürzer als bisher. Dies führt zu extremeren Ausprägungen des globalen Klimas, Spitzenwerte, die früher Ausreißer waren, werden zum Normalfall. Wandel kann übrigens Veränderungen in alle Richtungen (wärmer oder kälter, mehr oder weniger Niederschlag, etc.) bedeuten. 
Die große Migrationswelle mit rund einer Million Menschen, die nach Europa gekommen sind, führte zu einer realen Überforderung, da in Europa darauf niemand vorbereitet gewesen war. Rein statistisch sollte es keinerlei Problem bedeuten, eine Million Menschen in eine halbe Milliarde von Menschen zu integrieren. Das war es aber dann doch, denn im Mikrokosmos (wo wohnen und arbeiten die zugezogenen Familien, wie können sie sich in ihr Umfeld integrieren, etc.) sah man viele Mitbürger sowie die staatlichen und europaweiten Stellen unvorbereitet und überfordert. Es fehlt die reale Perspektive, mit der die meisten Flüchtlinge während ihrer Flucht gerechnet haben.
Das derzeitige Bildungssystem, das seit über hundert Jahren überdurchschnittlich gut funktioniert, kommt durch die neuen Herausforderungen in Gesellschaft und Wirtschaft an seine Grenzen. Nicht nur die Strukturen der Bildungseinrichtungen, wie unterrichtet wird, sondern auch die Inhalte gilt es zu modernisieren. Das viel zitierte Konzept des "lebenslangen Lernens" sollte keine Ausnahme mehr sein, sondern in allen Berufen Anwendung finden.
Demografische Daten sind grundsätzlich sehr genau vorhersagbar. Es ist evident, dass die europäische Bevölkerung älter wird und weniger Kinder bekommt. 
Die Zusammenhänge zwischen diesen vier Trends müssen noch wesentlich genauer betrachtet werden, den singuläre, und somit simplifizierte Lösungen, werden nicht tragend sein. Beispielhaft seien folgende, oberflächliche Interdependenzen genannt:
Auch wenn die letzte Migrationswelle v.a. durch Kriege ausgelöst wurde, ist es wahrscheinlich, dass die nächsten Völkerwanderungen (bis zu 40 Millionen Menschen in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten) hauptsächlich aufgrund des Klimawandels stattfinden und sich von Afrika aus Richtung Norden bewegen werden. Temperaturen von 50 Grad Celsius und mehr werden in bestimmten Regionen normal werden. Den Bewohnern dieser Orte bleibt letztlich nichts Anderes übrig als diese zu verlassen. Der Wandel des Arbeitsmarktes in Europa von einem Angebotsmarkt an Arbeitskräften zu einem Nachfragemarkt wird bei der Integration nicht behilflich sein. Ganz im Gegenteil: Gesucht werden die bestausgebildeten Kräfte, was die Aufnahme von Flüchtlingen - nicht nur wegen ihrer wesentlich größeren Anzahl - noch deutlich erschweren wird. Auch die Demografie spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle: Die wesentlich kinderreicheren Familien kommen durch Zuzug nach Europa und werden daher in absehbarer Zeit einen klar messbaren Anteil an der Bevölkerung stellen. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen zu schaffen, dass sie das gesellschaftliche Funktionieren aufrechterhalten können. Zudem spielt die Tatsache der älter werdenden Bevölkerung auch klar am Arbeits- und Bildungsmarkt eine Rolle: Die Frage nach Pensionsbeginn, Finanzierung von Pension, Krankheit und Pflege und die dafür ausgebildeten Fachkräfte werden uns intensiv beschäftigen.
Wesentlich wird also die Befassung mit den gegenseitigen Abhängigkeiten der altbekannten Megatrends künftig sein.
Rolle Chinas in der Nachbarschaft, Migration aus dem Balkan, Terrorismus und Technologie
Während die Rolle chinesischer Investititonen in Europa (Stichwort Huawei und 5G) vielfach diskutiert wird, ist die Rolle Chinas in Südosteuropa ein Thema, das weniger beleuchtet wird. Interessant ist in diesem Zusammenhang insbesondere die Rolle Chinas in Serbien, wo das Land Sicherheitskräfte ausbildet. Die Tatsache, dass die Beitrittsgespräche mit Albanien und Nordmazedonien wieder verschoben wurden, könnte dem chinesischen Einfluss in der Region zuträglich sein. 

Ein Thema, das zudem von den Medien vernachlässigt wird, ist die Frage der Auswanderung aus dem Balkan und der Effekte auf Gesellschaft und Politik vor Ort. Immer mehr Menschen wollen sich auf den Weg nach Europa machen und einige Länder, wie etwas Deutschland, werben für die Einwanderung von Fachkräften (z.B. Ärzten) sowie Pflegekräften. Das Resultat ist ein zunehmender brain drain aus der Region, in der eben diese Fach-, Pflege-, oder Lehrkräfte zunehmend fehlen. Diese Entwicklung kann zu einer weiteren Destabilisierung der Region führen. Hier sollte man frühzeitig über Wege diskutieren, wie man die zirkuläre Migration fördern kann und welche Anreize für eine mögliche Rückkehr bestehen. 

Ein wachsendes Sicherheitsrisiko ist die Verbindung von Radikalisierung und neuen Technologien. Dieses Thema hat die Medien im Zusammenhang der Nutzung von Dronen auf Flughäfen erreicht. Allerdings ist dies erst der Anfang. Neue Technologien wie Dronen oder auch 3D Druck sind frei zugänglich und bieten neben den Angriffsflächen im Cyberraum ein zunehmend großes Potential für Anschläge auf Zivilisten. Nutzung und Erwerb dieser Technologien sollten frühzeitig auf europäischer Ebene reguliert werden. 
Klimakrise und Grenzen des Wachstums
ad 1)
Die Klima-Krise in ihrer ganzen Drastik ist 2019 im Bewusstsein noch des letzten Klimawandel-Leugners angekommen, maßgeblich unterstützt von der von Greta Thunberg ausgelösten "Fridays For Future"-Jugendbewegung, die den älteren Generationen Versagen beim Handeln gegen die größte Menschheitsbedrohung unserer Zeit vorwirft.

Jetzt ist die Auseinandersetzung "nur" noch die mit den "Climate Delayers" - Klimaschutz-Verzögerern, wie Alexandra Ocasio-Cortez sagt - die mit Scheinlösungen wie Wasserstoff-Autos oder Atomkraft das bestehende - scheiternde - System verteidigen wollen und dabei auf die Grenzen des Wachstums vergessen - die Umwandlungsverluste der Wasserstoff-Kette in ineffizienten, tonnenschweren Personenkraftwagen oder die hunderttausende Jahre strahlenden radioaktiven Hinterlassenschaften der Atomindustrie sind klare Grenzen.

ad 2)
Teil des gerechten Übergangs in ein nachhaltiges Energie-, Landwirtschafts- und Wirtschaftssystem der Zukunft wird damit zunehmend auch die Verteilungsgerechtigkeit und die Grenzen des Wachstums sein - um den umwelt- und sozialgerechten Übergang weltweit ohne klima-, kriegs- und verteilungsbedingte Auseinandersetzungen und Fluchtbewegungen zu designen werden zentrale Elemente unserer derzeitigen Lebensweise in Frage gestellt werden. Daher s. o. die Abbildung des Konzepts der "Imperialen Lebensweise" (Ulrich Brandt und Markus Wissen)

ad 3)
Alle Strategien und Maßnahmen der letzten Jahre müssen auf ihre Kompatibilität mit dem gerechten Übergang geprüft und ggf. angepasst werden - daran werden uns unsere Kinder und Enkel messen

EU und Globalisierung
Zu Frage 1
Antwort: •   Globalisierung versus Trump-Protektionismus •   Die EU nach dem Brexit? EU-Erweiterung versus Erneuerung? •   Überbevölkerung und Klimawandel

Zu Frage 2
Was sind Ihrer Einschätzung nach die konkreten Hintergründe und erkennbaren Wechselwirkungen hinter diesen Themen?

Ad) Globalisierung versus Trump-Protektionismus
Die Globalisierung verliert langsam an Schwung. Sie war aber – trotz aller Kritik – maßgeblich daran beteiligt, dass die Entwicklungsländer sich entwickeln konnten und die Armut zurückging. Die Globalisierung gibt es einerseits durch die Verlagerung von Produktion und Wertschöpfung (Veränderung der global value chain), die mit der Wanderung des Faktors Arbeit verknüpft ist. Die Wanderung des Faktors Arbeit konnte mit dem Tempo der Kapitalwanderung nicht Schritt halten, was in den Ländern, aus denen die Produktion verlagert wurde zum Druck auf die Löhne und zu Arbeitslosigkeit führte.

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump Anfang 2017 haben die Globalisierungsgegner einen prominenten Fürsprecher erhalten. Trump hat gleich mit dem Slogan „America first“ begonnen, bestehende und geplante multilaterale Abkommen zu kündigen (TPP, TTIP, Klimaabkommen, Iran-Atom-Deal, NAFTA wurde zu USMCA). Gleichzeitig fachte er mit mehreren Ländern (China, EU) und Sektoren (Aluminium und Stahl) Handelskriege an. Mit jeweils massive Zollanhebungen versucht er, die Handelspartner zu Konzessionen zu zwingen, die dazu führen sollten, das hohe Handelsbilanzdefizit der USA allmählich zu verringern.

Währen die Globalisierung, stimuliert durch eine multilaterale Handelsliberalisierung unter dem Dach des GATT und der WTO zu mehr Welthandel und Wirtschaftswachstum führte, bewirkt der Trump-Protektionismus das genaue Gegenteil. Dadurch steigt die Unsicherheit für Investoren und dämpft das Wirtschaftswachstum. Die jüngsten Prognosen vom IMF und EU begründen ihre Rücknahme der Wachstumsaussichten für 2019 und 2020 zum einem (in Europa) mit dem Brexit und global mit dem Trump-Protektionismus.

Ad) Die EU nach dem Brexit: EU-Erweiterung versus Erneuerung
Die EU erlebt durch den Brexit zum ersten Mal einen Rückschritt in der europäischen Integration. Bisher hat sich die EWG zur EG und EU immer nur erweitert und gleichzeitig vertieft: von der Zollunion in den sechziger Jahren, zum Binnenmarkt und Währungsunion in den neunziger Jahren mit dem Euro 2002. Nach dem Brexit wird die EU zwar mit Großbritannien einen wie auch immer gearteten Freihandelsvertrag abschließen, um dem Handel mit einem wichtigen Partner nicht zu schaden. Dennoch wird die EU nach dem Austritt Großbritanniens ganz neu aussehen: sie wird ökonomisch und politisch, aber auch militärpolitisch geschwächt sein. Selbst wenn alle restlichen Balkanstaaten irgendeinmal in die EU aufgenommen werden sein sollten, können sie den Verlust des Gewichts Großbritanniens kaum aufwiegen.

In Zeiten zunehmender Unsicherheiten in der Welt durch Trumps neuen Protektionismus, das Erwachen neuer Supermächte (China) und den gegen Europa gerichteten permanenten Migrationsdruck aus Afrika steht Europa (genauer die EU) nach dem Brexit geschwächt da. Um nicht neue Exits anzufachen, muss sich die EU erneuern bzw. neu gründen. Es geht um die grundsätzliche Frage: Mehr Europa oder mehrere Europas? Die EU ist ohnehin bereits stark segmentiert (nur 19 von noch 28 EU-Mitgliedstaaten haben den Euro eingeführt; nicht alle nehmen an Schenken teil), sodass ein Europa à la carte fast die Regel geworden ist. Das hat aber keine Zukunft. Die EU muss mehr Europa wagen, das heißt konkret es muss sich langsam zu den Vereinigten Staaten von Europa (VSE) weiterentwickeln. Nur so ist sie den globalen Herausforderungen gewachsen.

Ad) Überbevölkerung und Klimawandel
Der Klimawandel ist seit den jüngsten Bewegungen („FridaysforFuture“) auf der politischen Bühne angekommen. Grünparteien profitieren massiv von diesem neuen Trend. Die Ursachen des Klimawandels sind hinlänglich wissenschaftlich begründet worden. Die Hauptverursacher sind die Industrie und der Verkehr. Eine längerfristige Komponente wird in der aktuellen Diskussion gerne ausgeblendet: die stetige Zunahme der Bevölkerung. Mehr Bevölkerung heißt mehr wirtschaftliche Aktivität, mehr Mobilität, mehr Konsum (z.B. Fleisch und daher ein größerer Viehbestand) und damit mehr Ausstoß von klimaschädlichen Gasen. Es kann zur „Überbevölkerung“ kommen. Dieser Begriff ist laut Wikipedia ein Zustand, beim dem die Anzahl der Lebewesen die ökologische Tragfähigkeit ihres Lebensraums überschreitet (ökologischer Fußabdruck). Laut World Population Prospects 2019 der UNO (mittlere Variante) steigt die Weltbevölkerung von 7,8 Mrd. im Jahr 2020 auf 9,7 Mrd. 2050 und 10,9 Mrd. 2100.


Zu Frage 3 
Welche Maßnahmen sollten im Hinblick auf diese Entwicklungen schon jetzt gesetzt werden?

Ad) Globalisierung versus Trump-Protektionismus
Um den neuen Protektionismus à la Trump zu bremsen, müsste die WTO gestärkt werden. Dann könnte der „bilaterale“ Ansatz von Trump wieder auf eine „multilaterale“ Ebene gehoben werden. Es hätte wieder Kooperation vor Destruktion den Vorrang.

Ad) Die EU nach dem Brexit: EU-Erweiterung versus Erneuerung
Angesichts der Herausforderungen Europas, besonders der EU nach dem Brexit sollten alle Verantwortlichen in der EU sich zu einer Neugründung der EU bekennen, die letztlich in die Vereinigten Staaten von Europa (VSE) münden sollte.

Ad) Überbevölkerung und Klimawandel
Der Klimawandel kann zwar kurzfristig mit herkömmlichen Maßnahmen (CO2-Steuer, Elektromobilität) gebändigt werden. Langfristig bedarf es aber einer ausgewogenen Bevölkerungspolitik. China war hier mit der Ein-Kind-Politik Vorreiter. Andere Länder (Indien, Philippinen, Iran) haben andere Wege mit bisher wenig Erfolg eingeschlagen. Aus Afrika sind noch kaum nennenswerte Ansätze zur Einschränkung des Bevölkerungswachstums zu erkennen (Ruanda hat eine Drei-Kind-Politik angedacht).
China, Ethik der Digitalisierung, Kampf um Arbeitskräfte
1+2. Folgende drei Themen, die aus meiner Sicht zu wenig bzw. einseitig diskutiert/dargestellt werden:
- Rolle Chinas: China nützt zB die Seidenstraße oder auch sein multilaterales Engagement, um Standards zu setzen. Die alte-neue Währung der Macht werden Standards sein - früher das Privileg des Westens. Chinas Vorreiterrolle in einzelnen Technologien dienen genau dem Zweck (5G, Batterien etc.); die regionale Verbreitung erfolgt über die Seidenstraßen-Initiative. Wenn wir in Europa aber gleichzeitig multilaterale Abkommen (Stichwort TTIP, Mercosur) ablehnen, werden wir keine Standards mehr setzen können.

- Ethik der Digitalisierung: Im Fokus der Diskussion steht das technologisch Machbare und kaum, ob diese Entwicklungen ethisch wünschenswert sind. Es bedarf einer breiteren Diskussion über gesellschaftliche Entwicklungen, die durch die Digitalisierung ausgelöst werden.

- Kampf um Arbeitskräfte: langsam kommen alle drauf, dass wir bald ein Problem bekommen werden in Ö/EU, da uns die Arbeitskräfte ausgehen. Wie neue Ressourcen am Arbeitsmarkt finden? Wie Mitarbeiter halten?

3. Was es braucht:
- Strategische Außenpolitik. Diplomatie neu denken, zB in Richtung Issues Diplomatie.
- Digitale Ethikkommission etablieren, die - ähnlich der Bioethikkommission - Fragestellungen diskutiert und für einen breiteren Diskurs aufbereitet.
Bildungsoptionen gehören verbessert!
Trotz aller mahnenden Worte diverser ExpertInnen und NGOs (wie Bildung Grenzenlos, Netzwerk Sprachenrechte, Diskurs, usw.) wird viel zu wenig nachgedacht, welche Expertise die jungen Generationen brauchen. Unser Schulsystem wird in vielen Bereichen noch immer nicht den internationalen Standards gerecht (Gesamtschule beispielsweise). Ausrede sind meist die "MigrantInnen"; es sind aber tatsächlich vor allem soziale Probleme, die großen Barrieren zwischen sozialen Schichten, die den Bildungsweg von Kindern bestimmen. Modelle aus UK (besonders London), Schweden, Finland, usw. werden zwar in Diskussionen erwähnt, finden aber keinen Niederschlag in neuen Gesetzesvorlagen.
Weiter mus eine sinnvolle Integration im Bildungssystem geschaffen und gefördert werden. Immer wieder hören wir, dass Kinder mit Migrationshintergrund "keine Interesse" am österreichischen politischen Geschehen haben - aber man kann nicht den Spracherwerb budgetär massiv kürzen und Kinder segregieren, die Staatsbürgerschaft praktisch fast unerreichbar gestalten, und sich dann wundern, wenn MigrantInnen und deren Kinder "kein Interesse" zeigen. Integration ist a "two way street"; das müßte endlich begriffen werden. Tabuisierung des Problems bringt uns auch nicht weiter. Da Bund und die Stadt Wien nicht einmal die Daten zu den jüngsten Schulversuchen und -maßnahmen veröffentlichen, ist jegliche transparente Diskussion verunmöglicht.
Was die Wissenschaft betrifft, so muss endlich mehr Geld in die Infrastruktur gesteckt werden; mehr Personal, mehr Internationalisierung, bessere Ausstattung, usw. Die Universitäten sind einfach momentan nicht kompetitiv genug, was die Ansprüche einer modernen Wissensgesellschaft betrifft.
Der Braindrain findet statt; viele Bestimmungen (beispielsweise Kettenverträge für ProjektmitarbeiterInnen) verunmöglichen weitere Karriereschritte. Leider werden ExpertInnen nicht gehört, Gutachten wurden schubladiert. Dabei werden derart die Chancen der jungen Generation vielfach verspielt. 
Bildung in der Migrationsgesellschaft
ad 1: Meines Erachtens wird dem Thema Bildung insgesamt und im speziellen dem Thema Bildung in der Migrationsgesellschaft viel zu wenig Bedeutung beigemessen. Österreich ist schon seit Jahrzehnten in der Migrationsgesellschaft angekommen, nicht erst seit der Fluchtbewegung 2015. Das wurde lange nicht zur Kenntnis genommen. Im Bildungssystem  wurde jahrelang die Tatsache ignoriert, dass sich vor allem in den Städten die Zusammensetzung der Schülerschaft geändert hatte. Die Kinder der ersten Generation der GastarbeiterInnen und noch mehr die zweite Generation gehören zu den VerliererInnen dieser NIchtbeachtung. Auch aktuell (2019) zeigen internationale Studien, dass wir hier sehr schlecht dastehen. Wir verlieren unzählig viele Jugendliche, die die Schule ohne Bildungsabschluss verlassen.

ad 2: Die Problmatik beginnt schon sehr früh. Kinder aus migrantischen und bildungsfernen und ökonomisch schwachen Elternhäusern kommen mit Entwicklungsrückständen /sprachlichen Defiziten in den Kindergarten. Dort können diese meist nicht behoben werden und werden in die Volksschule mitgeschleppt. Auch die Volksschule ist von ihrer Struktur her und auch der Art des Unterrichts sehr oft nicht in der Lage, die Defizite auszugleichen. In der Sekundarstufe 1 (NMS / MS) sieht es ähnlich aus. Die bekannten Folgen: Fehlende Grundkompetenzen am Ende der Schulpflicht und / oder kein Schulabschluss.

ad 3: Es ist umumgänglich notwendig, dass sich ein nationaler, parteiübergreifender Bildungsgipfel des Themas annimmt und eine große, umfassende Reform in Angriff nimmt, die das Problem von den Wurzeln her angeht. Die Maßnahmen sind großteils bekannt und brauchen nicht neu erfunden zu werden. Es ist dringend notwendig, da es bereits fünf vor zwölf ist.
Arbeit - Soziales - Bildung: Neue Dynamik bei scheinbar "alten" - aber stets brandaktuellen - Themen
Arbeitswelt muss und wird völlig neu gedacht werden,  als "Vorsystem" dieses tiefgehenden Wandels im Arbeitsleben ist das Bildungssystem betroffen, ebenso das Sozialsystem und seine Finanzierung

- Die althergebrachten Rationalen, Karrierewege, Erwerbsbiografien und "Sicherheiten"  im Arbeitsleben gelten nicht mehr; die Kollektivierungsquote sinkt; Gewerkschaften müssen sich und ihren "reason to exist" neu erfinden; innovative "Arbeitsmodelle" mit einem Verschwimmen der Grenzen zwischen "Arbeit" und "Privat" werden die Regel
- Gleichzeitig werden in naher Zukunft durch die fortschreitende Automantisierung und Digitalisierung, durch Artificial Intelligence und Outsourcing weitere gesamte Tätigkeitsbereiche aus Österreich und Europa verschwinden; die vielfach herbei gewünschte und geschriebene Re-Industrialisierung wird und kann nicht die scheinbaren "alten glory days" der Industrie zurückbringen
- Damit einher geht auch eine Schmälerung des Beitragsaufkommens für die sozialen Sicherungssysteme unserer Gesellschaft. Erwerbseinkommen als  - neben den Arbeitgeberbeiträgen - alleinige beitragsrelevante Größe für die Finanzierung der Gesundheits- und Sozialsysteme reicht nicht mehr aus.

Mögliche Lösungswege:
- Entkoppelung von "Arbeit" und "Einkommen", Denkmuster hin in Richtung "BGE - Bedingungsloses Grundeinkommen
- Aktivierung von "Wertschöpfung" als relevante Größe für Beitragszahlungen in soziale Sicherungssysteme
- Dramatische Senkung der Steuern auf Einkommen; dafür substanzielle Steuern auf Vermögen
- Völlige Neuausrichtung von Bildungssystemen mit einem starken Fokus auf sog. soft skills, auf Methoden zur Wissensanwendung (nicht zur Akkumulation von Wissen)
- Schaffung signifikanter Erleichterungen bei der Aufnahme selbständiger Erwerbstätigkeit


Bedroht Digitalisierung Demokratie?
ad 1. Themen
Wichtiges Thema wird, wie gesellschaftspolitische Macht und Allmachtsphantasien von Google, Amazon, Facebook,… die durch KI z.B. automatisiertes Fahren etc. massiv wachsen wird, viel stärker reglementiert werden kann. Und es werden Fragen auftauchen, inwieweit die Möglichkeiten zur Regulierung gegeben sind inwieweit sie in unsere Welt und unser Weltbild bis hin zu unserem Konsumverhalten eingreifen dürfen. Die Eu-Kommassrin käpft tapfer, die Anhörungen von Zuckerberg im US-Kongress dürften weniger glorreich verlaufen sein.

ad 2. Hintergründe
Die Macht dieser Konzerne wird unterschätzt, bzw. ist käuflich, auch fü Politiker*innen. Menschliches wird zu handelbarer Ware. Und die Konzerne wenden sehr viele Ressourcen auf, um noch viel, viel mehr Menschen zu erreichen. E. Snowdens Enthüllungen waren für kurze Zeit ein Schock diese Konzerne sind heute viel, viel weiter. Und wissen selbst über unseren Lebenspartner mehr als wir… Bzw. können glaubhaft vermitteln, mehr zu wissen, auch wenn es in Einzelfällen nicht stimmen mag. Dieser einzelne, dessen Wahrheit gegebenenfalls als irrelevant betrachtet wird…. z.B. bei datengesteuerter Strafverfolgung .....wird er/sie dann als Kolateralschaden in Kauf genommen?

Für manche Länder, in Europa, Südamerika, in Afrika wird Chinas datengesteuerte Machtausübung zum Vorbild werden, weil es Probleme effizienter lösen kann.

ad 3. Maßnahmen:
Notwendig ist eine zumindest EU-weite Regulatorien, getragen von einem breiten gesellschaftlichen Diskurs, was möglich ist, was bald möglich sein wird und was wir davon wollen.
Eine neue Welle der Aufklärung ist notwendig, mit dem Thema was "Digitalisiserung/Automatisierung" kann/können wird - in der auch Wissenschaft(lichkeit) genauer Position beziehen muss. Wird Unparteilichkeit möglich sein, bzw. wird man das Wissenschaftsdisziplinen und v.a. Technikdisziplinen zugestehen? Eher nicht.
A la long braucht es eine Erweiterung der Menschenrechtsdeklaration, die Menschenwürde in diesem Kontext weit über Konsumentenrechte hinaus definiert.
Digitalisierung, Steuersystem
Die schon beschriebenen Auswirkungen der Digitalisierung werden eine grundsätzliche Änderung des Steuersystems notwendig machen, also weg von der Besteuerung von Einkommen (diese werden durch die zunehmenden Prekarisierung der Arbeit, vor allem in den sog. innovativen Bereichen, sinken) und hin zu anderen Steuerquellen. Diese könnten in einer Besteuerung von Vermögen, die Orientierung der Bemessung an der Wertschöpfung und/oder an der Besteuerung von Emissionen bestehen. Je früher man mit der Umorientierung beginnt, desto langsamer (und schrittweise) kann man das angehen.
Klima, Arbeitsmarkt, Soziales, Europa und Teilhabe
Welches sind aus Ihrer Sicht Themen, über die in den Medien derzeit noch kaum berichtet wird, die aber so wichtig oder so drängend sind, dass sie in den nächsten fünf Jahren zwangsläufig öffentlich diskutiert werden? Gibt es Ihrer Meinung nach Themen, die derzeit noch nicht auf der politischen Agenda stehen, welche aber aufgrund ihrer Wichtigkeit dort bereits behandelt werden sollten? 

Klima: Dzt. wird in Österreich noch zu wenig beachtet welches Konfliktpotential in der Klimakrise steckt, vor allem wenn man jetzt nicht klare Maßnahmen ergreift. Konflikte um Wasser im Tullner Becken und Marchfeld, sowohl im Bezug auf Trinkwasserqualität als auch Versorgung werden zunehmen. Selbiges gilt für den urbanen Raum, der viel zu unzureichend auf Extremwetterereignisse wie Hitzeperioden vorbereitet ist. Die ersten Schritte der Stadt Wien in diesem Bereich sind zu zaghaft. Bei zunehmenden Extremwetterereignissen (Überschwemmungen/Waldbrände etc) werden vor allem auch die Kosten in wirtschaftlich schwächeren ländlichen Regionen steigen, das wird zu Diskussionen über die Priorisierung und Mittelallokation führen wird.

Arbeitsmarkt: Wir sprechen zwar davon, dass durch die Automatisierung Arbeitskräfte verloren gehen, aber de facto gibt es auch einen gegenläufigen Trend, denn Europas Bevölkerung schrumpft aktuell. Welche Auswirkungen hat das auf die Wirtschaft, wie kann man gegensteuern? 

Soziales: Langfristig kann sich eine ganze Generation kein Vermögen mehr ansparen. Die Mittelschicht löst sich auf, was auch demokratiepolitisch ein Problem darstellt.

Europa: Die Desintegration der EU und/oder des Euros ist ein Szenario, dass viel zu wenig in Risikoanalysen mitgedacht wird. Akteure wie Orbán arbeiten von Innen heraus bewusst gegen die Europäisches Integration. Auch wenn der Brexit Europas scheinbar wieder enger zusammengeführt hat, die Konfliktlinien, die sich seit der Finanzkrise in Griechenland und der Flüchtlingskrise aufgetan haben bleiben bestehen. Der massive Bevölkerungsschwund in manchen Regionen Europas, vor allem im Osten, bringt mehr Konfliktpotential als bisher angenommen (siehe dazu auch Krastevs Analysen).

Teilhabe: Migranten sind von politischer Teilhabe in Gastländern ausgeschlossen, das wird zu Konflikten führen. Paralell dazu ist demokratischer Grundkonsens in Herkunftsländern wie Serbien und Türkei in Gefahr; über (digitale) Medien der Heimatländer kann autoritäres nationalistisches Gedankengut viel direkter auch auf Communities in Österreich wirken und Konflikte anheizen (auch interethnische). Sehe das als viel größere Gefahr an, als politischer Islam per se. 

Welche Maßnahmen sollten im Hinblick auf diese Entwicklungen schon jetzt gesetzt werden? •   Transformation hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft mit entsprechenden Lobbying für Änderung der Anreiz/Fördersysteme auf EU Ebene, Investitionen in Forschung, R&D und konkrete Projekte im Bereich nachhaltige Land- und Forstwirtschaft;  •   „Resilienzcheck“ für Städte und Regionen um Schwachstellen für Krisen zu identifizieren •   Breitere Debatte über Nutzen von gezielter Automatisierung auch im Hinblick auf Fachkräftemangel der kommenden Dekaden, also auch dringender Umbau des Pensionssystems und Einführung von Arbeitszeit- bzw. Beschäftigungsmodellen, die Anreize schaffen bis ins höhere Alter aktiv zu bleiben. •   Andere Möglichkeiten wirtschaftlicher Teilhabe fördern: Zugang zu Kapitalmarkt und Investmentmöglichkeiten demokratisieren; Arbeit weniger besteuern, Kapitalertrag höher; schon im Bildungssystem Finanz- und Wirtschaftsbildung fördern  •   Neue Modelle Migranten politische Teilhabe zu gewähren (abseits von Wahlrecht, was ser schwer umzusetzen ist). Gezielte Medienangebot für Migrantische Communities fördern.
weltfrieden verliert mehr und mehr an interesse
weltfrieden verliert mehr und mehr an interesse.die weltbewaffnung ist größer denn je. die atombomben und die zukunft der menschheit gehören neu geschrieben und verhandelt.

vor lauter klima wird die zukunft des wassers vergessen.wasser ist der anfang des lebens, wassermangel sein ende.die klimaschutzpolitik braucht priorität.wasser ist die priorität.zu viel ist unereichbar.konkrete wasservorsorge für die welt ist erreichbar.

die  derzeitige weltmachtverteilung ist ohne gleichgewicht und vorbild,der kampf um die vorherrschaft heizt ein.dieser wettkampf ist der grund für viele gefahren und mängel.es ist ein dritter dezentralisierter -auch in der zeit-vor sich gehender weltkrieg, den" man" nicht merkt.die ihn merken, sind ja beteiligt.
Neustart Sozialsystem?
Unser Sozialsystem basiert auf Finanzierung durch Einkommen. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung und der demgrafischen Entwicklungen + Fachkräftemangel stellt sich die Frage, wie eine zukünftige Finanzierung des Sozialsystems aussehen soll, wenn der Anteil der Einkommen sinkt.
dazu fehlt eine sachliche gesamtgesellschaftliche Debatte, die die Zusammenhänge sichtbar macht.
Die Steuerstruktur müsste vor diesem Hintergrund komplett neu überdacht werden.
Das BGE, oder GE, ist ein Diskurs. Überlegenswert im Sinne von privaten Daten und ökologischem Fußabdruck jedes Bürgers könnte auch ein Rechteeinkommen sein, d.h. ein Einkommen, dass durch Verkauf und Handel von Daten bzw Verschmutzungsrechten erzielt wird.
Sozialfolgenabschätzung durch digitale Technik
Die Digitalisierung und die Verfügbkarkeit von Daten über Bürger sollte uns in die Lage versetzen treffsicherere und effizentere Unterstützungsleistungen zu bieten und Sozialtransfers effektiver und individueller zu gestalten.
Gleichtzeitig müssten analog zu Technikfolgeabschätzung auch die Wirkungen von Maßnahmen oder Regulierungen im Bereich Soziales (zb. Sozialhilfe neu) heruntergebrochen auf best. Zielgruppen (Alleinerzieherinnen z.B.) möglich gemacht werden. 
Europäische Verteidigungspolitik
Die Mitglieder der EU waren in den letzten Jahrzehnten gewohnt, allen voran im Rahmen des NATO-Bündnisses unter dem militärischen Schutz der USA zu stehen. Daher ist Europa heute im Spannungsfeld zwischen den anderen Großmächten USA, Russland und China zwar wirtschaftlich ein Gigant hinkt aber in militärischen Fähigkeiten weit hinter der eigenen wirtschaftlichen Stärke nach.

Mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten zeigt sich, dass die USA wie zuletzt in den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts wieder verstärkt nach innen schauen und zunehmend weniger bereit sind, die Rolle des militärischen und politischen Schirmherrn der westlichen Wirtschafts- und Militärordnung wahrzunehmen.

Das dadurch entstandene Vakuum war erstmals in der Flüchtlingskrise und aktuell gerade in Neuordnung Syriens spürbar, wo die USA ihre militärische Führungsrolle an Russland abgegeben haben. Obwohl diese Konflikte "vor der Haustüre" Europas stattfinden, obwohl ein NATO-Mitglied Türkei aktiv involviert ist, kann sich Europa nicht aufraffen, sich mehr um die eigene Verteidigung zu kümmern.

Ansonsten werden Nachbarn wie Russland und die Türkei oder Großmächte wie die USA, China oder auch Indien sich mehr und mehr in Agenden einmischen, die europäische Interessen betreffen. Gerade auch wirtschaftlich ist Europa mehr als viele andere Regionen auf eine freie internationalen Handelsordnung angewiesen. Ohne die Bereitschaft, das auch militärisch zu unterfüttern, wird sich die Abkehr der USA von der bisherigen Weltordnung noch nachteiliger auf West- und Zentraleuropa auswirken.

Das Problembewusstsein dafür fehlt in Österreich und Europa jedenfalls in der breiten Öffentlichkeit. Für Maßnahmen in diese Richtung braucht es aber einen breiten demokratischen Konsens, dass Handlungsbedarf besteht und dafür organisatorische und budgetäre Maßnahmen erforderlich sind.
Medizin, AI und liberale Demokratie
• Ich denke, es sollte (mehr) über die schon gegebenen und praktizierten Methoden zur „Verbesserung des Menschen und seiner Leistungsfähigkeit“ kommuniziert werden. Die chirurgischen Eingriffe zB in die Keimbahn oder die invasiven oder medikamentösen Eingriffe ins Hirn (Neuro-Enhancement) finden statt, weil sie möglich sind und in Zukunft noch viel umfassender möglich sein werden, ohne Rücksicht auf die unabsehbaren Folgen für die weitere genetische Entwicklung des Menschen. Das Einzige, was gegen diese Entwicklung allenfalls wirksam sein könnte, ist breite Aufklärung und Diskussion…

• Dasselbe gilt vermutlich im Kontext der Anwendungen von Artificial Intelligence (AI). Auch da entwickeln Hundertschaften von Programmierern immer neue Algorithmen ohne jede gesellschaftliche und ethische Verantwortung. ES geht auch hier um aufgeklärte Debatte und Erweiterung der Ausbildung der Programmierung und um Zulassungskriterien und Zulassungsbehörden nach Art der Zulassung von Arzneimitteln

• Obwohl sich dazu schon Literatur findet, braucht es noch mehr Diskurs zur weiteren Entwicklung der (liberalen) Demokratie: sie besteht nicht nur im enttäuschenden Recht, alle paar Jahre wählen zu dürfen, sondern auch  im Recht auf gesellschaftliche Teilhabe. Dass dieses Versprechen von Demokratie nicht eingelöst wird führt zu dem Vertrauensverlust, der die liberale Demokratie gerade gefährdet- und zum Vertrauensverlust der Politik (They dont deliver). Da gilt es BürgerInnen wie PolitikerInnen aufzuwecken! Übrigens gilt das in noch verstärktem Maß für all diejenigen, die zwar dauerhaft im Lande leben, aber nicht einmal wählen dürfen…
Fehlender Diskurs über grundsätzlich neue gesellschaftliche Konzepte
Es findet kaum ein Diskus statt über grundsätzliche Systemänderungen. Es fehlt der Mut, neue Konzepte auch nur anzusprechen.
Diese wird es jedoch brauchen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Ein offener Diskurs darüber wäre notwendig, da es ohnehin Zeit brauchen wird, um diese zu entwickeln. •   Arbeit und Wirtschaft: das Credo des Wirtschaftswachtsums wird kaum angetastet. Neue Wege, wie Gemeinwohl- Ökonomie oder Bedingungsloses Grundeinkommen als Beginn einer Entwicklung hin zu neuen gesellschaftlichen Entwürfen werden noch als völlig abstrus abgeschmettert. Die Arbeitswelt steht jedoch vor so großen Umwälzungen, dass wir mit einer bloßen Adaptierung des jetzigen Modells der Ausrichtung auf Erwerbsarbeit und auf Gewinn ausgerichtetes Wirtschaften auf Dauer nicht weiterkommen werden. •   Verkehr: bestehende Mobilitätskonzepte werden zu wenig in Frage gestellt und neue Konzepte gedacht. Die Förderung von E- Mobilität als Lösung  ist eine Maßnahme, die viel zu kurz greift. E- Autos benötigen genauso viel Platz und Infrastruktur, gefährden weiterhin andere Verkehrsteilnehmer, verursachen Stau, benötigen Ressourcen zur Herstellung wie auch für den Betrieb. •   Alles läuft hinaus auf ein weiteres Auseinanderdriften der Gesellschaft, der Zusammenhalt beginnt zu erodieren: Gap zwischen Arm und Reich, Gap zwischen Modernisierungsgewinnern und Abgehängten, zwischen Menschen in Ländlichen Gegenden und Stadtbewohnern, etc. In Ländern wie Frankreich oder Chile entladen sich diese Konflikte bereits auf der Straße.
Komplexität verliert gegen Storytelling
Prolog: Komplexität verliert
In einer Zeit, in der wir nur das nächste Narrativ suchen und uns in Storytelling üben, wird es zunehmend unattraktiver sich mit komplexen Zusammenhängen auseinanderzusetzen. Obwohl wir dem Wirtschaftssystem vorwerfen kurzfristigen Quartalskapitalismus statt Nachhaltigkeit zu betreiben, sind die politischen Systeme noch viel mehr auf Kurzfristigkeit ausgerichtet und hanteln sich nur mehr von Newscycle zu Newscycle statt gesamtgesellschaftlich relevante Lösungen zu erarbeiten.

Dieser Befund ist zwar nicht neu, führt aber dazu, dass die Analysen und Lösungsansätze für die großen Herausforderungen der heutigen Zeit viel zu oberflächlich und einzelmaßnahmenbezogen bleiben. Wir thematisieren die Herausforderungen, aber es passiert nichts Wesentliches und Grundlegendes. Vor allem bleibt immer mehr unbeleuchtet, welche unterschiedlichen Wirkungen politische Maßnahmen bzw auch das politische Nichts-Tun haben. In einer Single-Issue-Gesellschaft neigen wir zu monokausalen Erklärungen und 0-1 Entscheidungen.
Dieses Muster zieht sich meines Erachtens durch die drei großen Herausforderungen dieser Zeit, die am Ende des Tages gerade über ihre Auswirkungen auf den sozialen Zusammenhalt eng miteinander verknüft sind: Klimakrise / Daten- bzw Überwachungskapitalismus / Demokratiemüdigkeit.

Klimakrise: Reduce – Replace – Refine
Es dürfte inzwischen zumindestens in Europa bei den meisten ernstzunehmenden Gruppierungen angekommen sein, dass die Klimakrise Realität ist und dass wir im Grunde der Zeit hinterherhinken. Dennoch sind die Antworten sehr ambivalent und von naiven Hoffnungsimpulsen getrieben. Sprich: Wir setzen alle Hoffnung darauf, dass wir im Dreiklang „Reduce-Replace-Refine“ allein mit „Refine“ durchkommen: Wenn wir nur ausreichend schnell grüne Technologien entwickeln, können wir so weitermachen wie bisher, nur eben sauberer.

Zuwenig wird beachtet, dass wir grundlegend andere Verbrauchsmuster werden entwickeln müssen. Augenscheinlichstes Beispiel ist der Verkehr. Die PolitikerInnen wollen uns glauben machen, dass es mit Ausbau von Elektromobilität oder Wasserstoffantrieb gelingen wird, dass wir die eingespielten Muster der Individualmobilität aufrechthalten können. Es wird dabei selbstverständlich nicht „Well to Wheel“ gedacht, sondern nur „Tank to Wheel“ – die Erzeugung und Speicherung von Elektroenergie bzw Wasserstoff als Energiequelle sind in keiner Weise klimafreundlicher als althergebrachte fossile Energiequellen. Die Lösung hier kann daher nur lauten: „reduce“, also weniger Verkehr bzw „replace“, also massiver Ausbau des öffentlichen Verkehrs und gleichzeitig Reduktion des Individualverkehrs. Dies würde allerdings in individuelle Konsum- und Verhaltensmuster eingreifen und dies könnte WählerInnen-Stimmen kosten…

Brauchen wir ein grundlegendes neues Wirtschaftsmodell?
Eine bislang nur auf philosophischer Ebene diskutierte Frage ist daher, ob das wachstumsgetriebene Kapitalismusmodell überhaupt noch passend ist um gerade die Fragen von Klimakrise und Nachhaltigkeit zu lösen. Ich persönlich habe hierauf auch noch überhaupt keine Antwort, Tatsache ist aber, dass das westlich-kapitalistische Wirtschaftsmodell von Profitorientierung und laufenden Neuinvestitionen getrieben ist. Wenn allerdings „Refine“ nicht ausreicht um zu mehr Nachhaltigkeit und echten Emissionsreduktionen zu kommen, müssen wir mehr über „Reduce“ und „Replace“ nachdenken – das wird grundsätzliche Auswirkungen auf Geschäftsmodelle haben und unsere Denkweise über „Markteroberungen“, RoIs und letztendlich Finanzmarktmechanismen auf den Kopf stellen.

Überwachungs- und Datenkapitalismus
Gelingt die europäische Story?
Mit der DSGVO hat Europa bewiesen, dass es in der Lage ist in der Datenwirtschaft die Regeln zu bestimmen. Das wird in den kommenden Jahren immer wichtiger werden: Regeln für die Datenwirtschaft und die neu entstehenden Technologien zu definieren. Die kommenden Trends betreffen smarte Umgebungen (Sensorik, autonome Schwarmobjekte, …) sowie erweiterte Realitäten und verstärkte Vernetzung zwischen Mensch und Maschine. Damit verbunden sind selbstverständlich alle Thematiken des Datensammelns und -verwertens.

Dies wird ethische und juristische Fragen aufwerfen, das Regelwerk kann immer nur den Technologieschritten hinterher entwickelt werden.
Europa kann hier eine wichtige Rolle spielen und muss frühzeitig ansetzen – idealerweise bereits bei der Definition der technologischen Standards. Zu sehr wird übersehen, dass Industriestandards nicht nur eine technische Seite haben, sondern massive gesellschaftliche und wirtschaftliche Implikationen haben können. In einer zunehmend vernetzten Welt, wo Objekte nicht mehr allein für sich stehen, sondern mit anderen verbunden sind und mit ihnen kommunizieren, gilt dies umso mehr.

Die derzeit stattfindende Diskussion ist zu sehr zweigeteilt: auf der einen Seite Technologiebegeisterte, die die neuen Entwicklungen rasch in die Breite bringen wollen, auf der anderen Seite VertreterInnen eines vordergründigen Technologiehumanismus, der allzu rasch in moralisierende Verhinderungsdebatten abgleitet. Ein frühzeitiger konstruktiver Dialog wäre hier dringend notwendig, agile Entwicklung muss auch bedeuten frühzeitig KritikerInnen einzubinden. Europa hätte die richtigen Instrumente dafür diesem Dialog eine Bühne zu bieten und gleichzeitig damit europäischen Unternehmen als Vorreiter von echten humanzentrierten Technologien einen Markt zu geben.

Ortsungebundene Kriminalität wird Milliarden Euro an Schaden erzeugen
Auf wirtschaftlicher Seite wird viel zu wenig Augenmerk auf die erheblichen Schäden und die Risken gelegt, die durch Cyberkriminalität entstehen können. Rasch werden Vorkommnisse wie bei der Porr im Frühjahr 2019 bagatellisiert, damit kein Reputationsschaden entsteht. Gleichzeitig stehen aber alle Unternehmen vor den gleichen Fragestellungen: Wieviel Cloud ist sicher, wie gelingt es Regeln aufzustellen und durchzusetzen, die größtmögliche Systemsicherheit garantieren?

Cyberkriminelle werden zunehmend geschickter, technische Hintertüren zu finden bzw mit Hilfe von Artificial Intelligence Schwachstellen von UserInnen ausfindig zu machen. Die Ortsungebundenheit erhöht dabei das Risiko erheblich: Der Einbrecher muss nicht vor Ort sein, um sich in SmartHome-Geräte zu hacken, die Saboteurin muss nicht in der Fabrikshalle stehen um eine Produktion lahm zu legen.
Für die Versicherungswirtschaft ergibt sich hier ein riesiges Geschäftsmodell, das noch in keiner Weise beackert ist.

Und die Trennlinie zwischen Cyberkriminalität (mit dem Zweck des materiellen Profits) und Cyberterrorismus (mit ideologischer oder geopolitischer Motivation) wird immer unschärfer und unklarer.

Demokratiekrise
Politik in der Legitimationskrise
Demokratie ist ein politisches System, das geeignet wäre mit komplexen Themen umzugehen: Es geht darum unterschiedliche Interessen auszugleichen, Kompromisslösungen zu finden und dem Dialog breiten Raum zu geben. Dieses System ist in einer schnelllebigen Welt in Gefahr. Der Ruf nach einfachen Lösungen wird auch zum Ruf nach starken Führern.

Für jede/n einzelnen sind die aufgeworfenen Problemlagen kaum mehr überschaubar, geschweige denn bewältigbar. Es fehlt allerdings vielerorts an glaubwürdigen, authentischen PolitikerInnen, denen breite Mehrheiten zutrauen, dass sie in einer repräsentativen Demokratie mit einem ausreichenden Augenmaß für die „res publica“ die Problemlösungen aushandeln können. Die Politik hat nicht nur in Österreich ihren eigenen Ruf massiv beschädigt. Umso leichter wird es damit für PopulistInnen an die Macht zu kommen – werden ihnen Unwahrheiten oder unmoralisches Verhalten nachgewiesen, so nimmt das niemand mehr ernst, da „ohnehin alle so sind“.

Sozialpartnerschaft – bitte melden
Ein möglicher Ausweg wäre ein breites Aufleben der Sozialpartnerschaft, nicht nur auf österreichischer, sondern auf europäischer Ebene. Nicht als Modell des „Ausmauschelns hinter verschlossenen Türen“, sondern als breites Stakeholdermodell mit dem Ziel der frühzeitigen Berücksichtigung verschiedenster Interessenlagen. Aus der Spieltheorie wissen wir, dass kooperative Spiele deutlich komplexer und damit viel schwieriger zu modellieren sind als nicht-kooperative Spiele. Gleichzeitig ist der Outcome für alle Beteiligten ein ungleich höherer.

Wenn wir darüber nachdenken, ob unser Wirtschaftsmodell grundsätzlich umzubauen ist und es darum geht, multiple Ziele zu erreichen, werden wir nicht umhin können diesen Stakeholderdialog zu führen und seine Ergebnisse auch ernst zu nehmen. Was nicht passieren darf ist das Aufbauen einer Partizipationsillusion, denn dies würde nur zu einer noch viel tieferen Legitimationskrise der Politik führen. Es macht dabei durchaus Sinn, hier nach dem Prinzip der Subsidiarität zu denken und die Dialoge jeweils auf denjenigen Ebenen zu führen, die am besten dafür geeignet sind (nicht alles muss von Brüssel aus geregelt werden, für manches machen regionale Bürgerforen Sinn, andere Themen können im Zuge der betrieblichen Mitbestimmung ausgehandelt werden) – dadurch könnten Menschen wieder mehr Ownership, mehr Anteilnahme an den Lösungen übernehmen und Komplexität kann insofern reduziert werden, dass sie in kleinere, aushandelbare Subthemen zerlegt wird. Wichtig dabei: Es bedarf dennoch eines gesamthaften politischen Überblicks, um einerseits Best Practices rasch zu identifizieren und andererseits einander widersprechende Lösungsansätze noch vor der Implementierung abzugleichen.

Epilog: Was wir daher dringend brauchen und auch was gar nicht
Ausbildungssysteme viel zu träge
Obwohl bei jeder Regierungsverhandlung seit dreißig Jahren dem Thema Bildung „breiter Raum eingeräumt“ wird, geht im Grunde nicht wirklich etwas weiter.
Es braucht dringend zwei grundlegende Veränderungen: Eine deutliche Stärkung bereits ab der Grundschule von allen technisch-mathematisch-statistischen Kompetenzen, um die digitalen Komplexitäten besser verstehen und auch besser selbst mitentwickeln zu können. Und zweitens eine deutliche Stärkung der Komplexitätskompetenz – sowohl was den Umgang mit Ambiguitäten betrifft als vor allem die Fähigkeit Zusammenhänge erkennen und Schlüsse daraus ziehen zu können. Solange einzelne Fächer eingetrichert und dieses Wissen dann wieder abgerufen wird, werden junge Menschen nicht ausreichend in der Lage sein mit den Herausforderungen der Zukunft umzugehen (egal, ob es sich um Klimakrise, um Digitalisierung oder um die Demokratie an sich handelt).

Sozialsystem ist in der Lage auszugleichen und abzusichern
Menschen haben Angst vor Veränderung. Ein funktionierendes Sozialsystem kann diese Angst nehmen, da Verwerfungen ausgeglichen werden. In zu vielen Diskussionen wird derzeit die Funktionsfähigkeit des österreichischen bzw auch des europäischen Wohlfahrtsmodells in Frage gestellt. In einer statischen Sicht werden Milchmädchenrechnungen angestellt (meist noch im Hintergrund forciert von privaten Versicherungskonzernen), die die Altersvorsorge, das Gesundheitssystem oder insgesamt die soziale Sicherung in Frage stellen. Die Antworten lauten dann entweder Eigenverantwortung (als Euphemismus für private Versicherungssysteme) oder gleich das bedingungslose Grundeinkommen, das bereits Alfred Dallinger in den 1980ern richtigerweise als das soziale Sedativ der Privilegierten für die sozial Schwächeren bezeichnet hat.

Es ist ein vollkommener Trugschluss zu glauben, dass der Sozialstaat nicht leistbar wäre – das ist ausschließlich eine gesamtgesellschaftliche Entscheidung, wer die sozialen Kosten tragen soll: Einzelne mit dem Risiko der Unterversorgung und Armutsgefährdung oder ein gesamtgesellschaftliches Risikopooling, das allen ausreichend Geld- und Sachleistungen zur Verfügung stellt. Relevant wird sein, in einem Wirtschaftssystem, in dem Gewinn zunehmend mehr aus nichtmateriellen Gütern erwirtschaftet wird, hier richtige Steuerregeln zu definieren (Besteuerung von Daten bzw Datenerträgen, internationale Regeln um auch hier die Möglichkeiten der Ortsungebundenheit zu überwinden, …). Die dafür notwendigen Diskussionen gibt es bereits, es gilt sie in die Breite zu bringen und damit tatsächlich ein Gegennarrativ zu einer unberechtigten (aber stark interessengeleiteten) Panikmache zu entwickeln.
Das Ende der Privatsphäre
Was wir in der Vergangenheit als Privatsphäre kannten, gibt es immer weniger und bald gar nicht mehr: Einen Lebensbereich, zu dem niemand anderer Zutritt hat, wo wir selbst entscheiden können, was wir dort tun und wer davon erfährt.

Die Privatsphäre ist durch die Menschenrechte geschützt, dieser Schutz ist aber durch die Digitalisierung wirkungslos geworden.

Jeder von uns steht mehr oder weniger ständig unter irgendeiner Form der Beobachtung oder Überwachung: •   Die Korrespondenz über Email, Whatsapp, Instagram, etc. kann jederzeit eingesehen und für Dritte verfügbar gemacht werden. •   Es gibt zumindest in Städten kaum noch Plätze, wo nicht Kameras die Passanten registrieren. •   Wenn jemand ein öffentliches Verkehrsmittel betritt oder in einem Auto mit GPS-Navigator sitzt, kann sein Aufenthaltsort festgestellt werden, auch nachträglich. •   Wer ein Handy eingesteckt hat, ist ebenfalls in der Regel ortbar, meist zeichnen die Handys auch die Aufenthaltsorte auf. •   Usw. – Kreditkarten, Einkäufe, Bankgeschäfte, was immer wir tun, wird irgendwo registriert. Es ist nicht mehr möglich, etwas zu tun, von dem niemand erfährt.
Diese Situation wird sich verschärfen. Wir werden noch mehr Privatsphäre hergeben, weil wir im Gegenzug dafür Komfort und neue Chancen erhalten. Würde jemand auf den Navigator im Auto verzichten und das Handy entsprechend konfigurieren, nur um nicht über GPS geortet werden zu können?
Wenn künftige Verkehrsleitsysteme die Ziele, die jemand in den Navigator eingibt, schon bei Fahrtantritt zentral erfassen und dann die Verkehrsströme so leiten, dass keine Staus entstehen, würden wir diesen massiven Eingriff in unsere Privatsphäre nicht trotzdem dulden, weil wir dafür schneller und problemloser ans Ziel kommen?

Wir werden das Datensammeln und Datenauswerten nicht zurückdrängen, weil wir dabei zuviel verlieren. Was wir daher brauchen, ist mehr Transparenz über die Sammlung und Verwertung unserer Daten. Zweitens durchsetzbare Regeln für Opt-out und für tatsächliche, unwiederbringliche Löschung.
Die Soziale Frage in ihrer digitalen Version
Frage 1:
Die Voraussagen, die zu Beginn dieses Jahrhunderts im Hinblick auf die beiden größten bevorstehenden Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft gemacht wurden, lauteten:
Die Globalisierung wird zu weltweiter Armut, zu wachsender Ungleichheit zu Massenarbeitslosigkeit führen.
Die Digitalisierung dagegen eröffnet eine Wunderwelt für kreative Menschen, die unternehmerische Ideen, aber kein Kapital haben. Sie begünstigt die Kleinen, size will not matter anymore.

Tatsächlich ist in beiden Fällen annähernd das Gegenteil eingetreten: Die Globalisierung hat mehr Wohlstand gebracht, dafür entstanden durch die Digitalisierung neue Monopole und Machtkonzentrationen.
(Die Einschränkung „annähernd“ ist nötig, weil das Bild natürlich nicht so schwarz-weiß ist. Selbstverständlich hat auch die Politik der offenen Grenzen und des Freihandels Opfer gefordert, ganze Industrien wurden verlagert, die starke Zunahme des Welthandels hat negative ökologische Folgen, etc. Vor allem das Problem der fairen Besteuerung von Unternehmen, die jederzeit mit dem Abwandern drohen können, ist nie wirklich angegangen worden, ebenso wenig die Regulierung der weltweiten Finanzströme.
Dennoch gilt, dass die Globalisierung den Wohlstand weltweit massiv gefördert und die weltweite Ungleichheit geringer gemacht hat. Um nur eine Quelle zu nennen: Tomáš Hellebrandt und Paolo Mauro, The Future of Worldwide Income Distribution, 2015. Demnach ging der Gini-Koeffizient zwischen 2003 und 2013 von 0,68 auf 0,65 zurück. Das weltweite Median-Einkommen stieg in dieser Zeit von 1090 Dollar auf 2010 Dollar.)

Dagegen hat die Digitalisierung neue Formen der Ausbeutung und des Monopolkapitalismus möglich gemacht.
Statt „Digitalisierung“ sollte man eigentlich besser „Datenwirtschaft“ sagen. Digital sind wir schon lange. Neu ist die Tatsache, dass die Verfügungsgewalt über Daten zum entscheidenden Produktionsfaktor der neuen Wirtschaftsordnung wird.
Die neue Ausbeutung erinnert frappant an die Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals in den wilden Jahren der Industrialisierung stellten die marxistischen und sonstigen Kritiker des Kapitalismus fest: Der Profit landet nicht bei jenen, die eigentlich die Leistung erbringen, seien es die Ingenieure oder die Arbeiter in den Fabriken oder die Verkäufer der Endprodukte. Der Profit landet bei jenen, die sich das Eigentum an den Produktionsmitteln sichern konnten und deshalb nichts weiter tun müssen als zuzusehen, wie die anderen sich unter Einsatz ebendieser Produktionsmittel abmühen, den Profit für Dritte zu erarbeiten.

In der Daten-Wirtschaft sind ebenfalls die wahren Profiteure jene, die sich den Zugriff auf das Produktionsmittel „Daten“ sichern konnten. Auch hier sind schnell zwei Klassen entstanden: Jene, die über die Daten verfügen, und jene, die als Abhängige die eigentliche Arbeit erbringen, aber nicht am Profit beteiligt sind.
Bei Fahrtendiensten wie Uber oder den vielen Essens-Zustelldiensten ist das besonders offensichtlich: Die Taxifahrer oder die Fahrradboten verdienen kläglich wenig, die Restaurants, wo das ausgelieferte Essen gekocht wird, haben bestenfalls etwas Mehrumsatz, aber deutlich geringere Erträge – der Profit bleibt bei jenen, die überhaupt nichts zur Wertschöpfung beigetragen haben, sondern einfach nur eine Online-Plattform betreiben, auf der ein Taxifahrer erfahren kann, dass ein Fahrgast einen Wagen braucht.

Auch die zweite Analogie trifft erschreckend genau zu: Der Datenkapitalismus erzeugt wie seinerzeit der Industriekapitalismus Monopole und Kartelle.


Frage 2:
Wir werden die Entstehung eines neuen Proletariats erleben und werden daher früher oder später auch die Rebellion gegen die neue Form der digitalen Ausbeutung erleben.
Oder es gelingt uns, im Hinblick auf die Erfahrungen aus dem 19. Jahrhundert rechtzeitig eine menschenwürdige, sozial faire Digitalisierung zu schaffen.


Frage 3:
Welche Maßnahmen sollen gesetzt werden?
Wir dürfen nicht den Fehler wiederholen, dass wir zusammen mit den Auswüchsen auch das Phänomen selbst beseitigen wollen. Weder die Datenwirtschaft als solche, noch das kapitalistische System als solches wollen wir abschaffen, weil dabei deren Segnungen gleich mit auf der Strecke bleiben würden.
Wir müssen vielmehr die Idee der Sozialen Marktwirtschaft auf das Digitalzeitalter übertragen. Wir brauchen Instrumente zur Umverteilung, zur Wiederherstellung von Wettbewerb, zur wirksamen Besteuerung.
Allenfalls müssen wir auch Verstaatlichungen ins Auge fassen, wenn quasi-natürliche Monopole bestehen. Möglicherweise ist es nicht sinnvoll oder gar nicht möglich, neben Google noch Dutzende andere Suchmaschinen wirtschaftlich zu betreiben, vielleicht stiftet eine einzige weltweite Daten-Drehscheibe ohnehin den größten Nutzen. Aber dann darf sie nicht in privater Hand sein.
Marginalisierung öffentlicher Infrastruktur & Emotionalisierung des Alltags
Ich sehe folgende zwei „emerging issues“ in DACH im Speziellen und Europa im Allgemeinen.

Erstes emerging issue ist eine Marginalisierung von öffentlicher Infrastruktur. Infrastruktur meint hier zum einen „klassisch“ (für den DACH-Raum) Strom/Gas, Wasser, Sicherheitswesen, Gesundheitswesen und Transport und zum anderen Informations- und Kommunikationstechnologieinfrastruktur (momentan aktuelles Beispiel 5G Netze). Marginalisierung meint hier zwei Dinge. Erstens, und vor allem, die marginalisierte (und stärkere werdende) Wahrnehmung seitens der breiten Öffentlichkeit, dass diese Branchen „unwichti“g sind. Während viel über so genannte „Zukunftsfelder“ wie Nanotechnologie und Fintech gesprochen wird, verschwinden diese Branchen zunehmend in der Öffentlichkeit. Das Problem ist eine mangelnde Attraktivität für kluge Kopfe und als ultimative Konsequenz eine sinkende Qualität der Leistungen dieser Branchen. Da diese Branchen jedoch elementar für das Zusammenleben sind (wenngleich „unsichtbar“) aber gleichermaßen weitaus komplexer als endkundenorientierte Branchen (insb. wegen dem Einfluss von Regulation, die disruptiv wirken kann; vgl. Atomausstieg in Deutschland), ist ein Gegensteuern elementar. Es gibt vor allem von Unternehmen selbst Gegensteuerungsmaßnahmen - Verbund und Wien Energie (bzw. Wiener Stadtwerke) sind positive Beispiele in Österreich. Seitens der öffentlichen Hand wären großflächige „Awareness“-Kampagnen für die Branchen gemeinsam mit den gesetzlichen Interessensvertretungen wünschenswert. Zweitens existieren marginalisierte Investitionen seitens der öffentlichen Hand. Während Österreich und die Schweiz hier vergleichsweise gut aufgestellt sind (den Bereich Landesverteidigung ausgenommen), wurde in Deutschland vergleichsweise wenig investiert.

Zweites „emerging issue“ ist die zunehmende Emotionalisierung des Alltags (für jüngere empirische Untersuchungen vgl. insb. der bald erscheinende Artikel von SIMAS et al). Während „shitstorms“ auf social media Plattformen dieses issue im privaten digitalen Raum darstellen, sind medialen Diskurse rund um „fakenews“ das Beispiel dieses issues im medialen Raum (offline und  online). Gleichermaßen ist der immer stärker werdende Ruf nach charismatischen PolitikerInnen ein Beispiel für den politischen Raum. Auch in Unternehmen wird zunehmend gefördert, das Emotionen eingebracht werden können – und teilweise gar sollen (vgl. Start-Up-Kulturen „we are all friends here“; vgl auch COSTAS 2012). Pointiert und in der Sprache von Max Weber droht eine Dominanz von charismatischer Herrschaft und ein Marginalisierung von legaler Herrschaft, die für die Moderne charakteristisch ist. Das Problem daran, das Sachthemen in unterschiedlichen Raumen und der Alltag zunehmend emotionalisiert wird und das diese Bewegung zunehmend gesellschaftlich akzeptiert wird, ist eine daraus folgende Fixierung auf Personen. Dies macht anfällig für Korruption, Polarisierung, Machtmissbrauch sowie schwächt Organisationen im Fall des Wegfalls dieser Personen. In Summe besteht die Gefahr von Emotionalisierung in einer Anfälligkeit für die Destabilisierung von bestehenden Institutionen und Regeln.

COASTAS J. 2012. “We are all friends here”: Reinforcing paradoxes of normative control in a culture of friendship. Journal of Management Inquiry, 21(4): 377-395.
SIMAS, E., CLIFFORD, S., & KIRKLAND, J. forthcoming). How Empathic Concern Fuels Political Polarization. American Political Science Review. doi:10.1017/S0003055419000534
Das Pensionsproblem: Lösung vor Ideologie
In der Pensionsfrage verharrt Österreich seit Jahren in einem Ideologiestreit, der Lösungen verhindert: Auf der einen Seite diejenigen, die den Generationenvertrag in Gefahr sehen. Auf der anderen Seite diejenigen, die vor Altersarmut warnen. Deshalb lassen sich folgende Sätze auch nicht schreiben, ohne im Verdacht zu stehen, als Lobbyist in der Versicherungsbranche tätig zu sein: Das Verhältnis zwischen Einzahlungen ins Pensionssystem und Auszahlungen verschlechtert sich. Die Lebenserwartung steigt, die Geburtenrate ist niedrig. Die Jungen starten später als in der Vergangenheit ins Berufsleben und zahlen damit auch erst ab einem höheren Lebensalter Pensionsversicherungsbeiträge. Das Pensionsantrittsalter hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert. Außerdem ist zwischen 1970 und 2015 in Österreich die durchschnittliche Pensionsdauer bei Frauen von 16 auf 22 Jahre und bei Männern von 11 auf 20 Jahre gestiegen. Die 1956 bis 1969 Geborenen – das sind die geburtenstärksten Jahrgänge seit dem Zweiten Weltkrieg – treten nun in den Ruhestand und verbleiben dort so lange wie keine Generation zuvor.

Das sind natürlich alles keine Gründe dafür, das staatliche Pensionssystem als solches in Frage zu stellen. Es reicht aber auch nicht aus, zu erwidern, dass dank zukünftigem Wirtschaftswachstum bei den Pensionen alles so bleiben kann, wie es ist. Nicht nur der Ideologiestreit verhindert Reformen, sondern auch die Tatsache, dass Ältere als Wählergruppe zahlenmäßig immer bedeutender werden. Das erkennen auch Politiker, die Stimmen maximiere wollen. Bestes Beispiel: Sebastian Kurz, der als JVP-Obmann noch eine Pensionsreform einforderte und als Bundeskanzler in klassisch populistischer Manier vor der Wahl eine außerordentliche Pensionserhöhung durchführte.

Was ist zu tun:
- Maßvolle Erhöhung der Lebensarbeitszeit
- Angleichung Beamtenpension/ASVG-Pension
- Attraktiver Bonus für längeres Arbeiten
- Lebenslanges Lernen unterstützen, Umschulung auf altersgerechte Jobs fördern
- Lebenseinkommenskurve abflachen: Mehr Geld für junge Arbeitnehmer, weniger für ältere
Nachhaltige Gestaltung des Erwerbslebens – Sustainable Careers und Career Crafting
Im Zuge der Debatten über die Veränderungen am Arbeitsmarkt u.A. durch Globalisierung, Digitalisierung und den demographischen Wandel fehlt meistens die Benennung der Widersprüche und noch öfter das Aufzeigen von Handlungsbedarf und -möglichkeiten:

Den Forderungen, die seitens der Politik und vieler Arbeitgeber immer (noch) formuliert werden – eine Auswahl – stehen viele Widersprüche auf volkswirtschaftlicher wie psychologischer Ebene entgegen:
„es muss länger gearbeitet werden“ – steht hoher Altersarbeitslosigkeit und auch dem großen Wunsch nach zB Altersteilzeit entgegen oft auch weil körperlich und oder physisch den Anforderungen nicht mehr nachgekommen werden kann
„der Lebenslauf darf keine Lücken aufweisen“ – steht kürzer werdenden Beschäftigungsverhältnissen gegenüber , häufig auch weil sich Branchen und die Tätigkeitsprofile verändern
„lebenslanges Lernen“ – steht Einschränkungen bei der Inanspruchenahme der Bildungskarenz, welche eigentlich ein Vorzeigeprojekt in der Entwicklung von Brücken über die zwangsläufigen und teilweise auch notwendigen Brüchen in Lebensläufen entgegen
Und last not least:
Ein schulterzuckendes Anerkennen der „Rush Hour des Lebens“ zwischen ca 30 und 45 Jahren in denen Familiengründung und die wichtigsten Karrieresprünge gleichzeitig passieren sollen

Aus Seiten der Berufslaufbahnforschung (Career Research) wird deshalb darauf hingewiesen, dass es die leider immer noch das Bild einer klassischen Karriere prägendenden „lineare Erwebsbiographien“ ohnehin nur für einen kleinen Teil der Menschheit und das nur wenige Jahrzehnte lang gab gefordert. Notwendig wäre beispielsweise die Entkoppelung von Berufserfolgen von zeitlicher Kontinuität, also auch einer Entzerrung der Verpflichtungen in der Rush Hour des Lebens, da biologische Fortpflanzung deutlich engeren Grenzen als die beruflichen Möglichkeiten unterworfen ist). Außerdem wird ein Blick auf die Stärkung der Resourcen der Individuen in der Entwicklung einer „sustainable career“, die auch jenseits der 50 oder 60 noch lebbar und produktiv ist gefordert.

Selbstbestimmte Laufbahnentwicklung und berufliche Veränderungwünsche aber auch die Notwendigkeiten zur beruflichen Anpassungen müssten stärker sowohl gesellschaftlich anerkannt werden (das Berufsleben muss nicht mit Anfang 20 für die kommenden 50 Lebensjahre entschieden werden – und kann es in den meisten Fällen auch gar nicht), mittels Transferzahlungen ggf. auch finanzielle überbrückt werden. Es braucht ein anderes, realistischeres und facettenreicheres Bild von Erwerbsbiographien.
Die 3. Säule fehlt - Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Gesellschaft
Nachrichten über wissenschaftliche Erkenntnisse sind meist auf die Woche der Vergabe der Nobelpreise, gelegentliche Einblicke in den Alltag an Hochschulen oder regelmäßige widerkehrenden Forderungen Politik möge der Wissenschaft doch mehr Gehör schenken beschränkt.

Was abseits der Wissenschaftsseiten großer Medien fehlt, ist die systematische Einbeziehung der sogenannten dritten Säule der universitären Forschung: dem Transfer des Wissens in die Gesellschaft.

Gründe dafür liegen innerhalb des Elfenbeinturms: schon die zweite Säule neben der Forschung, die Lehre, wird in meisten Fällen als karrierebehindernde, lästige Pflicht erachtet. Unter diesem Produktionsdruck stehen Aktivitäten der Wissensvermittlung und gemeinsamen Generierung von Wissen in der akademischen Prioritätenliste leider ganz weit hinten. Statt gesellschaftlicher Relevanz, ist in den meisten Naturwissenschaften die statistische Signifikanz, die deutlich stärkere Währung. Die Publikationsmenge ist in den meisten Ländern die einzig gültige Währung im Track Record von angehenden WissenschafterInnen (Ausnahmen in z.B. Großbritannien wo auch Evaluationen von Lehrtätigkeit in die Beurteilung des akademischen Personals einfließen zeigen eine mögliche Richtung auf). Die Kluft zur gesellschaftlichen Vermittlung wird stetig größer, da in Fachpublikationen nur durch enorme Spezialisierung Gehör erzielbar ist. Keine gemeinsame Sprache innerhalb der selben Forschungsgruppen ist keine Seltenheit, von Inter- oder Transdisziplinarität ist in diesem Zusammenhang gar nicht zu reden. Fehlverhalten, wie das „p-hacking“ zum Erreichen statistischer Signifikanzen, schwappt sogar auch gelegentlich als Skandal an die Öffentlichkeit. Maßnahmen zur Steigerung der Transparenz werden durch open science Standards derzeit auch auf freiwilliger Basis wieder erhöht, aber auch diese Anstrengungen spielen sich leider nur innerhalb der akademischen Mauern ab.

Eine Lose-Lose Situation für beide Seiten: die Akzeptanz wissenschaftlicher Forschung kann damit auf immer weniger gesellschaftlichen Rückhalt  hoffen, denn die Frage „was hat die Wissenschaft jemals für mich getan“ darf gestellt werden – Antworten werden außerhalb der medizinischen Forschung aber selten gefunden. Und die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden in meist jahrelanger Kleinstarbeit zu selten bis nie gelesene Publikationen, also für die sprichwörtliche Schublade. Das zudem auch öffentliche Gelder in private Verlagshäuser fließen, ist ein weiterer Baustein in den dicken Mauern zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Die aktuellen Bestrebungen der Überwindung der Abhängigkeit der Hochschulen von privaten Verlagen sind ein wichtiger Schritt (einige Deutsche Hochschulen habe ihre Lizenzverträge mit Elsevier aufgekündigt).

Was aber viel größere Brücken schlagen würde: In der Forschungsförderung bereits viel früher Kriterien zu formulieren, die Transparenz in der Wissensgenerierung, der Vermittlung und auch der Beurteilung des wissenschaftlichen Personals. Ein weitergefasstes Szenaro: Der Aufbau einer pan-europäischen Wissenschaftsdatenbank, die direkt mit den  Europäischen Broadcastern (EBU) also Medienhäuser angedockt wäre, wäre eine Möglichkeit Erkenntnissen insbesondere aus der Angewandten Forschung schneller öffentlich bekannt zu machen, zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Es müssten also nicht weiter mit öffentlichen Geldern die Unkultur des  „publish or perish“ und die Geschäftsmodelle von privaten Verlagen finanziert werden. Die Vermittlung der Wissenschaft sollte nicht derart Privatsache bleiben wie sie es heute ist: öffentliches Geld für öffentliches Wissen, statt Sponsoring von akademischen Gepflogenheit wo Vermittlung nicht vorgesehen ist; auch nicht von privaten Verlagshäuser und damit auch ein Schutz gegen die Instrumentalisierung von Wissenschaft durch private Auftragsforschung, die sich die fehlende Bekanntheit von wissenschaftlichen Kenntnissen nicht zuletzt im Lobbying oft zu Nutzen macht.
Öffentliches Geld für öffentliche Daten - Datensouvernität und der Hebel der öffentlichen Investitionen
Smart Cities und digitale Verwaltung - machen das Leben leichter aber auch leider die BürgerInnen transparenter.

Diese Formel, die meist im Zusammenhang mit digitalen Angeboten die das Zusammenleben in Städten oder die Zusammenarbeit mit Behörden begleitet - ist kein Naturgesetz.

Es können auch Regierungen transparenter werden - wie die taiwanesische Digitalministerin Audrey Tang seit Antritt ihrer Tätigkeit unter Motto "total transparency" aber eben der Transparenz der Regierungstätigkeiten, nicht der Bevölkerung verfolgt. Kommunen und Länder sind KundInnen und nicht Bittstellerinnen, wenngleich Großkonzerne wie Amazon oder Google teilweise größere Gewinnen als viele Volkswirtschaften aufweisen können. Beispiele wie es die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, oder auch die Amsterdamer Stadtregierung vormacht sollten zum europäischen Normalzustand werden:

Wenn Software beispielsweise im Gesundheitswesen angeschafft wird, sollte die erste Wahl immer Open Source sein - auch hier hat Audrey Tang ein Beispiel vorgelebt :am Tag ihres Amtsantrittes hat sie den Kernel der öffentlichen Verwaltung auf Linux umgestellt. Nebenbei bietet sie in "presidential hackathons" und offenen Sandboxing Formaten auch die Überprüfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen in allen Bereichen von Bauen bis Urheberrecht auf die Tauglichkeit in der digitalen Welt an.

Aber auch wenn Lizenzen von privaten Anbietern erworben werden, dürfen KäuferInnen Bedingungen stellen, zum Beispiel jener Bedingung, BenutzerInnen Datensouveränität garantiert wird. Wie es die Digitalverantwortliche von Barcelona Francesca Bria beschreibt: wenn ich meine Gesundheitsdaten digital verwalten lasse, kann ich entscheiden, dass ich beispielweise für die Forschung meine Daten auch an Dritte weitergebe, nicht aber an private Versicherungsfirmen. Entscheidungen im Sinne des Gemeinwesens,  Privatheit und technologischer Fortschritt müssen keine Widersprüche sein. Wer zahlt schafft an, sollte in deutlich höherem Maß auch in den Vergabeprozessen der öffentlichen Verwaltungen gelten.
Selbstbehauptung der Demokratie und Handlungsfähigkeit
Für den Westen wird die Selbstbehauptung seiner politischen Selbstverständlichkeiten zum Problem. Dies bezieht sich in herausragender Weise auf den Bestand und die Beharrungskraft gegenüber fundamentalistischen oder autokratischen politischen Akteuren und Systemen - nach innen wie nach außen. Der Blick über die nationalen, europäischen und transatlantischen Grenzen hinaus zeigt, dass es "den" Westen - so wie im Rahmen der französischen und angelsächsischen demokratischen Tradition gedacht und im Verbund mit anderen liberalen Demokratien realisiert - so nicht mehr gibt. In vielerlei Hinsicht gerät das demokratische Modell des Westens und seine staatliche Handlungsfähigkeit unter Beschuss. Dieses System einer durch Gewaltenteilung und Wehrhaftigkeit definierten Demokratie erodiert durch den Rechtspopulismus von innen und den Autokratismus und die Diktatur von aussen.  Für Europa endet nun die Zeit der Methode Monnet in der es galt, durch Package Deals und integrationspolitische Trippelschritte das eigene Format zu akzentuieren. Die Besetzung der Krim durch Russland, die Geringschätzung Europas durch die Türkei oder der Isolationismus der USA zwingen Europa als Kern des Westens dazu, sein Selbstverständnis heute wieder klar zu definieren und die Idee von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nach innen sowie die staatliche Handlungsfähigkeit nach aussen zu revitalisieren. Dazu gehört im Kern ein politisch starkes Europa, wie es die Gründungsväter der Europäischen Gemeinschaft als Vision vor Augen hatten genauso , wie eine politisch erneuerte westliche Allianz, die den Anspruch erhebt,  undemokratischen Systemen wie  China oder Russland die Stirn zu bieten.  Die Entwicklungen treiben Europa immer mehr vor sich her und dies wird dazu führen, dass der politische Druck hin zu einer klaren Selbstbestimmung und Haltung der Europäer für ihre eigene Staatsform der Demokratie und ihre eigene staatliche Handlungsfähigkeit in Zukunft erheblich steigt.
Leben in der Stadt, Stadterhitzung, Mobilität
Urbane Räume erleben stetigen Zuzug. Das macht Wohnraum zum umkämpften Gut. Diese Situation wird sich in den nächsten Jahren kaum entspannen. Bevölkerungswachstum bedeutet Mobilitätswachstum. Auch der Raum dafür ist knapp. Motorisierter Individualverkehr, fahrend oder parkend bringt den Kollaps. Schließlich sehen sich urbane Räume mit steigender Überhitzung in den Sommermonaten konfrontiert. Verbrennungsmotoren tragen dafür Mitverantwortung. Wenn gleich diese Themen schon zum Teil auf der politischen Agenda stehen, werden sie nicht mit jener Dringlichkeit verfolgt, die es zu einer Dämpfung der Eskalation brauchen würde.

Hintergrund dafür ist eine nur zähe Bereitschaft von Politik und Einzelnen in neuen Logiken zu denken. Der Vorstellung vom Wohnraum im lebenslangen Eigentum erschwert neue alternative Wohnmodelle, die alterphasenadäquat benützt werden. Trotz kontinuierlichem Flächenverbrauch durch Neubauten, wird der konventionelle Bedarf an Wohnraum nicht gedeckt. Touristische Wohnraumnutzung a la airbnb belasten die Situation weiter. Wohnen in innerstädtische Räume ist für die Mehrheit der Menschen nicht (mehr) finanzierbar. Das Wohnen in den Rändern steigert die Mobilitätsnotwendigkeit. Motorisierter Individualverkehr belastet den Raum und die Luft. Besonders in den Sommermonaten steigen die Temperaturen in den Städten konstant, nächtliche Abkühlung wird weniger. Natürliche Kühlung wird nur halbherzig verfolgt, motorisierter Individualverkehr nicht eingeschränkt.

Anzustreben ist eine Priorisierung der Themen. Alternative Wohnformen, die Wohnflächen sparen, weil Leerstände auch innerhalb von zu großen Wohnungen gespart werden, müssen gefördert werden. Die touristische Nutzung von Wohnraum muss eingeschränkt oder drastisch besteuert werden. Öffentlicher Verkehr und Radverkehr muss ausgebaut werden, motorisierter Individualverkehr muss reduziert bzw. zurückgedrängt werden (verkehrsfreie Zonen, verkehrsfreie Zeiten). Die natürliche Kühlung der Stadt muss intensiv ausgebaut werden. Innerstädtische Grünräume sind zu vermehren, horizontal und vertikal, natürliche Kühlsysteme zu etablieren.

Datensammlung, Datenverwendung, Algorithmen
Legal und illegal werden immer mehr Daten von Individuen, Organisationen, Prozessen uvm. gesammelt. Durch die Anwendung von Algorithmen erfolgt auf Basis dieser Daten eine Bewertung und häufig auch direkt eine Handlung. Damit wird jedes Individuum zunehmend zum Objekt. Die Freiheit des Subjekts geht verloren. Die Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte werden verletzt, wenn komplette Verhaltens- und Eigenschaftsprofile von Menschen, nur auf Basis von Daten und deren Verknüpfung erstellt werden. Viele Menschen sind sich der Relevanz ihrer Daten und deren Weitergabe nicht bewusst. Erstmals wird im Zusammenhang mit der JÖ-Karte die Problematik diskutiert. Klar ist, dass die Datensammlung auch heute schon in Österreich weit über das Einkaufsverhalten hinausgeht. Gesetzliche Regelungen zum Datenschutz hinken der Realität hinterher.

Hintergrund dafür ist die digitale Weiterentwicklung, also die Weiterentwicklung der Möglichkeit. Neben dem Sammeln von Daten werden Verwendungssysteme zunehmend harmonisiert um Kompatibilität zu erreichen. Diese ist zur Datenverknüpfung ausschlaggebend. Datenverknüpfung bedeutet auch, dass nicht selbst gesammelte Daten, also etwa gekaufte von den eigenen Algorithmen verwendet werden können. Das kann wirtschaftliche Vorteile puncto Effizienzsteigerung und Targeting bringen. Letztlich zeigt sich, dass aber auch Machtakkumulation eine Zielsetzung sein kann. Einflussnahme in demokratische Wahlen sind ein Beispiel dafür.

Anzustrebende Maßnahmen in diesem Zusammenhang wäre Aufklärung und Bildung der Menschen. Datenweitergabe sollte mit einem kritischen Prüfblick erfolgen und nicht vordergründigen finanziellen Interessen allein folgen. Datenmissbrauch sollte stärker sanktioniert werden, wenn die Datenverwendung nicht dem beim Sammeln angeführten Zweck entsprechend erfolgte.
Zunahme psychischer Erkrankungen, Verschlechterung der sozialen Kompetenz, Vereinsamung
Der Drang nicht nur Systeme, sondern auch Individuen in ihrer Produktivität und Funktionsweise zu optimieren, wird viele Menschen zunehmend überfordern. Wachsender Druck wird immer häufiger psychische Probleme erzeugen, die ohne entsprechende Behandlung psychische Erkrankungen werden können. Die Digitalisierung der Kommunikation reduziert Ausgleich im menschlichen Miteinander. Computerspiele und soziale Medien ermöglichen Kommunikation ohne soziales Lernen. Ohne Mimik und Gestik des Kommunikationspartners zu erkennen, kann man kaum Empathie erlernen oder praktizieren. Das eigene Ego wird zwangsläufig zum einzigen emotionalen Maßstab. Soziale Intelligenz geht verloren. Dadurch wird mittelfristig auch der gesellschaftliche Zusammenhalt geschwächt, weil andere Lebens- und Gefühlswelten nicht mehr nachempfunden werden können.

Hintergrund dafür ist ein zu wenig hinterfragtes Wachstums- und Optimierungsparadigma. Wer ständig an sich arbeitet, immer noch mehr und Besseres leistet und darstellt, erhält eine Belohnung. Wer nicht mit kann oder auch mit will, fällt aus den Systemen. Wen das trifft, wird als eigener „Schuldträger“ definiert. Man hat es „nicht geschafft“, war „nicht bereit dazu“. Der „Leistungsträger“ hingegen gilt als Leitbild. Psychische Erkrankungen werden auch im Gesundheitssystem noch immer nicht ernst genommen. Es fehlt an Versorgung und Finanzierung.

Anzustrebende Maßnahmen gibt es viele. Sie reichen von der Metaebene bis zur Finanzierung von Psychotherapie auf Krankenschein. Vielleicht ermöglicht der Klimaschutz einen radikalen Wandel, da er den Schutz der natürlichen Umwelt im Fokus hat und als prioritär verstanden wird. Interessant ist, dass sich offenbar die Politik und die Wirtschaft mehr um das Klima als um die individuellen Menschen in ihrem Sein an sich sorgen. 
Erosion moralischer, intellektueller und institutioneller Ressourcen
In den Medien wird über eigentlich fast alles berichtet, das wichtig und drängend ist und wird. Die Frage ist nur: Wie? In welcher Tiefe? Mit welchem Ziel? Klimakrise, Überalterung, demographischer Wandel, Pluralismus, technologische und wirtschaftliche Entwicklungen, demokratische Auseinandersetzung. Die Themen sind alle da, und zu allen gibt es eine Vielzahl an „Lösungen“, „Konzepten“ oder zumindest Überschriften. Mein Eindruck ist aber, dass nicht gewagt oder schlicht nicht gekonnt wird, sich mit den grundlegenden und damit letztlich entscheidenden Fragen zu befassen. Für mich betrifft das vor allem jene nach den moralischen, intellektuellen und institutionellen Ressourcen für den Umgang mit all diesen Fragen.

3 Beispiele:

Altern und die Herausforderungen der Pflege sind zunehmend präsent. Die Antworten darauf lauten meist: Mehr Mittel. Über andere Ressourcen, die es braucht, wird kaum gesprochen. Aber was ist es, dass Alte und Kranke und jene, die sie pflegen, durchhalten lässt? Welche moralischen Ressourcen brauchen sie, was vermittelt ihnen einen Sinn in ihrem Leben, ihrem Tun? Und was ist, wenn sich kein Sinn mehr finden lässt? „Altern in Würde“ oder ähnliches sind nette Schlagwörter, Expertinnen und Experten zu den Themen gibt es auch, aber sie alle ersetzen nicht die Auseinandersetzung mit den Fragen, die immer mehr Menschen treffen, und auf die sie nicht vorbereitet sind.

Wenn es um solche moralischen Ressourcen geht, macht man es sich in der Politik noch oft leicht. Gern wird auf Böckenförde und seine Aussage, dass der Staat von Voraussetzungen lebe, die er selbst nicht garantieren könne, verwiesen. Dabei wird verkannt, dass moderne Gesellschaften sich dadurch auszeichnen, dass sie normative Orientierungen aus ihren eigenen Ressourcen erzeugen müssen. Heute können sie sich, aufgrund der Zahlen und der intellektuellen Kompetenzen, schon gar nicht mehr auf die alten Voraussetzungserbringer, Kirchen, Parteien, Gewerkschaften usw. verlassen. Sie erodieren. Es wird zwar über Ethikunterricht und politische Bildung (überhaupt alle Arten von „Bildung“) debattiert, aber tatsächlich passiert wenig (und es scheint, ist oft in Medien und Politik auch völlig unklar, was davon genau erwartet wird; zu oft klingt es nach Sittenlehre). Der Bereich der Erwachsenen ist überhaupt nicht im Blickfeld. Ja, solche Debatten sind schwierig. Sie erfordern Zeit, Bereitschaft, sich darauf einzulassen, reflektiv und achtsam für sich und andere zu sein. Sie erfordern die Aneignung von Wissen und Sprache, den Mut etwas anzusprechen und auszusprechen. Ansonsten laufen wir Gefahr, wie das erste Beispiel zeigt, sprachlos dazustehen.

Das führt mich zum dritten Beispiel, dem Zustand staatlicher Institutionen. Ihnen muss ja (folgt man der Argumentation hier), eine wichtige Rolle in der Erzeugung und Stabilisierung von Wissen und normativen Orientierungen zukommen. Verwaltung, Gerichte, Schulen – sie werden im politischen und medialen Diskurs vorrangig als Problem wahrgenommen, das Reformen braucht. Sie stehen vor enormen Herausforderungen, die kaum angesprochen werden: Überalterung, Überforderung, fehlende Perspektiven, politisch loyale aber oft wenig kompetente Führungsebenen und damit der Wegfall von Karriereoptionen für die unteren Ebenen, die gleichzeitig alle Defizite und Ängste oben ausgleichen müssen, ein weitgehendes Unwissen und Unverständnis darüber, was hier passiert, und die Inkompetenz (aber auch der Unwillen), es selbst zu kommunizieren. Staatliche Institutionen laufen damit auch Gefahr zu erodieren, gerade dann wenn sie gebraucht werden und gefordert wären, sich – in jeder Hinsicht – zu erneuern.

Welche Maßnahmen? – Ich denke es braucht vor allem Initiativen, die es Menschen ermöglichen an solchen Debatten teilnehmen zu können, sie zu ermutigen und zu unterstützen, Politik, Medien, Verwaltung usw. herauszufordern, aber auch die Debatten selbst in die Hand zu nehmen - über Recht, moralische Herausforderungen, Gerechtigkeit, den Staat. Und es braucht Menschen, Unternehmen, Stiftungen etc. die bereit wären, solche Initiativen längerfristig (und nicht bloß für befristete Projekte) zu unterstützen. Auch und gerade im Interesse ihrer eigenen Zukunft.
Fehlendes Grundverständnis für KI, die Schlüsseltechnologie der Zukunft (und der Gegenwart!)
KI ist die Schlüsseltechnologie der kommenden Jahre, ihr Einsatz redefiniert Wirtschaft, Märkte und Gesellschaft. Diese rasante Entwicklung und die Mystik der denkenden Maschine nähren im gleichen Maße übersteigerte Erwartungen an heilsbringende Technologien, wie sie auch uralte Ängste des Menschen befeuern, demnächst von unkontrollierbaren Robotern hinweggerafft zu werden. Die kollektive Verunsicherung, die den Prozess der digitalen Transformation schon generell begleitet, wird durch die neue technologische Qualita?t von KI auf eine weitere Stufe gehoben. Das Resultat sind simplifizierende und polarisierende Mensch-Maschine-Erza?hlungen, die den aktuellen KI-Diskurs dominieren und den Blick 
auf die entscheidenden Themen verschleiern, die heute auf der KI-Agenda stehen müssten.

Das Auseinanderklaffen von öffentlicher Diskussion und Realität beschreibt die ZEIT treffend: „Wir schauen auf den Horizont und halten ängstlich Ausschau nach einem kommenden Tsunami, aber stehen längst bis zur Hüfte im Wasser.“ Und man möchte ergänzen: Wir gießen ständig selbst Wasser nach, denn längst sind die unterschiedlichen Formen und Reifegrade von KI zur Normalität geworden: Selbstlernende Systeme steuern die Spracherkennung in Smartphones, lassen Autos (teil-)autonom fahren und helfen bei maschinellen Übersetzungen, bei der Identifikation von Objekten oder Personen, bei Kreditvergaben und Vorhersagen aller Art. Und sie dringen in den ganz alltäglichen und höchst persönlichen Bereich des Lebens vor: Sie schlagen uns in Online-Shops Produkte vor, am Smartphone die passende Musik und in Partner-Portalen den idealen Liebhaber.

Wir sprechen also nicht von einem diffusen Morgen, sondern ganz konkret bereits von Heute. Die fortschreitende KI-Durchdringung hat unsere Gesellschaft bereits verändert und neue Realitäten geschaffen. 

In der öffentlichen, politischen aber auch wirtschaftlichen Diskussion fehlen aus meiner Sicht drei Perspektiven:

1 – Wir müssen deutlich mehr von KI verstehen als bisher.

Ein typisches Kennzeichen unreifer Märkte ist eine ausufernde Begriffsvielfalt, verknüpft mit diffusen Abgrenzungen. Das weite Feld der KI ist davon ganz besonders betroffen: Unterschiedslos werden Begriffe wie Machine Learning, Deep Learning, Big Data, neuronale Netze und viele mehr verwendet. Ist mein Telefon mit seinem Sprachassistenten noch smart oder bereits „intelligent“? Beruhen die Ergebnisse einer CRM-Analyse auf Big Data oder auf KI, und macht das überhaupt einen Unterschied?

Abseits einer wissenschaftlichen Diskussion um die Exaktheit von Begrifflichkeiten, steckt dahinter die Tatsache, dass uns vielfach gar nicht bewusst ist, ob wir KI bereits einsetzen – im Alltag, aber auch im wirtschaftlichen Kontext. 

Wer aber nicht weiß, welcher Werkzeuge er sich bedient, kann auch kein Verständnis für die Chancen, Potentiale und Risiken der Anwendung entwickeln und keine zielsicheren Entscheidungen daraus ableiten. 

Es ist daher für uns als Konsumenten, Bürger und auch für Führungskräfte in Unternehmen entscheidend, sich ein ausreichend hohes Kompetenzniveau im Bereich KI anzueignen – nicht nur, um „mitreden“ zu können, sondern weil der verantwortungsvolle Umgang damit eine ganz selbstverständliche Anforderung geworden ist. 

Wie funktionieren Systeme Künstlicher Intelligenz? Was kann KI – und was nicht? In welchen Themen läuft KI dem Menschen den Rang ab – und wo nicht? Wo wird KI heute bereits eingesetzt – und wo ist ein Einsatz perspektivisch angedacht? Welche Entscheidungen kann, soll und darf ich KI übertragen – und welche nicht? 


Wir müssen erwarten, dass Verantwortungsträger (und der Einzelne) auf diese Fragen treffsichere Antworten für den eigenen Einflussbereich parat haben. 


2: Was KI gefährlich oder sicher macht, ist viel zu unklar.

Diskussionen darüber, ob Roboter uns die Arbeit wegnehmen und um den ethisch verantwortlichen Einsatz von KI sind so lohnend, wie naheliegend. Andererseits erlaubt uns dieses abstrakte, philosophisches Niveau auch auf bequeme Art, uns den heute schon sehr realen Problemstellungen des sicheren Einsatzes von KI nicht stellen zu müssen.

Wir füttern – mehr oder weniger bewusst – smarte Systeme mit Daten, und diese Systeme spucken Entscheidungsgrundlagen aus oder treffen sogar selbst Entscheidungen, die zunehmend für unser Leben von zentraler Bedeutung sind. Werden wir für ein Jobinterview eingeladen? Erhalten wir einen Kredit? Hat dieser Kunde ein berechtigtes Garantie-Anliegen? Stimmen die Aussagen von Politikern und Medien? KI beeinflusst unsere Wahrnehmung und unser Leben im privaten, wie auch im beruflichen Kontext.

KI ist nicht perfekt, sie macht Fehler. Beruht der Schlussfolgerungs-Algorithmus auf statistischen Modellen, liegt es nahe, dass unvollständige Datenquellen oder analytischer Bias zu fehlerhaften Voraussagen führen werden; sind Systeme anfällig für Datensicherheits-Probleme, besteht das Risiko für Missbrauch oder feindliche Angriffe.

Überlagert werden Problemstellungen einzelner Programme von systemischen Fragen: Die Fragmentierung von Wissen statt der Förderung von Verständnis für Zusammenhänge, eine potentielle Überschätzung von Technologie, und allzu sorgenlose Delegation von Problemlösungen an KI können zu catastrophic fails ganzer Systeme (wie z.B. Finanzmärkte) führen. Übersteigen die Sensibilität, Komplexität und Interdependenz der beeinflussten Strukturen die Reaktionsfähigkeit der Steuerung, läuft das System Gefahr, außer Kontrolle zu geraten.

Gerade weil KI eine so wirkmächtige Technologie ist, ist es entscheidend, mit klarem pragmatischem Blick auf ihre Sicherheit zu drängen. Dazu ist, abseits jeglicher Technikfeindlichkeit, eine nüchterne Analyse hinsichtlich der Gefahrenpotentiale und Risiken entscheidend. 

Im Übrigen schafft dieser Diskurs entscheidende Wettbewerbsvorteile – nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern für standortpolitisch auch für Europa im Vergleich mit den USA und China.


3: KI steckt in der Vertrauenskrise.

„Was wäre nötig, damit wir den Entscheidungen einer Maschine uneingeschränkt vertrauen?“ So trivial die Frage klingt, so relevant ist sie für die Praxis. Und so vielschichtig und diffus sind die Antworten.

Umso mehr, als uns die menschliche Hybris immer wieder ein Bein stellt. Es hat Jahre gedauert, bis Autofahrer davon überzeugt werden konnten, dass ein klassisches Anti-Blockier-System „besser“ bremst, als sie selbst – allzu überzeugt war der Herrenfahrer von seinen überlegenen menschlichen Fähigkeiten am Volant. Heute führen wir vergleichbare Diskussionen rund um die unterschiedlichen Fahr-Assistenten (wer parkt besser ein, die Maschine oder ich?) und stellen uns die Frage, wann vollständig autonomes Fahren wirklich Realität sein kann.

Rund 80 Prozent der Menschen fühlen sich aktuell unwohl, wenn Computer über sie entscheiden. Genährt wird das generelle Misstrauen gegenüber KI durch Ernüchterungen des Alltags. Viele Menschen machen die Erfahrung, dass Smartifizierungen fragwürdigen Nutzen stiften und nicht selten auch wenig treffsichere Ergebnisse bringen. Wenn bereits der banale digitale Alltag zu einem Mehr an Unzuverlässigkeit und lästigem Aufgefordertwerden führt – etwa in der Interaktion mit Sprachassistenten – wie sicher kann dann die Anwendung von KI an tatsächlich kritischen Stellen sein? 

Die nüchterne Faktenlage, etwa dass autonome Fahrzeuge eine objektiv niedrigere Unfallhäufigkeit als menschliche Fahrer haben, oder medizinische Prognosen von KI-Systemen eine höhere Treffsicherheit als selbst bestausgebildete Fachärzte, hilft nur eingeschränkt, das Vertrauen in KI zu etablieren. 

KI sollte immer im Hinblick auf den menschlichen Nutzen gesehen werden. Sie wirkt bei kognitiven Aufgaben leistungssteigernd, erweitert unsere Fähigkeiten und beschleunigt und verbessert damit die Lösung von Problemen. Wenn aber der Einzelne – in seiner Rolle als Konsument, Kunde, Mitarbeiter, Bürger – KI gegenüber wenig vertrauensvoll eingestellt ist, hat dies unmittelbare Konsequenzen auf der Handlungsebene. Erst wenn die bereitgestellte Technologie auf glaubwürdige Weise als sicher qualifiziert ist, wird sich ein natürlicher Umgang damit ergeben. 


Konsequenz: Wie sicher ist die Anwendung von Künstlicher Intelligenz?

Eine Welt ohne KI wird es nicht mehr geben, daher ist es entscheidend, die Weichen heute richtig zu stellen. Mehr denn je sind wir dazu aufgerufen zu verstehen, was KI wirklich bedeutet, was sie konkret leisten kann, welche Chancen und Risiken sich daraus ergeben und wie Vertrauen in KI etabliert werden kann. 



was kommt nach der digitalisierung
wie schaut dass leben nach der digitalisierung aus? gibt es irgendeinen bereich der egal ob negativ oder positiv unverändert bleibt? auswirkungen der quantenwirtschaft.wann endet das permanente streben nach wachstum. ende der anbetung des götzen mammon.wie gehen wir mit der zunehmenden physischen und psychischen überforderung um.gibt es eine perfekte kreislaufwirtschaft. wie findet die gesellschaft und die welt insgesamt wieder zusammen.die bedeutung der sozialen kompetenz.die bedeutung der familie.auswirkungen der quantenwirtschaft
Aushöhlung der Mitsprache der Zivilgesellschaft
In den letzten jahren wurde auf Druck und mit Beteiligung rechtspopulistischer Parteien nicht nur in anderen Staaten der EU und anderswo sondern auch in Österreich an den Mitsprachemöglichkeiten der Zivilgesellschaft "gesägt". Stichworte UVP-Verfahren, erschwerte Anerkennung als Umweltorganisation etc.

Hintergrund ist die Haltung "rechter" Parteien, dass sie ohnehin, weil gewählt, sie selbst die Interessen "des Volkes" vertreten. Daher die Mitsprache der Zivilgesellschaft überflüssig wäre. Abgesehen davon, dass die Zivilgesellschaft nicht nur Interssen von Menschen, die bereits leben, vertritt (z.B. Interssen zukünftiger Generationen, Interessen jener, die keine Stimme haben, wie Tieree, Umwelt oder Natur als ganzes etc.), also diese Interessen auch einfließen müssen in demokratische Prozesse, ist auch die Haltung, dass jemand der gewählt wurde, bereits "alles wüsste" und berücksichtigen kann, ziemlich daneben. Kaum eine wissenschaftliche Einrichtung glaubt mehr, wirklich etwas zu wissen. Woher also die Annahme, dass eine zufällig auf einer Parteiliste stehende Person "alles wüsste"

Erste Maßnahmen könnten sein so etwas wie "Grätzl-Parlamente". Hier geht es nicht darum, dass den "gewählten Parlamenten (auf Bezirks-, Bundesland- oder Bundes-Ebene) die Verantwortung für das Entscheiden abgenommen werden sollte, sondern es sollte ihnen die Verpflichtung auferlegt werden organisiert "zuzuhören" bevor sie etwas entscheiden. Dazu gehört im Vorfeld auch transparente Information.
Demografische Situation Osteuropas ist mehr als alamierend
Wir haben schon so lange und so viel über die demografische Entwicklung und Gefahr gelesen, dass wir sie nicht mehr als ernsthafte Bedrohung sehen. Tatsächlich hat sich ja auch die Situation in vielen Ländern Mittel und Westeuropas durch die Zuwanderung aus Nord und Osteuropa auch wesentlich entschärft. Ganz besonders in Österreich ist der prognostizierte Rückgang der jungen Bevölkerung nahezu nicht eingetreten. Tatsächlich hat sich damit aber ein enormes Problem in Osteuropa aufgebaut. In 8 Ländern der EU ist binnen der letzten 10 Jahren die Erwerbsbevölkerung zwischen 15 und 25 um mehr als 25% zurückgegangen, in Lettland um 46%! Gegangen sind nicht nur die Jungen sondern vorallem die besser ausgebildeten Jungen. Neben der daraus entstehenden ungeheuren Probleme in den künftigen Sozialsystemen dieser Länder sind ganze Landstriche "entvölkert". Unternehmen ziehen ab, öffentlicher Verkehr und Infrastruktur verschwinden.
Trotz aller Strukturfondbemühungen entstehen gerade ungeheuer große "tote" Regionen. Das Ziel regionale Unterschiede in der EU zu minimieren muss damit als gescheitert betrachtet werden. Im Gegenteil. Daten und Infos: https://www.pesnetwork.eu... https://www.pesnetwork.eu...
Digitalisierung
Natürlich ist das Thema Digitalisierung in aller Munde und weit oben auf der politischen und medialen Agenda. Allerdings meist im Sinne konkreter (zukünftiger) Angebote und technischer, eventuell noch rechtlicher, Fragen.
Zu wenig beachtet scheint mir der Aspekt, was die Digitalisierung mit uns Menschen macht - als Individuen und als Gesellschaft. Die bisherige Digitalisierung aller Lebensreiche - beginnend für die meisten mit dem Einsatz des Computers im Büro - war nur der Beginn. Inzwischen sollten wir von einem nächsten großen Schritt sprechen - nämlich dem "Dataismus". Die Digitalisierung aller Lebensbereiche, die weltweite Vernetzung und der rasante Anstieg an Rechenleistung und Speicherkapazität macht bisher undenkbare möglich: Die Sammlung und Auswertung von Daten in riesigen Volumina und deren Nutzung für Interpretationen, ja für Vorhersagen bis hin zu eigenständigen Entscheidungen durch Künstliche Intelligenz. Was wir bisher nur vom Wetterbericht kannten, wird plötzlich für viele Lebensbereiche möglich. Amazon ist ja kein Paketlieferdienst, sondern ein Vorhersageinstrument dafür, was ich als nächstes kaufen werden. Netflix ist keine Videoplattform, sondern ein Vorhersagemodell dafür, was ich als nächstes sehen will.
Viele bisher nur durch Menschen (mit technischen Hilfsmitteln) durchführbare Handlungen, werden in Zukunft (und teils jetzt schon), Computer/Netzwerke/Algorithmen erfüllen können. Jedenfalls schneller, vielleicht sogar besser. Denken wir nur an das viel diskutierte Autonome Fahren oder an das noch weniger diskutierte Auswerten von Röntgenbildern zur Krebs-Erkennung.
Was ist, wenn ein Algorithmus Krebszellen schneller (tausende Bilder in der Stunde, statt ein paar Dutzend am Tag wie ein Arzt) und vielleicht sogar besser (also mit weniger Falsch-Positiv oder Falsch-Negativ-Befunden) erkennt. Was macht das mit uns, wenn der Computer feststellt, dass wir Krebs haben - und nicht der Arzt.
Es ist nicht nur eine digitale Transformation, die gerade stattfindet. Es wird auch eine kulturelle Transformation sein. Die zu erkennen, vor allem zu verstehen, wird aus meiner Sicht eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre sein. Weil wir mit Erfahrungshintergrund und Blick aus der analogen Welt, die digitale Welt nicht mehr lange verstehen und somit gestalten können.
Entfremdung zwischen Eliten und Medien
In intellektuellen Zirkeln wird die Entfremdung zwischen Eliten und Massen durchaus diskutiert. Aber bringen die Diskussionen auch Ergebnisse?
Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass die Eliten von der Überzeugung getragen sind, Ereignisse und Zusammenhänge besser verstehen und einordnen zu können. Für mich stellt sich die Frage, wie wir aus dieser Position heraus dennoch ein Verständnis für jene entwickeln können, die mit einfachen Antworten vorlieb nehmen. Es besser zu wissen, mag objektiv stimmen - führt aber eben zu dieser beklagten Entfremdung. Ähnliches gilt für die inzwischen mehr berüchtigte als berühmte "Political Correctness", deren gute Absicht durch Überteibung in ihr Gegenteil verkehrt wird und erinnert fallweise an "Neusprech" in Orwell´s 1984. Und schließlich trägt zur Entfremdung bei, wenn viele Menschen das Gefühl haben, dass vorwiegend "Minderheits-Themen" öffentlich verhandelt werden und sich die Eliten nicht um die Sorgen und Anliegen der breiten Mehrheit kümmerten.
Diese Entfremdung stellt unser demokratisches System auf die Probe. Mit Ergebnissen, die von den Eliten dann doch wieder elitär kommentiert werden: Die Menschen haben zwar demokratisch aber doch das falsche gemacht - Stichwort Trump, Stichwort Brexit. Eine Kommentierung, die ihrerseits wiederrum das demokratische System auf die Probe stellt, das ja nach unserem Verständnis jeder Bürgerin und jedem Bürger das gleiche Stimmrecht zugesteht.
Wäre es eine neue elitäre Leistung, ein echtes Verständnis für die Sorgen und daraus folgenden Einstellungen so vieler (manchmal - siehe oben - der Mehrheit) Menschen zu entwicklen? Und welche Konsequenzen hätte es? Ich weiß es nicht.
Denker wie Ivan Krastev, David Goodhart und andere liefern erste Ansätze, Erklärungsmuster für das Entstehen der Entfremdung - ich würde mir wünschen, dass wir Ideen zu deren Überwindung entwickeln. Ich bin - leider - überzeugt davon, dass wir weltweit noch einige Wahlergebnisse sehen werden, die uns eben diese Notwendigkeit vor Augen führen.
Globale Migrationsströme unabhängig von der Krisen-Ursache wie Vertreibung, Krieg, Klima ...
Das Verlassen der Heimat ("Heimat ist, wo Liebe ist") verursacht immer Schmerz, Angst, Wut oder Trauer, wenn sie unfreiwillig stattfindet. Aber selbst wenn die Heimat freiwillig verlassen wird, weil ein neues Leben irgendwo in Aussicht steht, ist mit Unsicherheit und Furcht verbunden. Unsere hohe Aufmerksamkeit erhalten berechtigt die unfreiwillig Vertriebenen. Aber selbst dort sind wir sehr konservativ und reaktiv hinsichtlich der Fluchtursachen. Da hat schon etwas katastrophal Überraschendes zu passieren, dass uns der Schreck in die Knochen fährt und das Geldbörsel aufgeht. Naturkatastrophen, wie Erdbeben oder Flutwellen stehen da ganz oben auf der Aufmerksamkeitsskala, dann folgen Gewaltursachen wie Krieg und Ethnozid, oft nur über einen beschränkten Zeitraum und wenn sich das Unheil nur langsam anbahnt wie die Klima-Krise, werden wir erst bei Hungersnot aufmrksam. Diese reaktive Haltung gegenüber den Fluchtursachen lässt uns immer zu spät kommen. Der Hilfe, die dann absolut notwendig und dringend wird, geben wir dann noch den Heiligenschein der Mildtätigkeit.

Die Menschheit wächst freiwillig und unfreiwillig zu einer globalen Gemeinschaft zusammen. Wir erhalten uns den Schein der Unabhängigkeit der Nationalstaaten, erkennen aber gleichzeitig, dass deren Grenzen in vielen Fällen die Ursache für Flucht sind und nicht deren Lösung. Die im friedlichen Alltag geschmähte "internationale Gemeinschaft" (Wozu brauchen wir die EU? Wozu brauchen wir die UN?) muss im Krisenfall dann wieder herhalten und es wird nach "internationaler Hilfe" gerufen. Und die kommt dann, zumindest in der Wahrnehmung der einzelnen Betroffenen, zu spät und ist nicht ausreichend.

Jahrhunderte, vielleicht auch Jahrtausende lang konnten wir mehr oder weniger nichtsahnend so tun als bestünde Migration aus Einzelereignissen, die vielleicht manchmal plötzlich auftreten oder kumulieren und dann hohe Aufmerksamkeit erreichen. Doch mit der sich verschärfenden Klimakrise haben wir eine globale Frage gemeinschaftlich zu lösen. Wenn Indien die Grenzen dicht macht, um mehrere 10 Millionen Menschen aus Bangladesch daran zu hindern, vor dem steigenden Meeresspiegel des Indischen Ozean nach Norden zu fliehen, dann ist weder Indien noch Bangladesch "böse". Diese Staaten sind Betroffene der Auswirkungen eines im Wesentlichen von den Industriestaaten betriebenen Lebensstils. Auch die Fluchtursache Krieg hat viele ihrer Wurzeln in der Lebensweise der letzten Jahrhunderte in der nördlichen Hemisphäre.

Wenn wir bereit sind, unseren im Sand steckenden Kopf zu heben, und den inzwischen Dank Digitalisierung und globaler Informationsgesellschaft möglichen Blick über den gesamten Globus streifen zu lassen, dann fügen sich die vielen scheinbar getrennten Einzelereignisse zu einem Gesamtbild. Und dieses Gesamtbild zeigt uns, dass wir, um große weltweite Migrationsströme zu verhindern, auf die zu reagieren wir in ein paar Jahrzehnten nicht mehr in der Lage sein werden, heute handeln müssen, hierzulande ebenso wie anderswo. Spätestens jetzt in der Klimakrise müssen die letzte Hoffnung begraben, "dass dieser Kelch an uns vorüber zieht."
"Social" - neue Business Norm | Skalierung von sozialen Unternehmen
Gesellschaftliche Herausforderungen unternehmerisch lösen und dabei soziale Verantwortung in jeden Schritt der Wertschöpfungskette integrieren, das ist soziales Unternehmertum. Im Gegensatz zu klassischen NPOs, erwirtschaften soziale Unternehmen mit ihrem Tun Gewinne. 

Auf europäischer Ebene baut die Definition eines Sozialunternehmens auf drei Dimensionen auf:  •   Unternehmerische Dimension (bei der durch den Verkauf von Waren/Dienstleistungen auf dem Markt Einnahmen erwirtschaftet werden, unter anderem durch o?ffentliche Auftra?ge)  •   Soziale Dimension (die Verfolgung eines ausdru?cklichen sozialen Ziels und die Lieferung/Erbringung von sozial gepra?gten Produkten/Dienstleistungen)  •   Governance-Dimension (Rechenschaftspflicht, Teilhabe und Transparenz). 
In den letzten Jahren wurden mehr und mehr „Social Businesses“ gegründet (Deloitte, Forbes, Financial Times). Das Wachstum auf der ganzen Welt zeugt von der wachsenden Erkenntnis, dass Unternehmer*innen verantwortungsbewusst und gleichzeitig profitabel sein können. Jedes soziale Unternehmen hat eine besondere Finanzierungsstruktur, Eigentumsverhältnisse, Organisationsform und Geschäftsmodell. Jedoch gibt es nur eine Handvoll von Unternehmen, die ihre Wirkung auch skalieren können. 

Skalierung der sozialen Wirkung von Sozialunternehmen: Was bedeutet das? 

Skalierung definiert die Steigerung der sozialen Wirkung eines Sozialunternehmens, um der Nachfrage nach den betreffenden Produkten und/oder Dienstleistungen gerecht zu werden. Dabei steht die Steigerung der sozialen Wirkung im Mittelpunkt, nicht das proportionale Wachstum des Sozialunternehmens selbst. (Scale impact, not organizations.) 

Damit können oder müssen soziale Unternehmen meist anders skaliert werden, als das bei konventionellen Unternehmen der Fall ist. Sozialunternehmen sind mit Hindernissen für die Erreichung finanzieller Nachhaltigkeit sowie für die Schaffung von gesellschaftlichem Wert konfrontiert. 

Lösungswege zur Skalierung von Wirkung können einerseits das Erweitern des Produkt-/Serviceangebots sein (scaling up) oder andererseits das Erreichen von einer größeren Zielgruppe (scaling out). 

Erste Versuche wurden unternommen, um Barrieren zur Skalierung von sozial Unternehmen zu analysieren. Der gemeinsame Nenner ist, neben einer geringen Sichtbarkeit des Social Business Sektors und fehlende Netzwerken, bei allen Studien der Zugang zu Kapital. Soziale Unternehmen finanzieren sich im besten Fall vollständig durch Markteinnahmen (b2g, b2b, b2c). Zusätzlich Budget für das Wachstum aufzustellen gestaltet sich schwierig. Klassische Investor*innen haben soziale Unternehmen nicht auf ihrem Investmentradar, da Gewinn zu 100% ins Unternehmen rückinvestiert wird, bzw eine Skalierung im ersten Schritt die Wirkung steigert, aber nicht unbedingt die Einnahmen. 
Konkrete Lösungswege und politischen Maßnahmen wurden von der Europäischen Kommission gemeinsam mit der OECD im „Kurzdossier zur Skalierung der Wirkung von Sozialunternehmen - Strategien fu?r soziales Unternehmertum“ entwickelt. 

Unteranderem werden folgende politische Handlungsspielräume herausgestrichen: 
•   Schulung o?ffentlicher Bediensteter, Verringerung des Verwaltungsaufwands des Vergabeverfahrens fu?r o?ffentliche Auftra?ge (sofern möglich) und Einrichtung von zentralen Anlaufstellen, die sozialen Unternehmern alle relevanten Informationen bieten.  •   Sicherstellung der Verfu?gbarkeit einer breiten Palette geeigneter finanzieller Ressourcen und Instrumente, einschließlich hybrider Instrumente, die die unterschiedlichen Skalierungsbedu?rfnisse von Sozialunternehmen decken und ihre mittel- und langfristige Tragfa?higkeit und Nachhaltigkeit gewa?hrleisten.  •   Aufbau einer Unternehmenskultur und unternehmerischer Fa?higkeiten durch Bildung auf allen Ebenen, um langfristig positive Wirkungen zu erzielen.  •   Stimulierung des Wissensaustauschs zur Messung sozialer Wirkung unter sozialen Unternehmern, unter Geldgebern und zwischen sozialen Unternehmern und Geldgebern.  •   Fo?rderung einer Kultur der U?berwachung und Bewertung und Ermutigung von Sozialunternehmen, Kennzahlen fu?r soziale Wirkung schrittweise in ihre Organisationskultur einzubetten. 
Soziale Unternehmen haben das Potenzial innovative Lösungen für große Herausforderungen zu schaffen. Sie greifen dem Staat und der Gesellschaft unter die Arme und bauen eine Brücke zwischen klassischen NGOs und der Privatwirtschaft. Trotzdem gibt es nur eine Handvoll global agierender sozialer Unternehmen. 

Mein Aufruf ist dieses Potenzial zu nutzen. Sozial Unternehmen mit einer starken positiven Wirkung und einem klaren Business Model brauchen Unterstützung bei der Skalierung. Nach und nach wachsen spannende Lösungen, aber diese werden meist nur lokal, in kleinen Communities angewendet. Wir stehen vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Soziale Unternehmen können uns dabei helfen, diese zu lösen. Warum nutzen wir das Potential nicht? 
Vertrauensverlust in unsere Institutionen und in die Politik
Zuletzt wird vielfach beklagt, dass die Grundlagen unseres Verständnisses von Politik – liberale Demokratie, Rechtsstaat und Grundrechte – ins Rutschen geraten seien, dass immer mehr Menschen mit diesen Grundwerten bzw. Grundlagen (fundamentals) nichts anfangen können oder wollen und sich stattdessen den Vertretern der illiberalen Demokratie (copyright V. Orban) zu wenden. Dass sie das Vertrauen zu unseren Werten verloren hätten.
Vielleicht sollten wir etwas genauer hinsehen, um zumindest einen Hinweis zu bekommen, was da passiert sein könnte: Mein Schlüsselerlebnis war vor einigen Wochen die Lektüre der 1948 von den VN erfolgte Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Danach haben etwa alle Menschen, ohne Unterschied, etwa der Rasse, Hautfarbe, des Geschlechts, der Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz (Artikel 2 und 7 zusammengeführt). Es haben ebenfalls alle Menschen Anspruch auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit (Artikel 23 Abs. 2) oder ein Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihnen und ihren Familien eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert (Artikel 23 Abs 3). Zeigt unsere Alltagserfahrung solche Praxis?
Müssen wir nicht geradezu hoffen, dass nicht zu viele Menschen von dieser Erklärung der Menschenrechte Kenntnis haben? Würden sie nach Kenntnisnahme denn noch an unsere Grundwerte glauben können? Oder ist es verständlich, dass viele unsere Werte für hohl halten, wenn diese schönen „Rechte“ nach mehr als siebzig Jahren immer noch bloß Schall und Rauch sind? Diese angeblichen Rechte liefern nicht. Und sie verdienen daher auch kein Vertrauen. Oder?
Wir alle haben jedenfalls zu wenig oder eben auch nichts getan, um sie zu echten Rechten zu machen, auf die man vertrauen kann.
Und genauso verhält es sich auch mit vielen Versprechen der Politik – man denke derzeit bloß an all die schönen und angeblich verbindlichen Aussagen der Politik zum Thema Nachhaltigkeit oder Klimaschutz. Ist da nicht schon Präsident Trump glaubwürdiger, wenn er einseitig aus dem Pariser Abkommen aussteigt?
Was tun? Zivilgesellschaftliches Engagement für die Verwirklichung der Ansprüche, die bisher bloß schöne Worte sind. Messen wir auch die Politik am Anspruch der Wahrhaftigkeit, die erst Glaubwürdigkeit erzeugt. Stehen wir nicht auf, um mit einem Schlag die Welt zu verbessern. Aberv treten wir in unserer unmittelbaren Lebensumgebung zumindest für die Umsetzung eines dieser Rechte, eines der vielen Versprechen ein. Und: vielleicht wäre es auch in Österreich sehr hilfreich, wenn wir bzw. unsere Vertreter im Parlament dort, wo sie selbst nicht mehr können, als versprechen, nach dem Losverfahren bestimmte Bürgerräte (vgl. irisches Beispiel) einsetzten, die Expertise, Zeit und Verdienstausfall bekämen, um konkrete Vorschläge  zu erarbeiten, die aus angeblichen Ansprüchen umsetzbare Rechte machen.
Vertrauen verdienen unsere Grundwerte erst wieder, wenn sie liefern, wenn Rechte durchsetzbar sind – für alle, unabhängig von….
Hinterfragung des Technologieparadigmas & Lücke zw. Wissen und Handeln
Durch technische Veränderungen (mit-)verursachten Umweltproblemen wird oft mit technischen Lösungen begegnet, die wiederum neue Umweltprobleme hervorrufen können. Etwa seit der Jahrtausendwende, gehäuft jedoch in den letzten Jahren, beschäftigen sich zahlreiche Arbeiten mit der Gestaltung von Veränderungsprozessen, Transformation und Transition, z.B. Arbeiten zur Transformation der Energiesysteme, Transformation und Ernährung, Transformation und Mobilität,...

Lücke zwischen ökologischem Wissen und Handeln:
Im Rahmen der Umweltethik beschäftigen sich eine Reihe von Arbeiten mit der Bereitschaft zu ökologischem Handeln bzw. Verhaltensänderung und dem Widerspruch zwischen ökologischem Bewusstsein und ökologischem Handeln. Besonders um die Jahrtausendwende wurde dazu in den Bereichen Gesellschaftstheorie, Motivationskonzept, Handlungstheorie und Verantwortungsethik nach Antworten gesucht.
•   Akzeptanz von umweltpolitischen Maßnahmen: Im Bereich der Umweltethik werden auf verschiedenen Ebenen Antworten für das Akzeptanzproblem gesucht. Ein Teil der Arbeiten zu diesem Thema beschäftigt sich mit der Hypothese „vermehrte Akzeptanz durch faire Verteilung (von Ressourcen, Kosten, Lasten)“, eine weiterer mit dem Ansatz „Akzeptanz durch Ästhetik“ (z.B. Ästhetik erneuerbarer Energiesysteme) und ein dritter mit „Akzeptanz durch gerechte Entscheidungsprozesse“. Besonders Arbeiten im Bereich Governance beschäftigen sich mit der Rolle partizipativer Prozesse in Hinblick auf gesellschaftliche Steuerung. •   Nexus von Umwelt- und Sozialpolitik: „Umweltbezogene“ sind von „sozialen“ Themen künftig nicht mehr zu trennen. Menschen sind von Umweltproblemen verschieden betroffen. So sind z.B. Vulnerabilität durch den Klimawandel, der Zugang zu natürlichen Ressourcen und zu Mobilität abhängig von Faktoren wie Einkommen, Alter, Ethnizität, Lebensform, Geschlecht, Wohnort im „globalen „Norden“ oder „Süden“. Umweltschutzmaßnahmen bzw. Transformationsprozesse haben soziale Auswirkungen (z.B. Schaffung oder Verlagerung von Arbeitsplätzen, öffentliches Verkehrssystem) und müssen gruppenspezifisch verschieden gestaltet werden um Akzeptanz zu finden (z.B. genderspezifischer Umwelt- und Naturschutz, Naturerleben bildungsferner Schichten). Gesamtgesellschaftliche Transformationsprozesse wie die Energiewende sind schon länger nicht nur Thema der Organisationen im Umweltbereich, sondern zunehmend auch von Organisationen mit sozialen Anliegen. Eine Analyse des Umweltbundesamtes ergab, dass v.a. in den letzten 5 Jahren vermehrt Studien zu „Verfahrens- und Verteilungsgerechtigkeit“ und „Gutes Leben“ gibt, die einen Nexus von Umwelt- und Sozialpolitik nahelegen – inhaltlich und in der Governance (Kooperation und neue Allianzen von Akteuren aus dem Umwelt- und Sozialbereich). Der Stand der Wissenschaft ist der politischen Praxis hier also deutlich voraus. •   Unter dem Gesichtspunkt, dass der Verlust an bilogischer Vielfalt und damit die enorme Reduktion an genetischem Potetial, der Klimawandel und die Nutzung von Ressourcen as Rohstoffe ür die Produktion sowohl als Umweltfaktor direkt (Wegfall der Ernährungsgrundlagen) und indirekt (Knflikt und Kriege um Ressourcen) zu einem der Hauptursachen für Migration werden könnte und gesellschaftliche Verwerfungen induziert, erscheint es umso wichtiger, Themen wie Biodiversität, Klimamigration, Ressourcen-Verteilung und Demokratie/Governance weitergehend zu bearbeiten. •   Der Aspekt der Gerechtigkeit hat einen weltweiten Wirkungsanspruch, die Auswirkungen der Globalisierung auf Schwellen- und Entwicklungsländer wird zunehmend thematisiert werden. •   Das Thema intergenerationelle Gerechtigkeit wird ein immer zentralerer Aspekt des Nachhaltigkeitsprinzips werden.
weitere (Unter)Themen dafür sind: •   From linear to circular economy/ collaborative economy •   ecosystem resilience •   Sustainable bioeconomy strategy not only reducing dependency on fossile fuels but compatible with SDGs, so that bioeconomy transitions bekome integral part of an overall sustainability transition. •   Transition towards a largely decentralised power system based on renewables
2. Was sind deiner Einschätzung nach die konkreten Hintergründe und erkennbaren Wechselwirkungen hinter diesen Themen?
Veränderungen in der Umwelt lösen gesellschaftliche Verwerfungen aus, das hat sich schon mehrfach in der Geschichte gezeigt.
3. Welche Maßnahmen sollten im Hinblick auf diese Entwicklungen schon jetzt gesetzt werden?
•    Green Economy --> Unterstützung der wirtschaftlichen Transformation zur Carbon-neutral Economy Collaborative Economy and Mobility: Sharing Economy, Repair Economy, Prosumation, Subsidiarität/ Regionalität, wirtschaftliche Resilienzmodelle, Gemeinwohl-Ökonomie
•    Eco-Design, Include transboundary value-chains
•   Consideration of climate change-related risks and opportunities in financial management
•    Bridge the mind to market gap: „Solve different“/ Rahmenbedingungen für innovation v.a. im technischen Bereich
•    Link biodiv to climate change: most challenging threat whilst key for effective climate change mitigation and adaptation
•   Strengthening coherence between renewable energy, biomass and biodiversity policy
•    Strategisches Wasser – und Flächenmanagement
•   Transition towards a largely decentralised power system based on renewables will require a smarter and flexible system
Religion und Politik
Religion ist eigentlich laufend Thema in politischen und medialen Debatten. Es wird über den Islam geschrieben, es wird von christlichen Werten und christlich geprägter Kultur gesprochen (oder gar von christlich-jüdischer Kultur - wobei eigentlich nie geklärt wird, was jetzt eigentlich "jüdisch" daran sei). Es gibt auch "Dialoge" zwischen Politik und Religionsgesellschaften. Gleichzeitig wird der säkulare Staat/Säkularität betont.

Die allermeisten dieser Debatten bleiben jedoch sehr oberflächlich. Die Grundproblematik, das Wissen über Religionen und religiöses Wissen in der Gesellschaft sehr gering sind, wird nicht angesprochen. Ebenso entzieht man sich einer reflektierten und kritischen Auseinandersetzung mit den angesprochenen Punkten. Das betrifft ebenso die Religionsgemeinschaften. Hier haben wir zwar bei den christlichen Konfessionen ungefähre Zahlen über die Mitglieder, sie fehlen uns jedoch bei islamischen Gruppen und beim Judentum. Die schätzungsweise erhobenen Zahlen der "praktizierenden" Gläubigen deuten auf einen stetigen Rückgang hin. Das hat zweifache Auswirkungen: Die konkrete Begegnung und Auseinandersetzung mit Religion(en) geht gesamtgesellschaftlich ebenso zurück. Die Gruppe der "Praktizierenden" verändert sich so, dass dort (a) immer mehr gefordert sein können, über ihren Glauben Rechenschaft abzulegen, und dass (b) aufgrund der Zahlen und der institutionellen und ökonomischen Verhältnisse erschwerte Bedingungen gegeben sind, um die "Praktizierenden" auf diese Herausforderungen vorzubereiten. Insgesamt besteht damit das Risiko, Kommunikationswege und Kommunikationskompetenz zwischen Religionen, Politik und Gesellschaft zu verlieren. Damit steigt auch das Risiko, dass sich Konflikte über Religion verschärfen.

Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Religionen selbst und auf das Verhältnis zwischen Staat und Religionen. Es kann sich auch massiv auf das Verständnis der kulturellen und historischen Grundlagen und Entwicklungsmöglichkeiten in unserer Gesellschaft und in unserem Staat auswirken.

Alle Handlungsoptionen in diesem Bereich sind, wie wir momentan schon in der Islampolitik sehen können, mit dem Risiko der Einschränkung von Religionsfreiheit und einem, im säkularen Staat eigentlich ausgeschlossenem, Deutungsanspruch des Staats über Religionen konfrontiert. Um damit umzugehen, braucht es den Anspruch an Bildung und Gesprächsbereitschaft und die Offenheit zum Gespräch bei allen Beteiligten. Es gibt (noch) Menschen und Gruppen, die hier beispielgebend sind. Sie werden aber zunehmend (durch politische und mediale Diskurse - z.B. Islam, Karfreitag etc) enttäuscht.
Oeffentlichkeit, sozialer Fortschritt, Transdisziplinaritaet, Demografie
1. Welches sind aus Ihrer Sicht Themen, über die in den Medien derzeit noch kaum berichtet wird, die aber so wichtig oder so drängend sind, dass sie in den nächsten fünf Jahren zwangsläufig öffentlich diskutiert werden? Gibt es Ihrer Meinung nach Themen, die derzeit noch nicht auf der politischen Agenda stehen, welche aber aufgrund ihrer Wichtigkeit dort bereits behandelt werden sollten?

Liberale Öffentlichkeit gegen Autoritarismus, Qualität der politischen Diskurse, deliberative Demokratie, Stärkung lokaler Gemeinschaften: Die Gefahren der Untergrabung der Demokratie haben sich rasch gezeigt, heute wird die politische Polarisierung durch populistische Bewegungen als gefährliche Entwicklung gesehen (dies hat die Alternative Konkordanz-Konkurrenz-Demokratie, in der Österreich noch verfangen ist, abgelöst), dies wurde immer wieder seitens der FPÖ mit Hinweisen auf die I.Republik herangezogen (auch die Polizeipferde sind eine derartige Anspielung, was aber nicht thematisiert wurde). Es gibt eine rhetorische Ablehnung der „illiberalen“ Demokratie, aber es gibt unzureichende Bilder der Demokratie, die es zu verteidigen bzw. zu entwickeln gilt. Der Liberalismus hat keine Tradition, und wird tendenziell mit dem Neoliberalismus identifziert, und eher bekämpft als offensiv verteidigt. In der Zeit des groß-koalitionären „Stillstandes“ wurde auch in der Qualitätspresse unentwegt nach dem endlichen Durchgreifen der Regierung gerufen, und de facto eine autoritäre Position eingenommen. Motto: jede(r) weiß was zu tun ist, warum tun sie das nicht endlich? All die Vereinfachungen auf Ein-Seiten-Papiere und Minuten-Statements wurde von allen Seiten mitgespielt, die Leute wollen/verstehen keine komplizierten Debatten, es muss endlich gehandelt werden… Die rechtspopulistische Regierung hat diesen Forderungen entsprechend gehandelt (message control, etc.), und davon auch ihre Popularität bezogen – da wurde doch gesehen, wie rasch die demokratischen Strukturen in Schwierigkeiten kommen können (H.Brandstätter).
Die immer wieder zitierten Levitsky/Ziblatt haben eine Checkliste für autoritär gefährdete PolitkerInnen vorgeschlagen, die jedoch in der Öffentlichkeit nicht wirklich zur Kenntnis genommen und angewandt wurde. Die repräsentative Demokratie wird in verschiedenen Lagern der partizipativen Demokratie gegenüber gestellt, und die Konzepte der deliberativen Demokratie werden nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Demokratie und Öffentlichkeit werden v.a. im Hinblick auf die technische Handhabbarkeit diskutiert, und weniger auf die Möglichkeiten ernsthafter inhaltlicher Deliberation. Ein Beispiel ist das Mehrheitswahlrecht als „Lösung“ für die Demokratie, das auch von ernsthaften Initiativen vorgeschlagen wurde. Die Gestaltung der Governance-Strukturen wird hauptsächlich auf technische Fragen hin diskutiert, die grundlegende Rolle der Gemeinden als Feld der deliberativen Demokratie wird nicht entsprechend wahrgenommen. Politische Kommunikation ist in Marketing und Public Relations transformiert worden. Zu den Fragen der Öffentlichkeit ist immer noch das Echo der alten Lippman-Diskurse präsent, demzufolge der Öffentlichkeit keine wirklichen inhaltlichen Diskurse zumutbar wären.
Themen, die hier wichtig wären und diskutiert werden sollten
-Konstitution und Rolle der Eliten. Es wird deren Abgehobenheit als Ursache für den Populismus gesehen, aber es gibt keine „positive“ Diskussion über ihre Rolle, Ausgestaltung, Erziehung etc. (E.Anderson)
-Ein Element der Abgehobenheit ist global gesehen die exorbitante Ungleichheit, die v.a. zwischen den Eliten und dem Rest explodiert ist, Stichwort 99% vs. 1% (M.Savage). Dies wird in alle möglichen Wettbewerbsfragen eingebunden, eine ernsthafte Verantwortung der 1% für die Benachteiligten im Sinne eines integrierten Gemeinwesens wird kaum ernsthaft in Erwägung gezogen.
-Wie kann deliberative Demokratie als Untermauerung der repräsentativen Demokratie entwickelt werden? Welche Rolle kann die Zivilgesellschaft dabei spielen?

Sozialer Fortschritt, (Gegen)-Transformation, Postkapitalismus: Was kommt nach der Postmoderne, nach der Durchsetzung des Kapitalismus auch in der Nachfolge der gescheiterten „sozialistischen“ Modelle, nach der gegenwärtigen Disruptionskultur und Monopoliiserungswelle? Was kommt nach der Hegemonie des „Economic Man“ der Durchsetzung der der kurzfristigen rationalen Wahl zwischen Geschmacksgütern? Was kommt nach der Postdemokratie, der Kaperung der Demokratie durch mächtige und reiche Spieler?
Gibt es denkmögliche Modelle, die den Kapitalismus mit seiner durch die globalen Monopole über formten dominierenden Marktrationalität und -ideologie transzendieren, aber seine Stärken behalten können? Welche Rolle kann die Digitalisierung dabei spielen? Gibt es eine sozial und ökologisch verträgliche Marktwirtschaft ohne dass sich diese zur Marktgesellschaft überhöht? Gibt es vielleicht einen „vierten Weg“ der Nachhaltigkeit, nach dem Scheitern des dritten Weges durch die neoliberale Aufsaugung und Inhaltsentleerung der Sozialdemokratie? Nach allen „Post-Diskursen“ (und der Zerstörung der öffentlichen Post), wie sieht es mit einem Post-Kapitalismus aus? Gibt es eine Post-Risikogesellschaft, die einen neuen Umgang mit den technologischen Risiken des Anthropozän und Kapitalozän geschafft hat? Was sagt uns der „Dieselskandal“ über kapitalistische Monopolunternehmen, die nach wie vor eine Leitindustrie repräsentieren, was sagt uns der Sieg der SUVs über den „Smart“ zur Marktrationalität und zu ihrem Potential gegen die Klimaprobleme? Welche Potentiale stecken in einem Ernst Nehmen der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs)?
Welche Themen sind für die Diskussion über sozialen Fortschritt von Bedeutung und sollten daher eingehend diskutiert werden?
-Grenzen des Marktes und der kapitalistischen Monopolisierung (IPSP-International Panel on Social Progress, E.Anderson), Aufklärung der widersprüchlichen Wettbewerbsbilder und –Rhetoriken
-Re-Etablierung von Gemeinwohl gegenüber der kurzfristigen Marktrationalität, auch Gemeinwirtschaft–„Commons“, vor allem in Kontext der Digitalisierung, ändert die Grenzenlosigkeit der Digitalisierung die „Tragedy of the Commons“? Ist das Prinzip gemeinschaftlichen Eigentums in der Digitalisierung effizienter als die kapitalistischen Eigentumsrechte (Y.Benkler)?
-Kosmopolitanismus (U.Beck), welche Akteure und Bewegungen können die Globalisierung (Weltgesellschaft) in sozial verträgliche Bahnen lenken? wie ist die zunehmende Schere zwischen Weltgesellschaft und nationalstaatlich verfassten Gesellschaftsbildern und politischen Strukturen aufzulösen?
-Wachstum-Verteilung-Globalisierung. Was hat sich mit der Krise 2008 geändert, gibt es tatsächlich Anzeichen für grundlegende Änderungen in der Ökonomie? Es gibt die Befürchtung, dass Europa in eine jahrelange Stagnation nach dem Japanischen Beispiel fallen könnte, was würde das bedeuten?
Werden diese ausreichend ins Zentrum der öffentlichen Diskurse gestellt? Alles nicht neu, aber die Konzepte „schlummern“ und werden nicht offensiv aufgegriffen

Transdisziplinarität in der Wissensproduktion (H.Nowotny u.a.), digitale Geisteswissenschaften, 3rd Mission der Universitäten, Überwindung der „drei Kulturen“: gesellschaftliche Einbindung, Nutzung und gesellschaftliches Engagement der Institutionen der Wissensproduktion, v.a. der Universitäten, Alternativen zum „akademischen Kapitalismus“, Überwindung des dominierenden technokratischen Modells in der Wissensproduktion und -nutzung zugunsten eines gesellschaftlich kontrollierten Modells, Wissensproduktion als Labor für Kosmopolitanismus anstelle des schrankenlosen Wettbewerbs im akademischen Kapitalismus?

Demografische Veränderungen: Älter werden, weniger Nachkommen, Ausgleich durch Zuwanderung. Hier gibt es eklatante Formen der „Realitätsverweigerung“ in den politischen Prozessen. Diese Veränderungen sind in hohem Maße erfassbar und vorhersehbar, davon wird jedoch nicht ernsthaft Gebrauch gemacht, dafür gibt es viele Beispiele. Damit wird paradoxerweise die Unsicherheit in Themen verschärft, wo sie nicht in dem Ausmaß nötig ist. Ein Beispiel ist die Frage des „Fachkräftemangels“. Dieser wurde rechtzeitig vorausgesehen, aber es wurden keine entsprechenden Maßnahmen gesetzt. Auch kann man bereits nachvollziehen, dass das mittlerweile geflügelte Wort vom „War on Talent“ bereits vom Ursprung her auf die absehbaren langfristigen demografischen Probleme gemünzt war.

2. Was sind Ihrer Einschätzung nach die konkreten Hintergründe und erkennbaren Wechselwirkungen hinter diesen Themen?

Die drei angesprochenen Themen hängen offensichtlich zusammen und bedingen sich gegenseitig.

3. Welche Maßnahmen sollten im Hinblick auf diese Entwicklungen schon jetzt gesetzt werden?

Einfache Maßnahmen gibt es nicht. Es müssen die vorhandenen Diskurse zur Kenntnis genommen und geführt werden. Es muss vorhandenes Wissen gesichtet und genützt werden, um die Polarisierungen zu bekämpfen und Deliberation herzustellen.


Lorenz Lassnigg (lassnigg@ihs.ac.at)
Den Gegensatz zwischen Umwelt und Wirtschaft aufheben!
1. Umfassende Nachhaltigkeit – ein immer noch vernachlässigtes Thema

Im September 2015 wurde mit der „Agenda 2030“ so etwas wie ein Welt-Regierungsprogramm entwickelt, zu dem sich alle Mitgliedsstaaten der UNO verpflichtet haben. Ihr Kern ist dieProklamierung der so genannte globalen Nachhaltigkeitsziele („Sustainable Development Goals“, kurz – SDGs). Ihr übergeordnetes Ziel formuliert: “Leave no one behind“. Auch Österreich hat sich damit verpflichtet, seinen Beitrag zur Erreichung der SDGs zu leisten und wird 2020 erstmals in New York beim „High Level Political Forum“ über den Stand der Erreichung dieser Ziele berichten. 

Dabei wird das allgemeine Ziel der Nachhaltigkeit auf 17 Ziele und 169 Unterziele heruntergebrochen, deren Umsetzung sich auf recht konkrete Handlungsanleitungen für die Vermeidung von Armut und Hunger, über Arbeit und Wachstum, den Klimaschutz bis hin zum Weltfrieden aufspannen lässt. 
Obwohl diese Ziele fast alles formulieren, was in einem Gemeinwesen gut und wichtig ist, und obwohl sowohl zivilgesellschaftlich als auch wissenschaftlich intensiv an Optionen zu deren Umsetzung gearbeitet wird, wird die Agenda 2030 sowohl politisch wie auch medial recht stiefmütterlich behandelt.

2. Worum es geht

Wissenschaftlich wie politisch spannend ist die Agenda 2030 vor allem deswegen, weil sie dazu zwingt, aus ihrem eignen „Silo“ hinaus zu denken und mit Menschen aus anderen Fach-Bereichen zusammen zu arbeiten, um auf die Zusammenhänge zu schauen, die zwischen den 169 Unterzielen entstehen. 
Nur ein Beispiel:schauen wir auf den vor allem politisch immer wieder konfliktären Zusammenhang zwischen Klimaschutz (SDG13) und Arbeit/Wachstum (SDG8): 
Wir haben am Sustainable Europe Research Institute in den letzten 20 Jahren wiederholt Szenarien erarbeitet und berechnet, zuletzt in dem vom österr. Klimafonds geförderten Projekt „meetPASS“. Dabei hat sich immer wieder gezeigt, dass die für eine echte Transformation erforderlichen Maßnahmen jedenfalls Wachstum ermöglichen und gleichzeitig die Erreichung der Pariser Klimaziele.

Die von uns vorgeschlagenen und untersuchten Maßnahmen und Verhaltensanpassungen entsprechen in etwa dem, was im Sommer 2019 im Referenzplan der österreichischen Klimaforscher gefordert wird, um den notwendigen Wandel herbeizuführen. Die Berechnungen unserer Kollegen von der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) in Osnabrück zeigen, dass dadurch die CO2-Emissionen global um 73 %, pro Kopf sogar um 78 % auf 1 Tonne im Jahr 2050 sinken könnten. Die kumulierten, weltweiten CO2-Emissionen über die Periode 2017-2050 ließen sich demnach – rasche und weitreichende Veränderungen des Handelns vorausgesetzt – auf rund 650 Gt begrenzen.
Um diese Maßnahmen umsetzen zu können, sind zusätzliche Investitionen nötig, die bis zum Jahr 2050 bis zu zehn Milliarden Euro pro Jahr betragen. Und klar ist auch: ohne sozial-ökologische Steuerreform geht es nicht!

3. Wirtschaft und Umwelt gehören zusammen

Die im meetPASS-Szenario für Österreich vorgesehenen Maßnahmen sind geeignet, die CO2-Emissionen bis 2050 auf 12 Mio. t zu reduzieren, was einem Einspareffekt von 47 Mio. t oder knapp unter 80% bedeutet. Österreich kann so seinen Beitrag zur Erreichung der globalen Klimaschutzziele erreichen (SDG 13.2).
Die österreichische Wirtschaft (SDG 8) befindet sich in diesem Szenario weiterhin auf einem Wachstumspfad, der im Vergleich zu einem Szenario ohne zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen (Business as usual – BAU – Szenario) bis zu 3 % bzw. 10 Mrd. Euro höher ist. Dieser beruht vor allem auf umfangreichen Investitionen in die Umstrukturierung des Energiesystems, in die Verbesserung der Energie- und Ressourceneffizienz und in den Transportsektor. Gedämpft wird das Wirtschaftswachstum durch ein schwächeres Exportwachstum, da sich der Welthandel weniger dynamisch entwickelt. Da die Importe nach wie vor niedriger sind, bleibt der Außenbeitrag Österreichs positiv.

Die positive Wirtschaftsentwicklung wirkt sich auch vorteilhaft auf die Beschäftigung (Indikator für SDG Target 8.2) aus. Zugleich ändert sich die Beschäftigungsstruktur (Indikator für SDG Target 8.1): Während die Zahl der Erwerbstätigen im verarbeitenden Gewerbe generell weniger stark wächst, als im „Weiter wie bisher“-Szenario, erhöht sie sich in den Dienstleistungsbereichen stärker. Einzelne Branchen des verarbeitenden Gewerbes wie der Maschinenbau und der Elektroindustrie profitieren von den höheren Investitionen wie auch das Bauwesen durch stärkere Sanierungsaktivitäten im Gebäudesektor. Während mehr Jobs im Bereich erneuerbarer Energie entstehen, geht deren Anzahl in energieintensiven Branchen (z. B. in der Kokerei und mineralölverarbeitenden Industrie) zurück.
http://meetpass.at/publik... http://meetpass.at/publik...
1) Die Kosten der Folgen des Klimawandels betragen aktuell b...
1) Die Kosten der Folgen des Klimawandels betragen aktuell bereits mindestens 1 Mrd. € pro Jahr-konservativ in der Studie COIN gerechnet, da noch bei weitem nicht alle Folgen monetär gemessen werden können. Dieser Betrag wird sich bis 2050 bis auf 8 Mrd. € pro Jahr steigern, wahrscheinlich wird der Betrag um ein Vielfaches höher sein. Die Volkswirtschaft wird dadurch massiv belastet, abgesehen von den anderen direkten Folgen auf zahlreiche Sektoren unserer Wirtschaft (Tourismus, Land- und Forstwirtschaft, Infrastruktur etc.)
2) Durch die Folgen des Klimawandels wird in der Folge auch die Produktivität vieler Sektorten unserer Volkswirtschaft belastet, wie z.B. ein Rückgang im Tourismus oder die bereits auftretenden massiven Schäden in der Forstwirtschaft durch z.B. den Borkenkäfer.
3) Als Entscheidnungsgrundlage für die Politk wäre dringend die Herstellung der Kostenwahrheit angebracht, Einpreisung der Folgeschäden in die Budgetplanung. Es würde sehr deutlich werden, dass offensiver Klimaschutz, das Nutzen der Chancen der Energie- und Mobilitätswende für die heimische Wirtschaft und eine dementsprechnende Investitionsoffensive auch die wirtschaftlich klügste Variante wäre - abgesehen von unsern Verpflichtungen gemäß des Klimavertrags von Paris.
Um die heftigsten und nicht mehr umkehrbaren Auswirkungen des Klimawandels möglichst gut abfedern zu können und damit den Wohlstand aufrecht  erhalten zu können, sind Anpassungsmaßnahmen in den betroffenen Sektoren der Volkswirtschaft offensiv durchzuführen - Modelle dafür werden bereits in den 44 Klimawandel-Anpassungsmodellregionen des Klimafonds in ganz Österreich umgesetzt.
Politische Kommunikation
Mit dem Internet hat sich die politische Kommunikation verändert. Massenmedien verlieren immer mehr ihre Kernfunktionen (Agenda Setting, Gatekeeping), Parteien haben ihre eigenen Newsrooms eingerichtet (Message Control), Bürgerinnen und Bürger dringen leichter in die politische Öffentlichkeit vor und Social Bots suggerieren Mehrheitsmeinungen. Politische Online-Kommunikation orientiert sich verstärkt an Likes und gegenseitigen Diffamierungen. Die Qualität und die teils notwendige Komplexität der Diskurse weichen nicht selten einer auf Emotionen abzielenden politischen Kommunikation. Sach- und lösungsorientierte Politik gerät in den Hintergrund; Populismus und populistische (Angst-)Kommunikation werden belohnt.

Dieser kurze Problemaufriss zeigt, dass uns das breite Thema politische Online-Kommunikation noch längere Zeit beschäftigen wird. Wir müssen uns überlegen, welche Rahmenbedingungen für politische Internetkommunikation notwendig sind, um letztlich demokratische Entscheidungsprozesse transparenter, offener und qualitätsvoller zu gestalten. Dazu erachte ich es als notwendig, die einzelnen Akteure hinsichtlich ihrer Aufgaben im politischen System sowie deren Herausforderungen durch das Internet einer Analyse zu unterziehen und daraus konkrete Lösungsvorschläge abzuleiten. Vorstellbar wäre ein Weißbuch für politische Kommunikation.

Überlegungen:
- Medien: Förderung von Qualitätsjournalismus, Unabhängigkeit, Beruf Journalist
- Politische Akteure: Commitments, Transparenz, Responsivität, pol. Verantwortung
- Ministerien / Parlament: Transparenz, Informationsbereitstellung und -aufbereitung
- Bevölkerung: (kommunikative) Partizipation, politische Bildung
- Social Media Unternehmen: rechtliche Rahmenbedingungen, Abhängigkeit, Alternativen? 
Macht und Allmachtsphantasien von Google & Co
1. Welches sind aus Ihrer Sicht Themen, über die in den Medien derzeit noch kaum berichtet wird, die aber so wichtig oder so drängend sind, dass sie in den nächsten fünf Jahren zwangsläufig öffentlich diskutiert werden? Gibt es Ihrer Meinung nach Themen, die derzeit noch nicht auf der politischen Agenda stehen, welche aber aufgrund ihrer Wichtigkeit dort bereits behandelt werden sollten?

Die gesellschaftspolitische Macht und Allmachtsphantasien von Google, Amazon, Facebook,… die auch durch KI z.B. automatisiertes Fahren etc. massiv wachsen wird. Und die Möglichkeiten zur Regulierung, inwieweit sie in unsere Welt und unser Weltbild bis hin zu unserem Konsumverhalten eingreifen dürfen.

2. Was sind Ihrer Einschätzung nach die konkreten Hintergründe und erkennbaren Wechselwirkungen hinter diesen Themen?

Die Macht dieser Konzerne wird unterschätzt, bzw. ist käuflich. Menschliches wird zu handelbarer Ware. Und die Konzerne wenden sehr viele Ressourcen auf, um noch viel, viel mehr Menschen zu erreichen. Auch wenn E. Snowdens Enthüllungen kurz ein Schock waren, sind diese Konzerne heute viel weiter. Und wissen selbst über unseren Lebenspartner mehr als wir… Bzw. können glaubhaft vermitteln, mehr zu wissen, auch wenn es in Einzelfällen nicht stimmen mag. Dieser einzelne, dessen Wahrheit gegebenenfalls als irrelevant betrachtet wird…. z.B. bei datengesteuerter Strafverfolgung wird er/sie dann als Kolateralschaden in Kauf genommen.
Für manche Länder, in Europa, Südamerika, in Afrika wird Chinas datengesteuerte Machtausübung zum Vorbild werden, weil es Probleme effizienter lösen kann.

3. Welche Maßnahmen sollten im Hinblick auf diese Entwicklungen schon jetzt gesetzt werden?

Zumindest Eu-weite Regulatoren, getragen von einem breiten gesellschaftlichen Diskurs, was möglich ist, was bald möglich sein wird und was wir davon wollen.
Eine neue Welle der Aufklärung ist notwendig - in der auch Wissenschaft(lichkeit) genauer Position beziehen muss. Wird Unparteilichkeit möglich sein, bzw. wird man das Wissenschaftsdisziplinen und v.a. Technikdisziplinen zugestehen?
A la long braucht es eine Erweiterung der Menschenrechtsdeklaration, die Menschenwürde weit über Konsumentenrechte hinaus definiert.
neue Kommunikationsformen und ihre Folgen
Eine besorgniserregende Tendenz sehe ich in der Veränderung, die die permanente Präsenz von social media und dem Netz generell verursachen. Untersuchungen zeigen, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen sinkt, wenn sie sich intensiv und lang andauernd mit social media oder mit den großen Plattformen beschäftigen. Es entwickelt sich ein Leseverhalten, das sich nur mehr auf Bilder und Überschriften fokussiert und wenig Reflexion zulässt.

Mit einer geringen Aufmerksamkeitsspanne ist es kaum möglich sich mit der Komplexität der anstehenden Fragen in unserer Welt zu beschäftigen. Eine angemessene und durchsetzbare Lösung in der Klima-Politik zu finden erfordert jedoch gerade dieses.

Die Kommunikation über social media hat zudem zu einer enormen Beschleunigung der Kommunikation geführt. Die Zeit, eine Quell-Analyse vorzunehmen um den Wahrheitsgehalt einer Nachricht zu prüfen, wird immer kürzer. Das gibt Verschwörungstheorien und ähnlichem einen starken Aufschwung. Impfgegner, flat-earth-groups, Kreationisten etc. erreichen mittlerweile große Kreise die sie beeinflussen oder zumindest Zweifel an allem und jedem säen. Die daraus resultierende Unsicherheit macht Menschen anfällig für Populisten, die einfache Schuldfragen stellen und simple Lösungen propagieren.

Bisher ist es nicht gelungen, dagegen eine valide Strategie zu entwickeln. Diese hielte ich aber für sehr notwendig.
Verhaltensökonomischen Revolution
1. Welches sind aus deiner Sicht Themen, über die in den Medien derzeit noch kaum berichtet wird, die aber so wichtig oder so drängend sind, dass sie in den nächsten fünf Jahren zwangsläufig öffentlich diskutiert werden? Gibt es deiner Meinung nach Themen, die derzeit noch nicht auf der politischen Agenda stehen, welche aber aufgrund ihrer Wichtigkeit dort bereits behandelt werden sollten?

Ein wichtiges, unterbelichtetes Thema mit weiterem Potenzial wäre es, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der sogenannten „Verhaltensökonomischen Revolution“ zu nutzen, um die Verwaltung zu modernisieren und die politischen Zielsetzungen bürgernäher und effizienter zu erreichen. Mit dem Nobelpreis 2017 für Richard Thaler und 2019 für die Feldexperimente von Esther Duflo ist die Politik nun endlich in der Moderne angekommen. Es zählt nicht mehr nur, was der Wähler will oder was die Verwaltung als gegeben annimmt, sondern viel mehr was die Evidenz tatsächlich hergibt. Genauso wie Unternehmen seit Jahrzehnten nur dann bestehen können, wenn sie nahe am Kunden agieren, so kann die Politik in Zukunft auch nur dann wirksam sein, wenn sie die Menschen besser kennenlernt. Der Weg für diese „verhaltensökonomische Revolution“ in der Politik wurde bereits 2002 mit dem Nobelpreis an Daniel Kahneman und seiner Grundlagen der Verhaltensökonomik eingeleitet und vor zwei Jahren mit dem Nobelpreis an Richard Thaler für seine konkrete Anwendung in der Politik in Form von „Nudges“ (englisch für „stupsen“) bestätigt.

Es geht darum, zu verstehen, dass der Mensch ständig Entscheidungen trifft. Doch diese Entscheidungen sind nicht immer rational, nicht in jedem Kontext gleich und schon gar nicht so, wie sie die Politik glaubt vorherzusehen. Die klassischen Instrumente der Politik wie Gebote, Verbote, Normen, Regulierungen oder Staatsausgaben mit der Gießkanne werden bis heute eher für einen fiktiven Einheitsmenschen konzipiert, der de facto mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat. Die Folgen sind ein teurer Vollzug, ein Auswuchs an Bürokratie und frustrierte Bürgerinnen und Bürger, weil ihre Steuergelder nicht zielgerichtet eingesetzt werden.

Am Institut für Höhere Studien (IHS) wurde ein neues Kompetenzzentrum geschaffen, welches nun diese neuen verhaltensökonomischen Instrumente in der österreichischen Verwaltung und Gesetzgebung einführen soll. „Insight Austria“ ist eine von zahlreichen weltweiten „Nudge-Units“, die den jeweiligen Regierungen und Behörden zeigt, wie man die Erkenntnisse der jüngsten Nobelpreisträger in die tägliche gelebte Praxis der Innenpolitik einführen kann. Vom konkreten Umsetzen des Rauchverbots oder der Vermeidung von Müll bis hin zur effizienteren Gestaltung der Steuererklärungen.

Ein weiteres Thema ist sicherlich die transparentere Darstellung langfristiger Folgekosten des demografischen Wandels, um der Politik eine konkrete Datengrundlage für die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen zu ermöglichen. Es fehlte bis dato ein Indikator, der den Status quo der öffentlichen Verbindlichkeiten wahrheitsgerecht abbildet. Gängige Fiskalindikatoren wie Defizit- und Schuldenstandquote blenden die Tatsache aus, dass die öffentliche Hand beträchtliche Verbindlichkeiten aus Leistungsversprechen an schon lebende und künftige Generationen aufbaut. Zukünftige Entwicklungen, insbesondere der demografische Wandel, werden zu höheren öffentlichen Ausgaben im Sozialsystem führen. Diese Verbindlichkeiten des Staates werden allerdings nicht in seinen Bilanzen aufgeführt. Eine „intergenerative“ Darstellung der öffentlichen Finanzen gibt ein genaueres Bild über die Reformnotwendigkeiten der Staatsfinanzen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria hat daher einen „Schuldencheck“ entwickelt, der mit einem sogenannten „Generationenkonten-Modell“ ein umfassendes Instrumentarium zur Beurteilung der finanziellen Nachhaltigkeit einführt. Im „Schuldencheck“ werden alle öffentlichen Ausgaben und Einnahmen nach Alter und Geschlecht zugeteilt und in die Zukunft projiziert, wobei zukünftige Trends sowie bereits beschlossene Reformmaßnahmen berücksichtigt werden. Dieser „Schuldencheck“ ist ein ideales fiskalpolitisches „Reformbarometer“, weil er anzeigt, ob die öffentlichen Haushalte bei einen „No-Policy-Change“-Szenario tatsächlich nachhaltig aufgestellt sind und welche Maßnahmen die Politik treffen kann, um die „Nachhaltigkeitslücke“ dauerhaft zu schließen.

Das Ergebnis: Die Staatsausgabequote würde ohne Reformmaßnahmen von derzeit rund 47,3 Prozent des BIP auf 50,2 Prozent des BIP im Jahr 2060 ansteigen.
Der österreichische Staat (Steuerzahler) müsste sofort das strukturelle Defizit um 3,1 Prozent des BIP reduzieren, um langfristig nachhaltig (mit einer EU-konformen Schuldenquote von 60 Prozent des BIP) zu bilanzieren.

2. Was sind deiner Einschätzung nach die konkreten Hintergründe und erkennbaren Wechselwirkungen hinter diesen Themen?
Mit einem intergenerativen Schuldencheck würde mehr Transparenz in die öffentlichen Finanzen und dessen Konsolidierungsnotwendigkeiten kommen. Es könnte jede Politikmaßnahme (z.B. eine Pensionsreform oder auch deren Unterlassen) auf ihre Generationengerechtigkeit überprüft werden.

3. Welche Maßnahmen sollten im Hinblick auf diese Entwicklungen schon jetzt gesetzt werden?

Mit Einführung eines modernen verhaltensökonomischen Ansatzes in der Verwaltung könnten etwa Gesetze und Verordnungen „eingespart“, oder politisch so gestaltet werden, dass sie für Bürgerinnen und Bürger „anschlussfähig“ sind bzw. verstanden werden und auch die gewünschten Verhaltensreaktionen hervorrufen. Politik würde endlich mehr auf wissenschaftlichen Grundlagen basieren und Vorhaben, Förderungen und Projekte auf Verhaltensaspekte überprüft werden. Gerade im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit kann nicht alles über Gesetz, Verordnung, Strafe oder Steuererhöhung geregelt werden. Vielmehr sollten verhaltensbasierte Maßnahmen mit dem Ziel eingesetzt werden, ein Mehr an Eigenverantwortung zu erzeugen.

Vorherrschaft der Dystopien?
Was ich mir beim Lesen der bisherigen Beiträge immer wieder gedacht hab: Es sind großteils schon sehr düstere Zukunftsfragen und -bilder, die hier platziert werden. Rumorende Bedrohungen sozusagen - von der Klimakrise über das Fortschreiten gesellschaftlicher Polarisierungen bis zu algorithmischen Vorherrschaften.
Vielleicht ist ja eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre, die Vorherrschaft dystopischer Zukunftsbilder zu durchbrechen?
Mit Fragen wie zum Beispiel: Wie gelingt die Transformation von der "besitzenden" zur teilenden Weltgesellschaft?
Tiefgreifenden Umbauprozess auf verschiedenen Ebenen
1.   Welches sind aus Ihrer Sicht Themen, über die in den Medien derzeit noch kaum berichtet wird, die aber so wichtig oder so drängend sind, dass sie in den nächsten fünf Jahren zwangsläufig öffentlich diskutiert werden? Gibt es Ihrer Meinung nach Themen, die derzeit noch nicht auf der politischen Agenda stehen, welche aber aufgrund ihrer Wichtigkeit dort bereits behandelt werden sollten?

Erstens: Wir befinden uns in einem tiefgreifenden Umbauprozess auf verschiedenen Ebenen (Stichwort sind Digitalisierung, umkämpfte Dekarbonisierung der Weltwirtschaft u.a.) und es wird – insbesondere beim Klima – zu disruptiven Veränderungen kommen. Das meine ich nicht katastrophisch (in die Richtung wird ja durchaus berichtet), sondern als Analyse und Beschreibung. Es wird um die Art und Weise der Veränderungen gehen: Politische Steuerung, Produktionsstrukturen, Lebensweise (Nicht nur Konsum, sondern vielfältige Formen des Zusammenlebens), öffentliche Diskurse, internationale politische und wirtschaftliche Beziehungen. In der Debatte um soziale-ökologische Transformationen wird zwischen (neo-)liberales business-as-usual, autoritäre Varianten, Green Economy und grundlegender Umbau unterschieden. Doch wer hat an was Interesse, welche Kosten gehen damit einher, wer gewinnt tendenziell, wer verliert? Welche Rolle spielen Kompromisse und Gerechtigkeit?
Damit stellen sich neue Aufgaben gesellschaftspolitischer Gestaltung, die bisher kaum diskutiert werden. Es geht neben dem WAS um das WIE der Veränderung. Oft wird in Sachen Verminderung der Klimakrise mit autoritären Varianten kokettiert. Was bedeutet das aber für die liberale Demokratie oder eine mögliche Demokratisierung der Demokratie?

Welcher kulturellen Voraussetzungen (auch partizipieren zu wollen) und Kompetenzen (zu können) bedarf die Demokratie?

Die aktive Wunsch oder zumindest das Hinnehmen von autoritären Varianten hat auch etwas mit aktuellen Ohnmachtserfahrungen vieler Menschen zu tun sowie mit dem Festhalten eines Großteils der Eliten an eingeschliffenen Pfaden (die ihren Interessen entsprechen).

Dazu kommen Fragen von Unternehmensmacht, die mal am Beispiel von Google oder Facebook thematisiert werden, aber nicht systematisch (Raiffeisen als emblematischer Fall in Österreich).

Ich weiß nicht, ob es sicher ein Thema wird, aber es könnte bei bestimmten Dynamiken so sein: Dass in der Öffentlichkeit, durch Protestbewegungen und Intellektuelle die Formen von (bürokratisch-elitistischer) Politik und (kapitalistischer) Wirtschaft grundlegender infrage gestellt werden – was kann an Alternativen entstehen?

Zweitens: Der Soziologe Claus Offe schrieb in den 1970er Jahren: Die Klassengesellschaft dementiert weitgehend, dass sie eine solche ist. Entsprechend wird kaum über eine Realität der meisten Menschen berichtet (abseits von Anekdoten), die sehr prägend ist und auch ein Lernfeld für eine Gesellschaft sein, die besser mit Krisen umgeht: Die Welt der Arbeit (Lohnarbeit wie unbezahlte Reproduktionsarbeit). Das Thema steht auf der Agenda als Arbeitslosigkeit und (durch Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften) Auseinandersetzungen um Arbeitsbedingungen, Löhne etc. dazu natürlich bei der Ankündigung von Entlassungen. – Doch es wäre angemessen, stärker eine „Produktionsöffentlichkeit“ (Oskar Negt/Alexander Kluge) herzustellen. Damit werden auch die Ursachen und Erfahrungen von Ungleichheit, zutiefst ungleichen Lebensbedingungen sichtbar – und vielleicht veränderbar.

Drittens: Kein Punkt direkt zur Frage, weil so viel unvorhersagbar ist – sicher ist nur, dass die tektonische Verschiebung der internationalen Machtverhältnisse mit dem Aufstieg Chinas weitergehen wird. Offen ist, ob es Post-Trump doch wieder zu mehr Multilaterialismus kommen wird. Mein Punkt für die Arena-Analyse: In Sachen internationale Politik ist es die Art der Thematisierung (zugespitzt: Trump, Brexit, China; sonst nur, wenn Krisen oder Putsche stattfinden), die häufig durch Vereinfachung die Gesellschaft des-informiert. Es kann kaum Verständnis um und Empathie mit Anderen entstehen (Flüchtlinge werden als Bedrohung wahrgenommen).

Kleiner Punkt (es ist ja in den anderen Kommentaren so viel gesagt): Das Thema Wasserknappheit bzw. zu viel Wasser in Form von Starkregen und Überschwemmungen wird ein großes Thema werden. Nicht nur wegen Klimakrise, sondern auch wegen Fehlnutzungen (vgl. die aktuellen Proteste in Chile).

Kleiner Punkt (b): Es wird zu einer verstärkten und – falls wenig reguliert und herrschenden Interessen folgenden – hässlichen Konkurrenz um städtischen Raum kommen.

2.   Was sind Ihrer Einschätzung nach die konkreten Hintergründe und erkennbaren Wechselwirkungen hinter diesen Themen?

Schwierig, weil es keine klaren Kausalitäten gibt. Meines Erachtens ist die Vorstellung, dass liberale Märkte und eine wenig intervenierende Politik gegen mächtige Interesse (Joachim Hirsch nannte das den „nationalen Wettbewerbsstaat“) ihre Grundlagen untergraben. Ganz ähnlich der Diagnose Karl Polanyis für die Zeit vor 100 Jahren. Die Entbettung des Kapitalismus führt zu enormen Verwerfungen und Krisen. Die Eliten betreiben Positionssicherung, die prekäre Mittelschicht geht den rechtsextremen Rattenfängern auf den Leim der Illusion einer ethnisch homogenen Gesellschaft, die angeblich keine Konflikte und Probleme hätte.
Doch dazu kommt eine Dimension der ökologischen Krise (und ihrer gesellschaftlichen Ursachen), die mit dem aktuellen Dimensionen und kulturellen Normen kaum bearbetbar scheint.

3.   Welche Maßnahmen sollten im Hinblick auf diese Entwicklungen schon jetzt gesetzt werden?

Die Grundproblematik (an der die Politik bislang scheitert) liegt darin, globale Problem- und Krisendynamiken in konkrete Handlungsoptionen zu übersetzen und dann bestimmte Optionen auszuwählen. Zumal wir es ja mit höchst verschiedenen räumlichen, zeitlichen und sozialen Skalen zu tun haben.

Konkreter:

Wirtschaftspolitisch die Einhegung einseitiger (und ggf. rücksichtloser = Steuervermeidung, Ausbeutung) Verfügung über Kapital und Vermögen. Anzufangen bei der stärkeren Regulierung der Finanzmärkte.

Das Signal der Fridays for Future sollte von den Institutionen wirklich aufgenommen werden (was auch immer „Systemwechsel“ konkret bedeutet). Das politische Programm ist über die Sustainable Development Goals auch durchaus staatlicherseits formuliert.

Mehr qualitätsvolle Berichterstattung, damit Menschen (die das wollen) auch wieder kompetent werden und ein Weltverhältnis entwickeln können. Auch Berichts = gesellschaftliches Wissen über die Arbeitswelt.

Mehr Ermöglichung für Menschen, sich verschiedene Kompetenzen (des Wissens, beruflich, sozial, anderen Tuns) anzueignen. Aber auch Räume, Formen, um wieder Empathie-fähig zu werden. Sonst wird es kaum Bereitschaft zu Veränderungen geben.

Mehr Bereitschaft zur Selbstkritik und mittelfristig auch der Kompromissbereitschaft der Eliten.

Stärkung (auch praktisch-materiell) kritischer Zivilgesellschaft, also der systematischen Organisierung produktiver Kritik, um Fehler anzuzeigen. Das ist natürlich schwierig, weil Kritik oft als Herummäkeln missverstanden wird.

Bereitschaft, bestimmtes (insbesondere technologisches) Wissen nicht anzuwenden, wenn es gefährlich oder schädlich sein könnte – Fehlerfreundlichkeit, Unsicherheit des Wissens akzeptieren.

Und viele mehr.

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