Digital Society
Arbeitsbereich der Digital Society
Herzlich willkommen auf der ePartizipations-Plattform der Digital Society!
Beteiligen Sie sich an der Erarbeitung unserer Dokumente. Ihr Input ist uns wichtig. Lesen Sie den vorliegenden Entwurf unseres Positionspapiers zum Thema „Zukunft der Wissensarbeit“ und bringen Sie sich aktiv in den Diskussionsprozess ein. Vielen Dank im Voraus für Ihre Mitarbeit! Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Werner Illsinger, Präsident der Digital Society Alfons Parovszky, Vizepräsident und Leiter Team Arbeit der Digital Society

Zukunft der Wissensarbeit - Digitaler Humanismus in der Arbeitswelt


Worum geht es bei dieser Diskussion?
Der Verein Digital Society beschäftigt sich mit der Veränderung der Gesellschaft durch die digitale Transformation. Als Schwerpunktthema haben wir für das 2. Halbjahr 2019 die „Zukunft der Wissensarbeit“ gewählt, denn in 20 Jahren wird es 50% der heutigen Berufsbilder nicht mehr geben, dafür wird es neue Berufe geben, die wir heute noch nicht einmal kennen. Wie bereiten wir uns als Gesellschaft darauf vor? Das haben wir mit unseren Experten in einem Papier zusammengefasst. Wir möchten dieses Papier zur Diskussion stellen, um gemeinsam ein möglichst vollständiges Bild zu entwickeln, und das Papier auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Wir laden Sie herzlich ein, mit uns zu diskutieren.
Unsere Einladung an Sie
Lesen Sie bitte das vorliegende Dokument und beteiligen Sie sich hier an der Weiterentwicklung dieses Papiers. Bringen Sie bitte bis 11.12.2019 Ihre Anmerkungen, Ergänzungen und Vorschläge für Änderungen ein. Wir veranstalten am 16.10. eine Podiumsdiskussion mit den politischen Parteien zu diesem Thema. Auch die Inhalte dieser Diskussion werden wir in den Prozess mit einfließen lassen.

Nach Abschluss der öffentlichen Diskussion werden wir das Papier anhand Ihrer Beiträge noch einmal überarbeiten. Das fertige Positionspapier werden wir mit den Abgeordneten im Nationalrat sowie Vertretern der Bundesregierung diskutieren. Unser Ziel ist es mehr Aufmerksamkeit in der Politik für das so wichtige Thema „Arbeit“ zu bekommen und konkrete Maßnahmen für die Verbesserung des Wirtschaftsstandortes Österreich und verantwortlichem Umgang mit neuen Technologien im Sinne der Gesellschaft zu definieren und gemeinsam zu setzen.
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Herzlichen Dank an alle Mitwirkenden,
insbesondere:

Mag. Maria Schönauer
HR-Expertin für Human Relations und Strategie, ehemalige HR-Direktorin XEROX Europa
Dipl. Ing. Leopold Miedl
Ehemaliger Betriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied RHI AG
Mag. Dr. Aaron Sternicky
Studiengangleitung E-Learning Group
Hannes Gessoni, MSc.
Professor für Digital Transformation Management an der FH Kärnten, Unternehmensberater und psychologischer Berater
Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Michael Bartz
Professor am Institut für Internationales Business an der IMC FH Krems
Ing. Werner Illsinger
Experte für digitale Transformation, ehem. Geschäftsführer Raiffeisen Informatik Consulting, Präsident der Digital Society
Mag. Dr. Sonja Jäger
Wissenschaftlerin, Expertin für Marketing und künstliche Intelligenz
Mag. Brigitte Parovszky
Juristin und Europarechtsexpertin
Paul Zawilensky
Experte für New Work, früher verantwortlich für Facility Management bei Microsoft Österreich
Ing. Norbert Palecek
Dr. Walter Karban
Ing. Alfons Parovszky, MSc.
Experte und Berater für Organisationsentwicklung, Teamleitung Arbeit der Digital Society
1. Inhalt
1 Inhalt
2 Kurzfassung
2.1 An wen richtet sich dieses Whitepaper
2.2 Was sind Wissensarbeiter_innen?
2.3 Digitaler Humanismus – ein Widerspruch?
3 Problemstellung:
3.1 Herausforderung für Wissensarbeiter_innen
3.1.1 Veränderung der Berufe
3.1.2 Work / Life Integration
3.1.3 Neue Selbstständigkeit / Neue Arbeitsformen
3.1.4 Mobilität und Globalisierung
3.1.5 Neue Formen der Zusammenarbeit
3.1.6 Unterschiedliche Anforderungen an die Generationen
3.1.7 Neue Formen der Führung
3.2 Herausforderungen für Unternehmen
3.3 Herausforderungen für die Gesellschaft
4 Chancen des digitalen Wandels
5 Positive Beispiele
6 Positive Auswirkungen
7 Innovative Technologien
7.1 IoT (Datengewinnung)
7.2 Big Data / Business Intelligence
7.3 AI / KI (Künstliche Intelligenz)
7.4 Augmented / Virtual Reality
7.5 Blockchain
7.6 Collaboration Tools (Zusammenarbeit / Web Konferenzen)
7.7 Breitbandausbau (Glasfaser & 5G)
8 Ethik in Arbeits- und Lebenswelten
9 Digitaler Humanismus in der Praxis
10 Forderungen der Digital Society
11 Was trägt die Digital Society zur Lösung bei?
12 Über die Digital Society


2. Kurzfassung
2.1 An wen richtet sich dieses Whitepaper
Dieses Whitepaper richtet sich zum einen an alle Wissensarbeiter_innen, deren Arbeitsumfeld von der digitalen Transformation betroffen sein wird, zum anderen an alle Unternehmen, die Wissensarbeiter_innen beschäftigen, sowie an den Gesetzgeber und somit an alle, die für die Umsetzung der vorgeschlagenen Lösungen notwendig sind.

2.2 Was sind Wissensarbeiter_innen?
Das erste Mal taucht der Begriff Wissensarbeiter bei Peter Drucker in seinem Buch „The Landmarks of Tomorrow“ 1959 auf und bezeichnet diejenigen Arbeiter, die nicht für ihre körperliche Arbeit und manuellen Fähigkeiten bezahlt werden, sondern für die Anwendung ihres erworbenen Wissens.
Wissensarbeit ist im Grunde die Anwendung erworbenen Wissens für die Lösung komplexer neuer Aufgabenstellungen. Ähnlich der erstmaligen Lösung eines Streichholzrätesls, bei der man weder einen Lösungsweg noch Muster kennt, die zur Lösung des Problems führen können. Es geht darum, neue innovative Wege zu finden, die bisher vielleicht noch niemand begangen hat.

2.3 Digitaler Humanismus – ein Widerspruch?
Digitaler Humanismus bedeutet, den Menschen in den Mittelpunkt der Entwicklung von digitalen Unternehmen und digitalen Arbeitsplätzen zu stellen. Dabei werden Technologien genutzt, um die Art und Weise, wie Menschen ihre Ziele erreichen, neu zu definieren und Menschen zu befähigen, Dinge zu erreichen, die bisher nicht möglich waren. (vgl. 2014 Gartner - US-Symposium in Orlando - Digital Humanist Manifesto)

Wie kann die digitale Welt, die eine rein maschinelle ist, menschlich werden?
In der Vergangenheit wurden digitale Technologien fast ausschließlich zur Effizienz- und Produktivitätssteigerung (d.h. Kostensenkung) in Unternehmen eingesetzt. Durch die digitalen Technologien kommen nun Unternehmen selbst unter Druck. Und, Unternehmen werden immer transparenter, was zu höherem Wettbewerbsdruck führt, weil die Konsument_innen plötzlich an Macht gewinnen. Der Kundennutzen und die Kundenerfahrung müssen plötzlich ins Zentrum des Handelns gestellt werden.


Durch Fachkräftemangel und den davon ausgelösten Wettbewerb um Fachkräfte müssen Unternehmen sich nun aber auch verstärkt darum bemühen als gute Arbeitgeber_innen (Employer Branding) gesehen zu werden. Ethische Themen wie Sinn und Image des Unternehmens stehen dabei im Vordergrund.
Mitarbeiter_innen werden durch neue Technologien in ihrer Arbeit unterstützt. Lästige Routineaufgaben werden dem Menschen abgenommen. Beispielsweise können schon heute künstliche Intelligenzen Röntgenbilder besser auswerten als der beste Röntgenarzt. Wir Menschen müssen uns daher auf Dinge fokussieren, die wir besser können als Maschinen (beispielsweise Kreativität, interpersonelle Fähigkeiten, social skills).
Da sich die Welt so rasch verändert wie nie zuvor, werden auch neue Organisationsformen erprobt. AGILES MANAGEMENT ist in aller Munde und neue Konzepte erproben Organisationsformen, bei denen es keine Chefs mehr gibt und die Mitarbeiter sich selbst organisieren. Selbst wenn Unternehmen nicht gleich auf derartig radikal neue Organisationsformen wechseln, ergeben sich trotzdem völlig neue Herausforderungen für Führungskräfte.
Vorfälle wie Cambridge Analytica (Verwendung von Facebook Daten zur Wählerbeeinflussung bei der Brexit Abstimmung sowie US Präsidentenwahl) zeigen aber auch, dass neue Technologien nicht immer zum Nutzen der Gesellschaft eingesetzt werden. Es gibt heftige Diskussionen über den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Bereich des österreichischen Arbeitsmarktservices AMS oder die Datennutzung beim „JÖ Bonusclub“ des REWE Konzerns, aber auch über diverse Überwachungstechnologien im staatlichen Bereich. Diese Beispiele zeigen, dass es eine breite Diskussion darüber geben muss, dass nicht alles gesellschaftlich erwünscht und erlaubt sein sollte, was technisch machbar ist. Technologie sollte zum Wohle der Gesellschaft genutzt werden und nicht gegen sie.
In diesem Positionspapier zeigt die Digital Society auf, wie das Vertrauen in digitale Technologie gestärkt werden und diese positiv zur Lösung der großen anstehenden Probleme im Sinne von uns Menschen genutzt werden kann (beispielsweise beim Klimawandel). Wir präsentieren hier unsere Lösungsvorschläge, wie dies gelingen kann.
Unsere Vision ist eine freie digitale Welt, von der alle Mitglieder der Gesellschaft profitieren.


3. Problemstellung:
3.1 Herausforderung für Wissensarbeiter_innen
Die Arbeitswelt wird sich so stark und so rasch verändern, wie noch nie zuvor. Diese Veränderung betrifft zukünftige Wissensarbeiter_innen vergleichbar stark wie Produktionsberufe in der Vergangenheit, ähnliche struktruelle Veränderungen kündigen sich an.

3.1.1 Veränderung der Berufe
Aus der Studie „The Future of Employment“ 2 geht hervor, dass Berufe in Büro und Verwaltung, Vertrieb und Dienstleistungen in Zukunft stark durch die Digitalisierung betroffen sein werden.
[2: The Future of Employment: How Susceptible are Jobs to Computerization? (Frey, Osborne, 2013) https://www.oxfordmartin....] https://www.oxfordmartin.... Berufsbilder wie Management, Computer- und Ingenieurswesen sowie Bildung und Pflege werden weniger betroffen sein und stärker wachsen. In Österreich sind laut einer IHS Studie aus 2017 ca. 9% aller Jobs durch Digitalisierung gefährdet. Es stellt sich also die Frage, wie man mehr als die Hälfte der berufstätigen Bevölkerung innerhalb der nächsten 20 Jahre unterstützen kann, in neue Berufsbilder zu wechseln.
Andere Studien zeigen, dass es voraussichtlich durch den digitalen Wandel mehr Jobs geben wird als heute. Die Problemstellung ist jedoch, dass die geforderten Qualifikationen in den neuen Jobs völlig andere sein werden, als die der Berufsbilder, die verloren gehen. Das war auch in der 1. Industriellen Revolution so, wo vorwiegend Arbeitsplätze in der Landwirtschaft verloren gingen und neue in Fabriken geschaffen wurden. Wir können von den historischen Erfahrungen aber nicht auf die Zukunft schließen, da diese Transformation über zumindest eine Generation verlief, wir aber mit der Digitalisierung einen wesentlich rascheren Wandel annehmen müssen.
Das World Economic Forum dokumentiert, dass sich die Abfolge der unterschiedlichen Stufen der Industriellen Revolution verkürzen, der ökonomischen Moderne das Wesen der permanenten Beschleunigung inhärent eigen wäre. Die IV. Industrielle Revolution markiert also einen weiteren rapiden Entwicklungsschritt eines historischen Fortschrittsprozesses.

3.1.2 Work / Life Integration
Work / Life Balance geht von einer Dualität von Arbeitsleben und Familienleben aus. In der digitalen Zeit hat sich diese Dualität aufgelöst. Privatleben und Arbeit verschwimmen. Wann haben Sie zuletzt das Büro verlassen ohne später das Smartphone auf wichtige Nachrichten zu prüfen und natürlich auch darauf zu antworten?
Work / Life Integration kann eine große Chance sein, weil digitale Technologien beispielsweise auch Eltern erlauben, mehr Zeit bei ihren Kindern zu verbringen oder auch weniger Zeit mit Pendeln. Die zwei Stunden, die viele jeden Tag auf dem Weg zum und vom Büro verbringen, können sinnvoller genutzt werden und ökologisch wertvoll wäre das noch dazu.
Die Studie „Der Mensch in der Arbeitswelt 4.0“ des Instituts für Angewandte Psychologie hat herausgefunden, dass die digitale Transformation die Work / Life Balance stärkt. 67% der befragten Führungskräfte halten eine Trennung von Arbeit und Freizeit für wichtig. 83% geben an, dass sie ihre Arbeit auch mobil (von jedem Ort aus) erledigen können.
Wird das aber auch in den Betrieben flexibel umgesetzt? Nein. In den meisten Betrieben gelten Teilzeitkräfte noch immer als unflexibel und nicht verlässlich. Nur Arbeitskräfte, die viele Überstunden als Präsenzzeiten abliefern, gelten als Leistungsträger und verlässlich. Hier muss ein Kulturwandel eingeleitet werden, der in den Köpfen der Führungskräfte beginnen muss.

3.1.3 Neue Selbstständigkeit / Neue Arbeitsformen
Nach der ersten industriellen Revolution gab es einen ungeschriebenen Vertrag zwischen Arbeitnehmer_innen und Arbeitgeber_innen, der den Arbeitnehmer_innen garantierte, dass der Arbeitgeber für sie sorgt. Im Grunde hatten alle, die in einem der großen Industriebetriebe eine Arbeit gefunden hatten, die Sicherheit, eine lebenslange Stellung und damit auch eine finanzielle Absicherung zu haben.
Die Industrielle Revolution schuf also einen demokratisch vermittelten Ausgleich zwischen den Interessen der Arbeitgeber_innen und Arbeitnehmer_innen. Durch die Wirkung parlamentarischer Prozesse wurde die Absicherung von poltischen und sozialen Grundrechten erstritten, der ökonomische Fortschritt in gesellschaftlichen Fortschritt übersetzt. Die Suche nach politischer Balance war den demokratisch verfassten Industriegesellschaften wichtig.
Nunmehr versuchen viele Unternehmen, ihre Angestellten in die Selbstständigkeit zu drängen. Beispiele dazu sind Paketdienste, bei denen die Paketfahrer ihr Auto selbst bezahlen müssen und als Subunternehmer für einen großen Paketdienst fahren, UBER Fahrer, aber auch Subunternehmer auf Baustellen, usw. Eine ähnliche Entwicklung gibt es auch im Wissensarbeiterbereich, wo es früher ebenfalls viele Angestellte gab. Sie wurden in die Selbständigkeit gedrängt und arbeiten nun als Konsulenten, Berater oder Freelancer für ein einziges Unternehmen. Nahezu 60 % aller österreichischen Unternehmen besitzen laut Daten der WKO mittlerweile den Status eines Ein-Personen-Unternehmens.
All diese Menschen tragen zwar das unternehmerische Risiko und sind in den meisten Fällen nur von einem einzigen Auftraggeber abhängig. Für sie gelten aber keine Arbeitnehmerschutzregelungen und Mindestlöhne mehr.

3.1.4 Mobilität und Globalisierung
Die Digitalisierung von Information führt dazu, dass Arbeit ortsunabhängig wird. Früher musste man ins Büro gehen, weil sowohl die Betriebsmittel als auch die Informationen dort waren. Digitale Informationen sind - vor allem durch die Cloud - immer und überall abrufbar. Es ist also egal, ob Wissensarbeiter_innen in Wien oder in New Delhi sind, im Büro oder auf der Terrasse zu Hause. Smartphone und Notebook machen uns unabhängig. Ein weiterer Aspekt der Ortsunabhängigkeit ergibt sich aber auch dadurch, dass Arbeiten von jemandem auf der anderen Seite der Welt ausgeführt werden können. Ein österreichischer Grafiker steht plötzlich im Mitbewerb zu einem indischen oder chinesischen Grafiker, dessen Stundenlohn wesentlich niedriger ist und es wesentlich niedrigere Standards im Arbeitnehmerschutz gibt.
Wenn aber zu Hause oder unterwegs gearbeitet wird, stellt sich auch die Frage nach der Ergonomie des Arbeitsplatzes. Hier greifen klassische Arbeitnehmerschutzregelungen nicht mehr. Mitarbeiter müssen daher dabei unterstützt werden, in Eigenverantwortung besser auf ihr gesundheitliches Wohl zu achten.
Ein weiteres Thema ist der Verlust von sozialen Kontakten zu Kolleg_innen. Wenn nicht Gegenmaßnahmen ergriffen werden, fallen die wichtigen Gespräche beim Kaffee im Büro weg und damit auch der Wissensaustausch auf dieser informellen Ebene. Hier ist vor allem auch das Management gefordert, die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern zu fördern.

3.1.5 Neue Formen der Zusammenarbeit
Die Digitalisierung und Mobilität erfordern zudem neue Formen der Zusammenarbeit bzw. werden diese dadurch möglich. Früher wurden Aufgaben einer Person zugeteilt. Wenn die Aufgabe abgeschlossen war, wurde mit der nächsten Aufgabe begonnen. Dieses Paradigma hat sich durch die Digitalisierung stark verändert. Menschen arbeiten in Teams zusammen. Das wird durch s.g. Kollaborationsplattformen wie Google Docs oder Microsoft Office 365 möglich. Menschen treffen sich in virtuellen Räumen (Skype / Hangout / Teams) und arbeiten gemeinsam an Ideen und Dokumenten.
Diese veränderten Arbeitsformen stellen neue Anforderungen an Kommunikation, Teamfähigkeit, interpersonelle Skills. In der online Kommunikation fallen viele Aspekte einer persönlichen Kommunikation weg. Es kann daher auch leichter zu Konflikten kommen, weil die Nuancen der persönlichen Kommunikation (Mimik, Gestik, …) oft fehlen. Man spricht hier davon, dass Mitarbeiter_innen T-Shaped Skills haben sollen. Ein gutes Fundament an Fähigkeiten und Wissen über das gesamte Spektrum und ein hohes Maß an Wissen in ihrem Spezialgebiet. Es reicht nicht mehr, nur noch Spezialist in einem Bereich zu sein, wenn wesentliche Kommunikationsfähigkeiten fehlen.
Natürlich stellt eine derartige freie Organisation auch gänzlich neue Anforderungen an Selbstmanagement der Mitarbeiter_innen.

3.1.6 Unterschiedliche Anforderungen an die Generationen
Derzeit stehen zum ersten Mal drei Generationen zu ungefähr je einem Drittel im Berufsleben. Die Erwartungshaltungen dieser dieser Generationen unterscheiden sich stark. Stand bei der Generation der Baby Boomers noch die Sicherheit des Jobs im Vordergrund, so ist es bei der Generation Y Freiheit und Flexibilität. Um junge Menschen dafür zu interessieren in einem Unternehmen zu bleiben, braucht es vollständig neue Rahmenbedingungen – aber auch gänzlich andere Führung. Diese drei Generationen in einem Unternehmen unter einen Hut zu bekommen, ist oft eine große Herausforderung.

Abbildung 1: Generationen und deren Anforderungen. Quelle: Barclays Bank (UK)


3.1.7 Neue Formen der Führung
Verteilte Teams, die virtuell zusammenarbeiten, bringen in vielfacher Weise Herausforderungen für Führungskräfte. Beispielsweise kann Arbeit nur noch schwer in Zeit gemessen werden. Wenn Mitarbeiter_innen aber nicht im Büro anwesend sind, haben Führungskräfte oft Angst vor Kontrollverlust. Lösungsansätze sind hier mehr Vertrauen in Mitarbeiter_innen und ein Loslassen-lernen der Führungskräfte.
Für die neuen Arbeitsweisen ist mehr Selbstorganisation und Selbstführung der Mitarbeiter_innen erforderlich. Die Rolle der Führungskraft wandelt sich dadurch vom Manager hin zum Coach, der Mitarbeiter_innen in ihrer Arbeit unterstützt. Die Führungskraft versucht die Mitarbeiter_innen bestmöglich nach ihren Fähigkeiten in den Teams einzusetzen und die Teams zu koordinieren. Früher war eine Führungskraft oft der oder die Beste in seinem/ihren Fach. In Zukunft ist weniger Fachwissen, jedoch viel mehr an interpersonellen Skills und Leadership notwendig. Vor allem bei Führungskräften gibt es hier noch Angst vor Machtverlust und sie stehen oft auf der Bremse, statt sich notwendigen Veränderungen zu öffnen.

3.2 Herausforderungen für Unternehmen
Das Digital Society Institute führt derzeit eine Studie durch, wie gut Unternehmen in Österreich auf die digitale Transformation vorbereitet sind (eine Teilnahme ist noch bis Ende 2019 möglich https://digisociety.insti...). https://digisociety.insti... Es zeigt sich bereits jetzt, dass Unternehmen u.a. Handlungsbedarf in den Bereichen strategische Planung, Kundenerfahrung und Produktentwicklung sowie der Entwicklung von innovativen Geschäftsmodellen haben. Diese Themenfelder müssen vor einer technologischen Umsetzung genau geklärt werden, damit eine Transformation erfolgreich sein kann.


Abbildung 2:Mittelwerte aller Teilnehmer Reifegradstudie 2019 Digital Society Institute

Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil Unternehmen für Kunden transparenter werden. Kunden können vor einem Kauf einfach den Preis, aber auch die Qualität von Unternehmen anhand von Kritiken oder Vergleichen bewerten. Unternehmen müssen daher rasch auf Kundenanforderungen reagieren können und diese rasch umsetzen.
Innovation muss die Antwort auf die Digitalisierung am Markt sein oder es folgen als Konsequenzen die Schumpeter-Falle (Konstruktiver Destruktivismus)! 3 Wenn Unternehmen es nicht ständig schaffen, sich neu zu erfinden, ereilt sie irgendwann das Schicksal von Kodak.
[3: https://de.wikipedia.org/...] https://de.wikipedia.org/... Der Filmhersteller Kodak hat zwar die Digitalkamera erfunden, aber aus Angst sich selbst zu schaden, nicht vermarktet.
Kodak ist mittlerweile Geschichte.
Ohne Wissen als Basis für die notwendigen Produkt- bzw. Service-Anpassungen ist Innovation nicht zielgerichtet möglich. Die Frage nach den Werkzeugen / Tools / Software kann sich logischerweise erst nach der Definition der Ziele stellen.
Unternehmen setzen zur Datengewinnung vermehrt Online Plattformen sowie IoT Lösungen (Sensoren, die über das Internet Daten senden) ein.
Die gewonnenen Erkenntnisse werden mittels Big Data Lösungen zu Wissen umgewandelt. Künstliche Intelligenzen helfen, aus dem gewonnenen Wissen die richtigen Entscheidungen abzuleiten. All das verändert die Arbeitswelt der Wissensarbeiter_innen. Der Einsatz neuer Technologien erfolgt natürlich zum Vorteil des Unternehmens, sollte aber aus unserer Sicht auf ethische Aspekte Rücksicht nehmen. Nicht alles, was technisch machbar ist, und dem Unternehmenserfolg dient, sollte auch gemacht werden dürfen.
Wie wir aus unserer Studie schließen, sind gerade österreichische Unternehmen im Bereich der Wissensgewinnung sowie der Innovation noch nicht optimal aufgestellt. Hierauf muss das Hauptaugenmerk gelegt werden, wenn österreichische Unternehmen nicht ins Hintertreffen geraten wollen.
Ein weiteres Problemfeld für Unternehmen ist der Fachkräftemangel. Obwohl sich die Arbeit für Wissensarbeiter_innen verändert, können Unternehmen in vielen Bereichen nicht ausreichend bzw. ausreichend qualifizierte Arbeitnehmer_innen finden. Die Unternehmen befinden sich untereinander in einem „War for Talents“ um die besten Köpfe.
Die Beschäftigung unterschiedlicher Generationen (Altersdiversität) ist für Unternehmen oft ebenso fordernd.

3.3 Herausforderungen für die Gesellschaft
Der digitale Wandel verändert auf vielfältige Weise die Anforderungen an Wissensarbeiter_innen. Zum einen sind mehr digitale Skills gefordert, um mit den neuen Technologien umgehen zu können. Zum anderen werden auch verstärkt interpersonelle Fähigkeiten, interkulturelle Kompetenzen, systemisches und kreatives Denken gefordert sein. [4: Quelle: https://www.bmas.de/DE/Se...] https://www.bmas.de/DE/Se... Einige fundierte Einschätzungen kommen zu dem Schluss, dass die kommenden Veränderungen nicht nur einen massiven Jobrückgang zur Folge haben werden, sondern einen tiefgreifenden Strukturwandel des Stellenmarkts. Signale dafür lassen sich bereits ausmachen. Die Anzahl der Jobanzeigen für Berufe, die keine spezifische Ausbildung voraussetzen, fiel beispielsweise in den USA zwischen 2007 und 2015 um 55%. Die Annoncen, die Daten-Analysten suchen, stiegen über den vergleichbaren Zeitraum um 372 % und jene für Daten-Visualisierung gar um 2574 %. Erprobte Ansätze, einfach die tarifliche Arbeitszeit zu verkürzen, um mehr Personen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, wirken vor diesem Hintergrund kaum erfolgsversprechend. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Anzahl der Jobs gleich bleiben wird, werden neue Jobs in anderen Wirtschaftszweigen geschaffen (z.B. IT-Dienste, Forschung und Entwicklung) als in jenen, wo Arbeitsplätze wegfallen (z.B. Einzelhandel, Papier- und Druckgewerbe, öffentliche Verwaltung). Es braucht also sehr weitreichende Lösungsansätze.
Diese Herausforderungen stellen das gesamte Aus- und Weiterbildungssystem vor große Herausforderungen. Um die erste industrielle Revolution zu schaffen, wurde von Humboldt das Schulwesen ins Leben gerufen - mit dem Ziel, Fabrikarbeiter auszubilden. Davon gibt es heute jedoch immer weniger. Trotzdem hat sich das Schulsystem kaum verändert. Es trägt weiterhin dazu bei, dass Kinder ihre angeborene Neugierde und Kreativität über den Verlauf der Schulzeit verlieren. 5 Um die digitale Transformation positiv zu bewältigen, müssen wir auch darüber nachdenken, unser Schulsystem neu zu denken und zu erfinden und nicht nur kleinteilig zu reformieren.
[5: https://www.creativityatw...] https://www.creativityatw... Doch auch Unternehmen stehen hier in der Pflicht, mehr für die Weiterqualifikation ihrer Mitarbeiter_innen zu unternehmen. Und auch die Lernkultur sollte sich ändern in Richtung lebenslanges Lernen.
Aufgrund des Fachkräftemangels befinden sich auch Länder im Wettbewerb miteinander. Hochqualifizierte Fachkräfte werden immer mobiler. Das führt dazu, dass Länder mit Standortvorteilen (besseren Bedingungen für Arbeitnehmer_innen, wie z.B. Deutschland) die Schlacht um Arbeitskräfte gewinnen und gut ausgebildete Fachkräfte dorthin abwandern.
Die Altersdiversität auf dem Arbeitsmarkt ist auch gesamtgesellschaftlich ein großes Thema. Da das Pensionsantrittsalter ständig erhöht wird, entsteht die Notwendigkeit, ältere Arbeitskräfte weiterhin in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das kann aufgrund oft geringerer digitaler Fähigkeiten und Anpassungsfähigkeit älterer Menschen aber zu einem Problem werden. Hier sind auch wieder Unternehmen gefragt, an ihrer Haltung zum Thema ältere Arbeitskräfte zu arbeiten. Menschen ab 50 sollten auf dem Arbeitsmarkt nicht zum „alten Eisen“ gehören, da sie noch vielfältige Qualitäten einbringen können.


•   Wenn diese Hürden nicht gemeinsam genommen werden, werden auch weiterhin zu wenige Fachkräfte zur Verfügung stehen und wird es weiterhin viele arbeitssuchende Menschen 50+ geben. Zu viele arbeitssuchende Menschen strapazieren das Sozialsystem und bedrohen mitunter sogar den sozialen Frieden.

Müssen wir uns als Gesellschaft nicht überhaupt überlegen, wie wir den Begriff Arbeit definieren? Ist jemand, der zu Hause einen Angehörigen pflegt, arbeitslos? Arbeitet jemand, der ehrenamtlich bei der freiwilligen Feuerwehr ist, nicht? Wäre es nicht wünschenswert, dass jemand, der Arbeit für die Gemeinschaft leistet, diese auch abgegolten bekommt?


4. Chancen des digitalen Wandels
Die Veränderung der Arbeitswelt durch die digitale Transformation birgt auch große Chancen, die sowohl Arbeitnehmer_innen als auch Unternehmen nutzen können.

•   Höhere Transparenz fördert Qualität und niedrige Preise für Konsumenten
Die Verfügbarkeit von Preisinformationen und Online-Kritiken machen Unternehmen leicht vergleichbar. Jetzt ist der Kunde wirklich König und kann nach Qualitäts- und Preiskriterien sowie Lieferkonditionen seine Auswahl treffen.

•   Die digitale Welt fördert die Bequemlichkeit für den Kunden
Unternehmen müssen immer kundenorientierter agieren. Unternehmen können zwar leichter verglichen werden, Kunden entscheiden sich aber meist für den bequemsten und risikolosesten Anbieter, nicht unbedingt für den billigsten.

•   Höhere Transparenz fördert ethische Entscheidungen in Unternehmen
Höhere Transparenz von Unternehmen durch z.B. Bewertungsportale bringt auch mit sich, dass die Unternehmen von ihren Kunden für nicht-ethisches Handeln abgestraft werden, etwa mit Shitstorms.

•   Größerer potenzieller Markt für Unternehmen aber auch Dienstnehmer
Digital ist die Welt ein Dorf. Es ist unerheblich, ob ein Anbieter, ein Konsument oder Mitarbeiter in Europa, Asien oder Amerika sitzt. Alle sind nur einen Mausklick voneinander entfernt. Die Auswahl für den Konsumenten wird dadurch riesig, aber dadurch wird auch der Mitbewerb global. Diese Entwicklung ist irreversibel.

•   Entlastung der Wissensarbeitenden von Routineaufgaben
Neue Technologien, wie künstliche Intelligenz, entlasten Wissensarbeiter_innen von Routineaufgaben. Diese können ihre Zeit sinnstiftender verwenden, sich auf wichtige Dinge konzentrieren. Auch Kostensenkungen bzw. Produktivitätsgewinne für Unternehmen sind ein positiver Effekt.

•   Ortsunabhängigkeit / Flexibilität / Privat- und Familienleben
Durch die Digitalisierung von Informationen sind Wissensarbeiter_innen unabhängiger von Ort und Zeit. Sie können ihre Arbeit grundsätzlich überall verrichten, weil auf Informationen immer und überall über Cloud Services zugegriffen werden kann. Durch Technologien wie Video- und Audiokonferenzlösungen (Hangout / Teams) können auch Reisezeiten gespart und die Umwelt geschont werden. Es wird damit auch einfacher, Privat- und Berufsleben miteinander zu vereinbaren.
5. Positive Beispiele
Veränderungen sind immer schwierig. Es ist leichter, Dinge so zu belassen wie sie sind. Kritiker merken oft an, dass bestimmte Dinge nicht möglich sind. Das einfachste Gegenargument sind Best-Practice-Beispiele. Wir haben positive Beispiele gesammelt, wo bestimmte Aspekte der digitalen Transformation bereits positiv umgesetzt wurden. Es wäre enorm wichtig, hier in Österreich nicht noch länger zuzuwarten, sondern diesen Beispielen rasch zu folgen. Österreich hat ohnehin seinen Vorreiterstatus in vielen Bereichen bereits verloren.
•   Finnisches Schulsystem
Das finnische Schulsystem stellt sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern die Vernetzung in den Vordergrund. Lehrer lernen von anderen Lehrern, was gut funktioniert und wie man den Unterricht weiterentwickeln kann. Kooperation steht auch bei Schülern im Vordergrund. Der Leistungsdruck ist niedrig. Es gibt viele Freiräume in Schulen. Leistungsmessung hat einen niedrigen Stellenwert. Schulnoten gibt es verpflichtend erst ab der 7. Klasse. Verbale Beurteilungen haben einen hohen Stellenwert, standardisierte Tests gibt es nicht.
https://de.wikipedia.org/... https://de.wikipedia.org/... •   „New World of Work” - Microsoft
Microsoft hat weltweit relativ früh das Arbeitsmodell verändert und auch die Büroräumlichkeiten der Microsoft Niederlassungen neugestaltet. Diese Veränderung wurde bei Microsoft vor allem durch Microsoft Office 365 als Cloud Service getrieben, das diese Veränderungen erst ermöglicht hat. Microsoft war ein Vorreiter auf diesem Gebiet und veranstaltet auch regelmäßig Führungen in der österreichischen Microsoft Niederlassung.
https://blogs.technet.mic... https://blogs.technet.mic... •   Selbstorganisation - Tele Haase
Tele Haase hat in Österreich als eine der ersten Organisationen die Chefs abgeschafft. In dieser Organisation ist jeder sein eigener Chef und alle tragen gemeinsam zum Unternehmenserfolg bei. Die Entwicklung des Unternehmens ist durch die Veränderung durchwegs positiv. Tele Haase steht nun besser da als am Anfang dieser Transformation.
https://www.tele-online.c... https://www.tele-online.c... •   Ethikbeirat HR-Tech
Die Haufe Gruppe beschäftigts sich mit Unternehmensberatung und Personalentwicklung und hat in Deutschland einen unternehmensübergreifenden unabhängigen Ethik Beirat gegründet, um Richtlinien für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz zu entwickeln.
https://www.haufe.de/pers... https://www.haufe.de/pers... •   Ausbildungs-Konto DE / Arbeitsversicherung
Im Deutschen Weißbuch Arbeit 4.0 wird die Zukunft einer Arbeitsversicherung beschrieben. Die Arbeitsversicherung soll dazu dienen, die Berufsplanung zu flexibilisieren und an die Lebensgegebenheiten besser anzupassen. Ausbildungskonten sollen es ermöglichen, Auszeiten zu nehmen und in die persönliche Aus- und Weiterbildung zu investieren. Es geht darum, dass die Arbeitsversicherung nicht nur dabei unterstützt, wenn der Fall einer Arbeitslosigkeit eintreten sollte, sondern bereits viel früher ansetzt, um diese schon im Vorfeld zu vermeiden.
https://www.bmas.de/Share... https://www.bmas.de/Share...
6. Positive Auswirkungen
Es gibt eine Reihe positiver Auswirkungen der digitalen Transformation der Arbeitswelt. Es ist wichtig, diese positiven Auswirkungen möglichst zu fördern und zu nutzen. Ziel, auch im Sinne des digitalen Humanismus in der Arbeitswelt, muss sein, die Welt für uns alle, also die Gesellschaft, lebenswerter zu machen. Folgende Punkte tragen dazu bei:

•   Sinnstiftende Arbeit
Routinearbeit wird zukünftig auch im Bereich der Wissensarbeit von Computern erledigt werden. Das lässt zu, dass sich die Menschen mit Arbeiten beschäftigen, die sinnvoller sind.

•   Mehr Spaß an der Arbeit
Durch mehr Selbstständigkeit und mehr Eigenverantwortung macht das Arbeiten mehr Spaß.

•   Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Ortsunabhängigkeit und freie Zeiteinteilung führen dazu, dass sich Berufs- und Familienleben besser vereinbaren lassen. Die Zeiten für An- und Abreise ins Büro sinken. So steht mehr Zeit zur Verfügung, die sinnvoll genutzt werden kann.

•   Weniger Umweltbelastung
Wenn nicht jeder Termin persönliche Anwesenheit voraussetzt und Zusammenarbei auch vernetzt stattfinden kann, sind weniger Autofahrten und Flugreisen notwendig. Das senkt die Umweltbelastung.

•   Größerer Markt für Unternehmen
Durch unsere vernetzte Welt und die daraus resultierende Globalisierung ergeben sich völlig neue Marktchancen für innovative und schnelle Unternehmen. Es ist bei digitalen Gütern vollkommen unerheblich, wo ein Unternehmen seinen Sitz hat. Österreich und Europa dürfen hier nicht ins Hintertreffen geraten - sie stehen im ständigen Wettbewerb. Umso wichtiger ist es hier auch, dass die Gesetzgebung - auch und vor allem innerhalb der EU - darauf abzielt, gleiche Rahmenbedingungen (keine Wettbewerbsverzerrung / faire Steuergesetzgebung) zu schaffen.

•   Mehr Ethik im Business
Die stärkere Transparenz von Unternehmen durch die Digitalisierung kann zu mehr Ethik im Geschäftsleben führen. (Vergleichsportale, Bewertungen von Unternehmen, etc.). Das alleine wird jedoch nicht ausreichen.

7. Innovative Technologien
Aus den zahlreichen digitalen Neuerungen der letzten Jahrzehnte haben sich einige als besonders folgenreich für Wissensarbeiter_innen herauskristallisiert. Es sind dies u.a. Zusammenarbeitstools, das Internet of Things (IoT), Künstliche Intelligenz, Big Data sowie die Blockchain.
Jeder Einsatz neuer Technologien bringt Nutzen (sonst würde die Technologie nicht eingesetzt werden), aber auch neue Herausforderungen, derer man sich bewusst sein muss. Hier sind insbesondere die Führungskräfte gefordert, sich auch Gedanken über Ethik im Bereich der Technologiefolgenabschätzung zu machen.

7.1 IoT (Datengewinnung)
a) https://de.wikipedia.org/...   https://de.wikipedia.org/...
7.2 Big Data / Business Intelligence
b) https://de.wikipedia.org/...   https://de.wikipedia.org/... c) https://de.wikipedia.org/...   https://de.wikipedia.org/...
7.3 AI / KI (Künstliche Intelligenz)
d) https://de.wikipedia.org/...   https://de.wikipedia.org/... e) https://www.bigdata-insid...   https://www.bigdata-insid...
7.4 Augmented / Virtual Reality
f) https://de.wikipedia.org/...   https://de.wikipedia.org/... g) https://de.wikipedia.org/...   https://de.wikipedia.org/...
7.5 Blockchain
i) https://newsroom.accentur...   https://newsroom.accentur... j) https://www.management-ci...   https://www.management-ci...
7.6 Collaboration Tools (Zusammenarbeit / Web Konferenzen)
k) https://en.wikipedia.org/...   https://en.wikipedia.org/...
7.7 Breitbandausbau (Glasfaser & 5G)
Österreich ist im Bereich des Glasfaserausbaus weltweit unter den Schlusslichtern mit knapp über 1% der Haushalte (zum Vergleich: Schweden versorgt mittlerweile 65% der Haushalte über Glasfaser). Die früher für die Telefonie eingesetzten Kupferleitungen sind bezüglich der übertragbaren Geschwindigkeit limitiert. Nur die Glasfasertechnologie kann ausreichend Bandbreite zur Verfügung stellen (Gigabit Bereich im Vergleich zu Megabit bei Kupferleitungen).

Abbildung 3: Anzahl der Glasfaseranschlüsse an Breitbandanschlüssen in %. Quelle OECD

Vielfach wird beim Breitbandausbau auf die Pilotprojekte zu 5G verwiesen. 5G kann nur eine ergänzende Technologie, aber kein Ersatz zu echtem Breitbandausbau sein. 5G ist für mobile Anwendungen unverzichtbar, Serverbetrieb sowie Anbindungen von größeren Gebäuden (z.B. Büros) ist mittels 5G nicht möglich.
Aber auch beim Ausbau von langsameren Breitbandanschlüssen ist Österreich nur im unteren Mittelfeld angesiedelt. Bei den Anschlüssen mit mindestens 30Mbit ist Österreich nicht führend. Österreich hat hier daher Standortnachteile gegenüber den führenden Ländern.

http://publications.europ... http://publications.europ...
8. Ethik in Arbeits- und Lebenswelten
Arbeits- und Lebenswelten haben in den letzten Jahrzehnten an Dynamik und Komplexität deutlich zugenommen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Dies hat auch Auswirkungen auf Entscheidungsfindungen in allen Bereichen des Lebens. Ein lineares, logisch analytisches Abwägen nach Grundsätzen der Kausalität wird schon wird allein wegen der vielen Wechselwirkungen (Komplexität) immer schwieriger. Die Umweltproblematik trägt das Ihre dazu bei, den Druck für Entscheidungsfindungen zu erhöhen.
Entscheidungen auch ethischen Überlegungen zu unterziehen, wird wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Gesellschaft und der Wirtschaft nehmen. Dies deshalb, weil in der digitalen Welt neuartige Auswirkungen noch nicht ausreichend reflektiert wurden und ein Diskurs der Auswirkungen digitaler Möglichkeiten unter ethischen Aspekten noch relativ neu, jedenfalls jedoch noch nicht hinreichend zu Ende diskutiert werden konnte.
Abbildung 4 zeigt einen Vorschlag von Spiekermann 7 , welche Werte und Überlegungen, ähnlich der Maslow'schen Bedürfnispyramide, reflektiert und diskutiert werden könnten, um Ethik in die Entscheidungsfindung zu integrieren.

[7: Quelle: Spiekermann, S. (2019) Digitale Ethik, Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert, München: Droemer/Knaur]

Es gehört zum Wesen der Ethik, keine konkreten Handlungsempfehlungen anzubieten (dies wäre dem Begriff „Moral“ zuzuordnen). Ethik gibt im besten Fall eine generische Anleitung, entlang von gesellschaftlichen Annahmen, Werten und Überzeugungen, wie in einer spezifischen Situation zu einer Entscheidung gekommen werden kann. Bleibt die Frage, in welcher Form eine konsensfähige, ethische Entscheidungsfindung in Organisationen institutionalisiert werden kann.


Abbildung 4: Spiekermann, S., S. 174

Ein möglicher Ansatz ist die Installation von „Ethikmanagern“ in Organisationen. Die Person mit dieser Rolle kann bei ethisch relevanten Fragestellungen den Entscheidungsprozess unter ethischen Gesichtspunkten moderieren. Auch eine Ethikkommission, wie zum Beispiel in Krankenhäusern bereits üblich, kann ethisch zu berücksichtigende Aspekte sicherstellen.
Um eine breite Beachtung ethischer Aspekte in Organisationen zu gewährleisten, empfehlen wir eine legistische Berücksichtigung der digitalen Ethik in Bereichen des Wirtschaftsrechts und die Möglichkeit externer Aufsicht, ähnlich der Telekom- oder Stromanbieteraufsichtsbehörde oder der Einrichtung von außergerichtlichen Schiedsstellen.


9. Digitaler Humanismus in der Praxis
Digitaler Humanismus ist nicht als linearer Prozess zu sehen, sondern vielmehr als ständige Schleife. Wir sehen fünf Schritte, die zum Ziel führen.

I. Information und Bildung
1.   Information und Berichterstattung über aktuelle Entwicklungen, Chancen und mögliche Gefahren 2.   Nationaler Schulterschluss zur Reform des Bildungssystems - von der schulischen Ausbildung über Erwachsenenbildung und -förderung bis zur Förderung der persönlichen Initiative (siehe dazu weiteres White Paper).
II. Breiter öffentlicher transparenter Diskurs
1.   Wie wollen wir als Gesellschaft zusammenleben? 2.   Chancen und Risiken 3.   Wie können Risiken im Sinne der Gesellschaft mitigiert werden?
III. Festlegen von Regeln & Normen
1.   Unterstützung des Gesetzgebers durch einen unabhängigen, parteifreien, transparenten Ethikbeirat unter Einbindung von unabhängigen Experten und der Zivilgesellschaft 2.   Ableitung von Gesetzen, die den Willen der Bevölkerung reflektieren 3.   Normen und Regeln weiterentwickeln Gliederung der Normen nach Beispiel des Corporate Governance Kodex Legal Requirements (L) – zwingend Comply or Explain (C) – Abweichungen müssen begründet werden Recomendation (R) – Empfohlene Regeln
IV. Unterstützung und Überwachung der Einhaltung der Regeln & Normen
1.   Aus- und Weiterbildung im Unternehmen. 2.   Ethischer Umgang mit neuen Technologien muss in der Verantwortung des CEO und des gesamten Vorstandes liegen. 3.   Ethik als Compliance im Unternehmen verankern. Unterstützung durch „Ethik Manager“ und Betriebräte im Unternehmen. 4.   Interne und externe Audits, die die Einhaltung sicherstellen. 5.   Konsequenzen bei Verstößen.
V. Monitoring und Weiterentwicklung
Ständiges Monitoring, Lernen und Weiterentwicklung
10. Forderungen der Digital Society
Definition von Ethikstandards
durch interdisziplinäre Zusammenarbeit von Technik-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften. Etablierung eines Ethikbeirates, der parteiunabhängig und transparent unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft arbeitet. Ethikrichtlinien, die durch einen breiten Diskurs entstanden sind.
•   Offenlegung und Nachvollziehbarkeit der Entscheidungskriterien von Künstlicher Intelligenz (KI)
•   Prüfung der Lösungen hinsichtlich ökologischer Auswirkungen
•   Prüfung der Lösungen hinsichtlich gesellschaftlicher Auswirkungen

Digitaler Humanismus in der Arbeitswelt
Digitale Technologien in Unternehmen sollen nach den definierten Ethikrichtlinien so eingesetzt werden, dass offene, lernende Unternehmenskulturen entstehen, die den Menschen (Kunden und Mitarbeiter) in den Mittelpunkt stellen und Diversität als Chance gesehen wird. Ein respektvoller Umgang, Teamarbeit und angemessene Privatsphäre der Mitarbeiter_innen sollen gefördert werden.

Nationaler Schulterschluss zur Aus- und Weiterbildung
Förderung von lebenslangem Lernen und einer Lernkultur in unserer Gesellschaft. Absicherung und Unterstützung durch staatliche Unterstützungen.
•   Weiterbildungsinitiativen innerhalb der Unternehmen
•   Reform des Erwachsenenbildungswesens
•   Stärkung der persönlichen Initiative

Faires Spielfeld mit gleichen Spielregeln für Unternehmen
Herstellen eines fairen Wettbewerbs im digitalen Bereich in Europa zur Förderung von neuen Angeboten und Innovation.
•   Abbau „digitaler Monopole“
•   Faire Steuergesetzgebung
•   Zugang zu API’s bei Monopolen und staatlich geförderten Plattformen
•   Zugriff auf Daten von Monopolen und staatlich geförderten Projekten als „Open Data“

Modernes Sozialsystem
Errichtung eines modernen Sozialsystems, das die Förderung der Menschen in den Mittelpunkt stellt, „digitale Verlierer“ möglichst vermeidet und sich dennoch um die Schwächsten in unserem System kümmert. Neudefinition des Arbeitsbegriffes und Entlohnung von Arbeit, die der Gesellschaft nützlich ist.
11. Was trägt die Digital Society zur Lösung bei?
Think Tank
•   Aufzeigen von Herausforderungen und Lösungsansätzen •   Sammlung von Erkenntnissen der Wissenschaft und Forschung
Zusammenarbeit mit Fachhochschulen und Universitäten,
Beobachtung von einschlägigen Masterthesen und Diplomarbeiten •   Erstellung von Studien durch das Digital Society Institute Laufende Studie: Reifegrad von Unternehmen - Digitalen Transformation https://digisociety.insti... https://digisociety.insti... •   Teams (Arbeitsgruppen) zur Erarbeitung von Lösungsvorschlägen •   Breite Partizipation mittels Online Partizipationstools Information und Veranstaltungen
•   Regelmäßiger Newsletter •   Digitalks – Diskussionsrunden •   Business Circle für Unternehmen https://digisociety.at/bu... https://digisociety.at/bu... •   Blog Postings mit Informationen zu aktuellen Themen •   Social Media Beiträge •   Aufzeichnung ausgewählter Veranstaltungen Stellungnahmen im Gesetzgebungsprozess zu aktuellen Themen und Intervention im Sinne unserer Forderungen
Einige unserer Stellungnahmen in der jüngeren Vergangenheit
•   Stellungnahme zur Urheberrechtsnovelle 2015 https://digisociety.at/20... https://digisociety.at/20... •   Gemeinsame Kritik an geplanter EU Urheberrechts Richtlinie (2016) https://digisociety.at/20... https://digisociety.at/20... •   Stellungnahme der Digital Society zum Sicherheitspaket https://digisociety.at/20... https://digisociety.at/20... •   Digital Society kritisiert das geplante Digitalsteuergesetz https://digisociety.at/20... https://digisociety.at/20... •   Stellungnahme zum “Staatstrojaner” https://digisociety.at/20... https://digisociety.at/20... Einmahnen der Forderungen
•   Diskussion und Zusammenarbeit mit anderen Interessenvertretungen •   Diskussionen mit den im Parlament vertretenen politischen Parteien •   Offene Briefe / Petitionen und Stellungnahmen Einbringen in Expertenkommissionen
•   Einbringen in Beiräte der Regierung wie beispielsweise dem Beirat für Informationsgesellschaft des Bundeskanzleramtes bis 2018 •   Einbringen in Aktivitäten und Beratung des Bundesrates zum Thema Digitalisierung Umsetzung von Projekten
Beratung und Unterstützung für Unternehmen
Mit unseren Experten im Digital Society Consulting https://digisociety.consu...   https://digisociety.consu... •   Unternehmensführung •   Innovation •   Agilität •   Unternehmenskultur Spezielles Seminarangebot zum Thema Digitalisierung in unserem Digital Society Institute https://digisociety.insti... https://digisociety.insti...
12. Über die Digital Society
Wir sind ein gemeinnütziger, parteiunabhängiger Verein, der daran arbeitet, seiner Vision „eine freie digitale Welt, von der alle Mitglieder unserer Gesellschaft profitieren“ Schritt für Schritt näher zu kommen.
Gemeinsam mit anderen Vereinen, Interessenvertretungen und Vertretern der Politik, beschreiten wir einen Weg, um mit der Digitalisierung unsere Gesellschaft in die richtige Richtung zu bewegen.
Dazu veranstalten wir u.a. sogenannte Digitalks, in denen wir unterschiedliche Aspekte der Digitalisierung (Chancen aber auch Risiken) diskutieren.
Wir arbeiten bei Begutachtungen und Stellungnahmen von Gesetzen mit, die die Digitalisierung betreffen aktiv mit und lassen unsere Expertenmeinung einfließen.
Wofür steht Digital Society?
30 Sekunden Kurzvideo -> https://www.youtube.com/w...   https://www.youtube.com/w... Folgen Sie unserem Newsletter
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Unser Ziel unabhängig zu sein, kann nur erreicht werden, wenn unsere Finanzierung von vielen Menschen getragen wird. Daher laden wir Sie ein, Fördermitglied der Digital Society zu werden, denn nur regelmäßige Beiträge, seien sie noch so klein, können unsere Unabhängigkeit sichern.
Unsere Fördermitgliedschaft ist risikolos und jederzeit kündbar.
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Fühlen Sie sich unseren Zielen, Inhalten und Themen verbunden? Wollen Sie uns ehrenamtlich unterstützen? Werden Sie Teil unseres Teams! Wir freuen uns auf Sie:
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Herzlich willkommen auf der ePartizipations-Plattform der Digital Society!
Beteiligen Sie sich an der Erarbeitung unserer Dokumente. Ihr Input ist uns wichtig. Lesen Sie den vorliegenden Entwurf unseres Positionspapiers zum Thema „Zukunft der Wissensarbeit“ und bringen Sie sich aktiv in den Diskussionsprozess ein. Vielen Dank im Voraus für Ihre Mitarbeit! Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Werner Illsinger, Präsident der Digital Society Alfons Parovszky, Vizepräsident und Leiter Team Arbeit der Digital Society

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